Kloten

«Wir können gut zusammenarbeiten»

Züri Unterlands Volleyballerinnen gehen unter neuer Leitung in die NLB-Saison. Als neue Cheftrainerin fungiert Svetlana Ilic, die einstige Serien-Meistertrainerin des Nachbarn Volero Zürich.

Svetlana Ilic in ihrem Büro in der Geschäftsstelle von Volero Zürich, umgeben von Pokalen.

Svetlana Ilic in ihrem Büro in der Geschäftsstelle von Volero Zürich, umgeben von Pokalen. Bild: Christian Merz

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Svetlana Ilic, Sie haben im Laufe Ihrer Karriere als Trainerin in fünf Ländern gearbeitet, dabei sieben Titel gesammelt und unter anderem die Nationalteams der Schweiz und Österreichs trainiert. Warum haben Sie nun genau Züri Unterlands Frauen in der zweithöchsten Liga der Schweiz übernommen?

Svetlana Ilic: Das Traineramt in Kloten hängt mit meiner Tätigkeit als Leiterin der Volero-Zürich-Akademie zusammen, für die ich letztes Jahr im Sommer in die Schweiz zurückgekommen bin. Im Verlauf des Jahres haben Voleros Clubpräsident Stav Jacobi, Züri Unterlands Clubpräsident Vassilios Koutsogiannakis und ich immer wieder intensiv Gedanken ausgetauscht und gemeinsam überlegt, was wir tun können, um den Talenten hier in der Region eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Die intensivere Kooperation, welche die beiden Nachbarvereine im Nachwuchsbereich jetzt begonnen haben, ist das Ergebnis dieser Gespräche. Und mein Amt als Coach des Damen-1-Teams von Züri Unterland ist ein wichtiger Teil des Projekts. Hier sollen die jungen Spielerinnen, die in ihrer Ausbildung schon am weitesten sind, zusammen mit erfahreneren jungen Frauen spielen und Matchpraxis auf hohem Niveau sammeln. Das mit dem Ziel, später einmal den Schritt zu einem Profiteam zu schaffen, zum Beispiel zu Volero Le Cannet in Frankreich.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das sehr von Ihren früheren Engagements, zum Beispiel während Ihrer ersten Zeit in Zürich. Von 2009 bis 2012 haben Sie Volero Zürich mit gestandenen Spielerinnen dreimal in Serie zum Gewinn des Doubles aus Schweizer Meistertitel und Cup geführt.

Beides scheint nur auf den ersten Blick unterschiedlich. Denn eigentlich war die Idee damals ganz ähnlich. Die Spielerinnen damals waren zwar etwas älter, aber immer noch sehr jung. Die Idee war, sie hier in Zürich zu europäischen Spitzenspielerinnen auszubilden. Wenn ich auf meine bisherige Laufbahn als Trainerin zurückblicke, dann war meine Philosophie immer, etwas aufzubauen. Ein Team zu formen, mit jungen Leuten zu arbeiten, ihnen etwas beizubringen und sie zu besseren Volleyballerinnen zu machen.

Was macht für Sie den besonderen Reiz Ihrer aktuellen Tätigkeit in Zürich-Oerlikon und Kloten aus ?

Hier arbeite ich mit sehr jungen Spielerinnen zusammen. Sie müssen wirklich noch sehr viel lernen. Und das nicht nur auf dem Feld. Für sie geht es auch um Fragen wie sportliche Ernährung und athletische Lebensführung, was zum Beispiel genügend Schlaf und Erholungszeit beinhaltet. Mit ihnen muss ich viele solcher Details gut anschauen. Das geht natürlich sehr viel tiefer, als wenn man mit Profis arbeitet. Hier ist Basisarbeit gefragt – das macht für mich aber genau den Reiz aus. Und es gibt nicht viele Orte in Europa, an denen junge Spielerinnen so gut gefördert werden.

Seit etwas mehr als einem Monat trainieren Sie nun schon Züri Unterlands NLB-Team. Welches sind Ihre ersten Eindrücke?

Vassilios Koutsogiannakis kenne ich ja schon lange, auch von einer anderen Seite her. Er ist mein persönlicher Anwalt. (lacht) Aber auch alle anderen haben mich wirklich sehr gut empfangen und aufgenommen. Und das, obwohl ich emotional eng mit dem grossen Nachbarclub Volero Zürich verbunden bin und das auch immer bleiben werde. Über den VBC Züri Unterland habe ich davor nicht allzu viel gewusst. Aber es hat mich in der kurzen Zeit schon beeindruckt, dass dort so viele Leute so viel Arbeit in ihren geliebten Club stecken. Für sie ist Volleyball eine grosse Leidenschaft, für mich mein Beruf. Das sind zwei verschiedene Blickwinkel – aber ich denke, wir können gut zusammenarbeiten.

Mit Ihnen sind drei Spielerinnen der Volero-Akademie sowie zwei aus der Volleyball Talent School, an der Sie und Ihr Assistenztrainer Frieder Strohm ebenfalls regelmässig Trainings geben, zu Züri Unterland gekommen. Diese fünf trainieren mehr und wollen im Volleyball noch weiter nach oben kommen als die meisten ihrer älteren Mitspielerinnen, die aus dem Kern des Teams aus der vergangenen Saison geblieben sind. Wie harmonieren die verschiedenen Gruppen denn miteinander?

Ich bin mir vollkommen bewusst, dass es eine grosse Herausforderung ist, sie zusammenzubringen. Natürlich gibt es grosse Unterschiede zwischen einer 17- und einer 23-Jährigen. Aber der gemeinsame Sport kann beide verbinden, er ist für alle gleich. Und ich habe die erfahreneren Spielerinnen im Team bisher als sehr anständig erlebt. Sie haben gute Umgangsformen und Gewohnheiten, mit denen sie den Jüngeren als gute Vorbilder dienen. Es geht nun darum, eine gute Mischung zu finden aus den sehr talentierten, aber auch sehr jungen Spielerinnen und den sehr fähigen, erfahreneren, die in dieser Liga gute Ergebnisse erreicht haben. Gerade die Eindrücke aus dem Trainingslager in Varese von Ende September stimmen mich sehr zuversichtlich, dass uns das tatsächlich gelingen wird. Dort habe ich gesehen, dass hier eine homogene Gruppe entstehen kann, die gut zusammenarbeitet.

Was kann und soll diese Gruppe in der neuen NLB-Saison rangmässig erreichen?

Darüber haben wir uns noch nicht genau unterhalten. Im Moment möchte ich die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Für die jungen Spielerinnen ist die NLB Neuland und ein grosser Schritt. Aber jeder, der mich kennt, weiss, dass ich als Trainerin immer alles gebe, um zu gewinnen.

Neben Ihrem Team ist auch der Trainerstab mit drei Assistenten breit aufgestellt. Haben Sie die Aufgaben und Kompetenzen untereinander schon aufgeteilt?

Ein solches Trainerteam ist ein grosser Vorteil, zumal wir uns alle gut verstehen. Für das NLB-Team bin ich die Cheftrainerin und Frieder Strohm mein Assistent, während Vassilios Koutsogiannakis und Philipp Häring die jüngeren Talente im Damen-6- und den Juniorinnen-Teams betreuen. Sie beide kommen während der Woche aber auch zu möglichst vielen Trainings mit der ersten Mannschaft. Genau so, wie ich, wenn immer ich Zeit habe, zu Trainingseinheiten der Damen 6 komme. Für das Coaching in den NLB-Spielen sind Frieder Strohm und ich zuständig. Frieder bleibt aber parallel Assistenzcoach der Schweizer Frauen-Nati. Wenn er deswegen abwesend ist, wird Vasi Koutsogiannakis ihn ersetzen.

Und Sie selbst: Bleiben Sie denn österreichische Frauen-Nationaltrainerin?

Nein, mein Vertrag ist am 30. September abgelaufen. Der österreichische Verband wollte mich behalten. Ich hatte dreieinhalb sehr schöne Jahre mit den Österreicherinnen. Von ihnen stehen jetzt einige in grossen europäischen Ligen als Profis unter Vertrag, was vorher nicht der Fall war. Aber es ist nicht möglich, beide Jobs gleichzeitig gut auszuüben. Und ich habe mich für die Aufgabe hier entschieden, weil ich sie interessanter finde.

Hat es Sie denn nicht gereizt, wieder ein Profiteam zu trainieren? Angebote dafür dürften Sie ja immer wieder einmal bekommen.

Ja, aber ich denke wirklich, meine Fähigkeiten nützen den jüngeren Spielerinnen mehr als den erwachsenen. Ich sehe mich als Ausbildnerin der Jungen. Ihnen etwas mit auf den Weg zu geben und dann zu sehen, dass sie sich in einem grossen europäischen Club durchsetzen können, bedeutet mir mehr als ein weiterer Meistertitel. Ausserdem bin ich vor meiner Trainerkarriere schon als Spielerin viel herumgekommen und habe genügend Trophäen gesammelt. Das Projekt hier mit Volero und Züri Unterland ist für mich Herausforderung genug.

Erstellt: 09.10.2019, 18:27 Uhr

Zur Person

Die vielseitige Meistertrainerin

Die 45-jährige Svetlana Ilic war schon als Spielerin erfolgreich unterwegs – und vielseitig. Im Alter von 15 Jahren unterschrieb die serbisch-kroatische Doppelbürgerin in ihrer Heimat im damaligen Jugoslawien den ersten Profivertrag. Im Verlauf ihrer Karriere übernahm sie in Angriff und Annahme, aber auch als Libera oder Passeurin Verantwortung und war in Kroatien, Serbien, Italien, Russland und Belgien engagiert. Dort startete sie ihre Laufbahn als Trainerin: als Assistenzcoach des Nationalteams und Cheftrainerin der Equipe von Dauphines, mit der sie 2009 den belgischen Meistertitel holte. Es folgten erfolgreiche Jahre in Zürich: Mit Volero gewann sie dreimal in Serie das Double und führte das Team in die Champions-League-Viertelfinals. 2012 übernahm sie mit Dinamo Moskau einen der berühmtesten Clubs. Neben Engagements als schweizerische und österreichische Nationaltrainerin stand Svetlana Ilic für eine kurze Saison gar in Indonesien unter Vertrag. (pew)

Nationalliga B

Züri Unterland. Kader 2019/20

Aussen-/Diagonalangriff: Jill Frangi (Jahrgang 1998/Grösse 1,69 m), Doris Jankovic (2004/1,78/neu von Volero Zürich), Nadine Mattmann (86/1,74), Giulia Volume (03/1,79/Steinhausen), Lisa von Arx (03/1,74). – Mittelblock: Seraina Casanova (97/1,81/Spanien), Kristina Kalman (04/1,85/Volero Zürich), Miljana Petrovic (03/1,77), Isabelle Reiser (92/1,80/Toggenburg), Godeliv Schwarz (02/1,89/Rüschlikon). – Pass: Eliane Häring (99/1,60), Roxana Wenger (94/1,74). – Libera: Alina Chicherio (97/1,67), Rebekka Merkofer (98/1,64). – Universal: Vera Caluori (92/1,85), Eva Krieger (98/1,64/Aadorf). – Trainer: Svetlana Ilic (Cheftrainerin/72/neu), Frieder Strohm (Assistent/88/neu), Vassilios Koutsogiannakis (84/seit 2016). – Abgänge: Sindi Mico (Aadorf), Léa Montavon (Lugano), Diana Steffen, Paula Widmer (beide Pause).

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