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Wo einst Plastikblumen blühten

Der Dekorationsfachmarkt Dekoplus räumt sein Lager. Der Grund ist der Verkauf der Liegenschaft, in welcher der Inhaber Christoph Hagedorn seit 15 Jahren ein­ge­mietet war. Mit abgespecktem Konzept und neuem Standort geht es aber weiter.

Christoph Hagedorn zeigt eine 90 Jahre alte Schaufensterpuppe von Käthe Kruse. Auch von diesem wertvollen Stück will er sich trennen.
Christoph Hagedorn zeigt eine 90 Jahre alte Schaufensterpuppe von Käthe Kruse. Auch von diesem wertvollen Stück will er sich trennen.
Paco Carrascosa

Mit ihren sanften Augen blickte sie jahrelang aus dem Schau­fens­ter des Robert Ober Modegeschäftes an der Zürcher Bahnhofstrasse auf die Passanten. Dann sass sie für lange Zeit im Büro von Christoph Hagedorn, Inhaber des Geschäftes Dekoplus in Bülach. Jetzt möchte Hagedorn sich ganz bewusst von der rund 90-jährigen Schaufensterpuppe von Käthe Kruse, der bekann­tes­ten Pup­pen­macherin, trennen, denn es geht eine Ära zu Ende­.

Nach 25 Jahren in Bülach, davon 15 Jahre an der Soli­strasse 37, gibt Hagedorn einen grossen Teil seines Ge­schäftes­ mit Secondhandartikeln auf.Betritt man das 600 Quadratmeter grosse Lager, weiss man, was das bedeutet. Hier lagert gebrauchtes Dekorationsmaterial in Hülle und Fülle: Forsythien­äste, Sonnenblumen in allen Va­ria­tionen und rote Rosen suchen genauso ihre Abnehmer wie Lampen, Körbe oder Christbaumschmuck. All das hat Hagedorn in den letzten Jahren verkauft und vermietet.

«Es war unser Kern­geschäft und hat die Hälfte des Umsatzes ausgemacht», erklärt er. Jetzt wird die alte Industrie­liegenschaft abgerissen. Alte Lager­räume zu günstigen Konditionen zu finden sei fast unmöglich. Deshalb läuft jetzt ein Ausverkauf der ganzen Ware. «Am ersten Tag wurden wir überrannt», sagt Hagedorn und lacht.

Vom Verkaufs-zum Dekorationsgeschäft

Die Geschichte von Dekoplus be­gann­ vor 25 Jahren. «Zuerst verkauften wir Dekoartikel in kleinem Rahmen, dann kamen Eventagenturen auf und mieteten bei uns Dekomaterial, zum Beispiel für Kundenfeste.» Christoph Hagedorn erweiterte sein Angebot in der ganzen Schweiz mit Franchisingpartnern. Schliesslich kamen grössere und kleine Einkaufszentren auf ihn zu. «Mit der Zeit wurden wir so zu Dekorateuren.»

«Zuerst verkauften wir Dekoartikel in kleinem Rahmen, dann kamen Eventagenturen auf und mieteten bei uns Dekomaterial, zum Beispiel für Kundenfeste.»

Christoph Hagedorn

Hagedorn und sein Team werden auch weiterhin Dekorationsmaterial für Events mit beson­deren Themen wie Wild West oder Schweiz vermieten. Auch Firmen, Einkaufszentren und pri­vate Veranstaltungen werden themengerecht ausgestattet. «Eine grosse Sportkette hat zur Fussball-Weltmeisterschaft 32 Schaufensterpuppen gemietet. Für jede teilnehmende Mannschaft eine, und hat diese dann mit Kleidern bestückt.»

Viele schöneErinnerungen bleiben

Im September muss das Lager geräumt­ sein, denn die Liegenschaft wird verkauft «Den Rest unse­rer Ware geben wir zwei Brocken­häusern.» Unterdessen konnte Christoph Hagedorn in Winkel zwei Scheunen mieten. Dort ist jetzt die ganze Miet­ware wie Kerzenständer, Mannequins und das Kundenlager unter­gebracht. Auch die Produktion und die Verpackerei befinden sich dort, wo hingegen die Verwaltung in Eglisau ist.

Bis jetzt verspürt Hagedorn noch keine Wehmut. Dazu werde es vermutlich kommen, wenn der letzte Kunde vorfahren wird. «Für mich sind mit ­jedem Auftrag schöne Geschichten und Erinnerungen verbunden. Es geht um die Leute, die ich kennen gelernt habe. Diese Kontakte werden mir sicher fehlen.»

Eine kleine Anek­dote aus dem Geschäftsleben erzählt er noch. «Im aargauischen Möhlin entstand ein wunderschöner Dekoplus-Laden. Er wurde aber nie eröffnet. Wie sich heraus­stellte, handelte es sich dabei um eine Tarnfirma. Der Geschäfts­führer landete im Gefäng­nis, denn er wollte mit dem Geschäft Drogengelder waschen­.» In diesem Moment war Hagedorn froh, dass er einen Franchising-Vertrag unter­zeichnet hatte und somit aus dem Schneider war.

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