Bassersdorf/Winkel

«Wir würden in Bassersdorf gerne mehr Arbeitsplätze haben»

Standortförderung ist erfolgreich, wenn es neue Arbeitsplätze gibt. Doch für Doris Meier-Kobler geht es um mehr: Sie fordert vernetztes Denken, das an Gemeindegrenzen nicht Halt machen darf.

Der Flughafen als Wirtschaftsmotor der Region:  Aus Sicht der Standortförderer könnten sich hier noch mehr Firmen ansiedeln.

Der Flughafen als Wirtschaftsmotor der Region: Aus Sicht der Standortförderer könnten sich hier noch mehr Firmen ansiedeln. Bild: Archiv

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Ob man in Kloten auf Piste 10, Piste 16 oder Piste 28 startet, man überfliegt unmittelbar dicht besiedeltes Gebiet; nicht nur mit vielen Einwohnern, sondern auch mit zahlreichen Firmen. Gerade davon könnte die Gegend durchaus mehr vertragen; So zumindest sieht das Doris Meier-Kobler. Die FDP-Kantonsrätin und Bassersdorfer Gemeindepräsidentin sitzt im Vorstand des Vereins «Flughafenregion Zürich», dessen Zweck in der Standort-, beziehungsweise der Wirtschaftsförderung besteht. «Dazu gehört allerdings nicht nur, dass wir versuchen neue Firmen zu uns zu holen. Wichtig ist auch, dass wir denen Sorge tragen, die bereits bei uns zuhause sind», sagt sie.

Während eine dreistellige Zahl von Firmen Vereinsmitglieder der «Flughafenregion» sind, vertritt Meier-Kobler im Vorstand, zusammen mit Paul Remund (Opfikon) und André Ingold (Dübendorf), die politischen Gemeinden. Sie soll also primär die Anliegen der bisher zehn Städte und Dörfer einbringen. «Als Gemeinde müssen wir enger mit den Vertretern der Wirtschaft zusammenarbeiten», sagt sie. Der Kontakt dafür geschehe über die gemeinsamen Veranstaltungen. «So komme ich direkt mit den Verantwortlichen der Unternehmen ins Gespräch und erfahre, welche Anliegen sie haben.»

Hüte von Region und Dorf

Aber auch am Ziel, zusätzliche Unternehmen anzusiedeln, arbeiteten die Gemeinden eng zusammen. So werde beispielsweise jede neue Standortanfrage, wie sie auf dem Schreibtisch des Vereinsvorstands lande, allen angeschlossenen Gemeinden mitgeteilt. «Eine Triage oder was Ähnliches gibt es nicht.» Hier ist die Rolle von Doris Meier-Kobler spannend, wenn auch nicht ganz leicht: Gegenüber den Firmenchefs hat sie die Hüte aller Flughafengemeinden gleichzeitig auf, vertritt die politische Region. Wenn sie im gleichen Atemzug ausführt, dass «Bassersdorf ganz gern mehr Arbeitsplätze haben würde», spricht sie als Gemeindepräsidentin.

Der Wunsch ist nachvollziehbar: Auf 10 Einwohner kommen in «Bassi» 4 Arbeitsplätze; rund 650 insgesamt. Wenig, im regionalen Vergleich: In Dietlikon und Rümlang sind es 8 auf 10 Einwohner, in Opfikon 10, in Wallisellen 13 und in der Flughafenstadt 19. Der Anteil der juristischen Personen an den Gemeindesteuern liegt in Bassersdorf bei 7,2 Prozent. Dietlikon, Wallisellen oder Opfikon haben Werte über 40 Prozent, in Kloten waren es 2017 68 Prozent.

Diesbezüglich hat die Standortförderung eine sehr kommunale Ebene; nicht nur des Steuerfusses wegen (der in Bassersdorf mit 109% ebenfalls höher als bei den Nachbarn angesetzt ist). Auch wenn es um die politischen Voraussetzungen für die Ansiedlung neuer Firmen geht, etwa um die Revision der Bau- und Zonenordnung (BZO).

Hier hat der Gemeinderat eine klare Vorstellung: In den Gebieten Grindel und Bahnhof Süd wäre das entsprechende Wachstum möglich, «da ist Potenzial für Mischzonen mit innovativem Gewerbe». Und nicht zuletzt der kantonale Richtplan hätte das auch so vorgesehen: Bassersdorf gehört zum Handlungsraum «Stadtlandschaft»; das sind laut Siedlungsentwicklungsstrategie diejenigen Gebiete, die 80 Prozent des künftigen Wachstums auffangen sollen. Nur: Die Gemeinde besitzt in den Gebieten kein Land. «Wir können die Kontakte zwischen Firmen und den Grundeigentümern herstellen, was wir auch tun», sagt Meier-Kobler. Gleichzeitig ist auch stets der Wille des Stimmbürgers zu respektieren: Und die Bassersdorfer haben eine Einzonung des Landwirtschaftsgebiets «Bahnhof Süd» 2018 abgelehnt.

Freilich, die Siedlungsentwicklung als Gesamtprojekt bleibt am Ende eine regionale und keine lokale Angelegenheit. Und im Zuge dessen wird auch die «Flughafenregion Zürich» als Gebiet für die Standortförderung grösser. Einst aus dem heute noch als vorwiegend operativ tätigen Gemeindeverbund «Glow. Das Glattal» herausgelöst, haben sich im Jahr 2018 nicht nur 140 weitere Unternehmen angeschlossen, sondern auch die Stadt Bülach. Damit sind die Grenzen des Glattals definitiv gesprengt.

«Wir müssen aufhören damit, in kleinen Einheiten zu denken.»Doris Meier-Kobler, Kantonsrätin FDP, Gemeindepräsidentin Bassersdorf und Vorstand Flughafenregion Zürich

Bleibt die Frage, ob eine solche Expansion überhaupt wünschenswert ist? Ja, sagt Meier-Kobler. «Wir müssen aufhören, in kleinen Einheiten zu denken.» Überdies gebe es Gemeindegrenzen nur noch auf der Landkarte, «wirtschaftlich denken wir über diese Grenzen hinweg»».

Die Winkler im Visier

Noch wirkt Bülach auf dieser Karte wie ein etwas loses Anhängsel im Norden. Gleichzeitig ist die Stadt Flughafenanrainer. Entsprechend ist man sich im Vorstand der «Flughafenregion» sicher: «Winkel hätten wir schon ganz gern dabei.»

Bei den Gemeindeverantwortlichen ist diese Botschaft längst angekommen. Und tatsächlich sei ein möglicher Beitritt zur «Flughafenregion» ein aktuelles Thema, sagt der Winkler Gemeindeschreiber Manfred Hohl. «Der Gemeinderat hat den Beitritt in den vergangenen Jahren bereits ein paar Mal ins Auge gefasst.» Bislang sei das Ansinnen aber stets ad acta gelegt worden.

Zum einen habe man den Mitgliederbeitrag, der für kleine Gemeinden wie Winkel bisher bei pauschal 10000 Franken lag, als zu hoch empfunden. «Zum anderen hat sich der Gemeinderat jeweils dagegen ausgesprochen, bei zwei Standortförderern gleichzeitig dabei zu sein.» Winkel ist, wie die Stadt Bülach auch, Mitglied beim Verein «Standort Zürcher Unterland»; und dieser verfolgt, mal abgesehen von seinem Tourismus-Standbein, den praktisch gleichen Zweck.

«Ideal wäre aus unserer Sicht natürlich, wenn sich die beiden Vereine zusammenschliessen würden», meint Hohl. Aber zweimal für die Standortförderung zahlen, das wolle man nicht. Der Beitritt zur Flughafenregion werde aber in den nächsten Jahren sicher wieder thematisiert.

Erstellt: 26.05.2019, 16:49 Uhr

Doris Meier-Kobler, Kantonsrätin FDP, Gemeindepräsidentin Bassersdorf und Vorstand Flughafenregion Zürich.

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