Freibäder

Wo selbst Familienfotos tabu sind

Handy-Fotos sind ein heikles Thema. Manche Unterländer Badis sprechen daher ein generelles Foto-Verbot aus. Selbst Familienfotos sind dort verboten. Dass das Handy in der Badi aber auch sonst zur Gefahr werden kann, davon können die Bademeister in Bülach ein Lied singen.

Kurz ein Foto von Badenden fürs Internet schiessen, das ist in vielen Unterländer Badeanstalten nicht erlaubt.

Kurz ein Foto von Badenden fürs Internet schiessen, das ist in vielen Unterländer Badeanstalten nicht erlaubt. Bild: Keystone

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Kaum jemand will ein unerwünschtes Bild von sich online sehen, erst recht nicht, wenn er oder sie sich im Bikini oder in der Badehose sonnt. Doch in der heutigen Zeit, in der fast jeder ein Smartphone mit Kamera besitzt, ist genau diese Gefahr gross. Das Thema Fotografieren beschäftigt daher auch die Unterländer Badis, wie eine Umfrage des «Zürcher Unterländers» zeigt. Doch diese gehen damit ganz unterschiedlich um.

Strenge Regeln gelten etwa im Bülacher Freibad Hirslen. Das Foto-Verbot ist dort seit Längerem in der Hausordnung festgehalten. Wer trotzdem sein Handy zückt, um Fotos zu schiessen, der wird vom Bademeister ermahnt, selbst wenn er ein Bild von seinen eigenen Kindern machen möchte. Ausnahmen gibt es nicht. «Unsere Bademeister sind sehr präsent und suchen das Gespräch mit den Gästen.» Die meisten Leute seien einsichtig, erklärt René Zehnder, Teamleiter Sporthalle und Hallenbad. Probleme mit unerlaubten Fotos habe es bisher nicht gegeben.

Ähnlich strenge Regeln gelten seit diesem Sommer im Dietliker Freibad Aqua-Life, Faisswiesen. Auch dort gilt ein striktes Foto- und Film-Verbot. Dies betriff auch Fotos der eigenen Familie. Schliesslich könnten sich auf den Bildern auch immer Drittpersonen befinden, heisst es dort auf Anfrage.

Kein generelles Verbot

Das Water-World in Wallisellen verzichtet hingegen auf ein generelles Foto-Verbot. Nicht erlaubt ist nur das «wilde Fotografieren», also das Fotografieren fremder Personen ohne deren Erlaubnis. «Es wäre eine Bevormundung, wenn man das Fotografieren innerhalb der Familie verbieten würde. Es ist doch klar, dass man ein Foto fürs Familienalbum machen möchte, wenn das eigene Kind gerade schwimmen lernt», erklärt Thomas Reutener, Geschäftsführer der Sportanlagen AG Wallisellen.

Verbot kaum durchsetzbar

Reutener ist auch Vorstandsmitglied des Verbandes der Hallen- und Freibäder, der diesen Sommer eine Kampagne gegen das «wilde Fotografieren» gestartet hat. Die Kampagne soll für das Fotografier- und «Social Media»-Problem in den Freibädern sensibilisieren. Er weist aber darauf hin, wie schwierig es wäre, bei grossem Besucherandrang ein Foto-Verbot durchzusetzen. «Wenn sich jemand durch Fotoaufnahmen gestört fühlt, kann er sich jederzeit an den Bademeister wenden. Dieser wird den Fotografierenden zurechtweisen und kann auch das Löschen von Fotos verlangen.» Zu Problemen sei es noch nie gekommen.

Auch in der Sportanlage Erlen in Dielsdorf sind Familienfotos erlaubt. Bei fremden Personen muss man jedoch zuerst um Erlaubnis fragen. In den Nacktzonen und Unterwasser ist das Fotografieren grundsätzlich tabu. «Wir sind sehr kulant. Doch wir beobachten die Gäste. Wenn jemand auffällig mit dem Handy herumschwingt oder pädophil veranlagt ist, fällt uns das rasch auf und dann reagieren wir auch schnell», erklärt Sascha Hagmann, Bademeister in der Erlen. Bisher habe man keine schlechten Erfahrungen gemacht. Auch Hagmann bezweifelt, dass ein generelles Handy-Verbot kontrolliert werden könnte. «Da bräuchten wir zusätzliches Personal nur für Handys.» Bisher habe man aber gute Erfahrungen gemacht.

Gefahr für Kleinkinder

Ein Handy-Verbot in den Badis, dies fordert auch der Schweizerische Badmeisterverband, aber aus einem ganz anderen Grund. Viele Eltern seien durch das Handy so abgelenkt, dass sie die Aufsichtspflicht für ihre badenden Kinder nicht mehr wahrnehmen könnten. Dies kann fatale Folgen haben. Denn Kleinkinder können innerhalb von 20 Sekunden ertrinken.

Solche Situationen kennt man auch in der Erlen. In der Hirslen gehören sie fast zum Alltag. «Wir sehen jeden Tag Eltern, die aufs Handy schauen statt aufs Wasser», sagt René Zehnder. Ein Handy-Verbot fände er deshalb ideal. In der Praxis setze man aber auch hier aufs Gespräch. «Wir sprechen die Eltern an und erklären ihnen die Gründe. Auch hier sind die meisten einsichtig», sagt Zehnder. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.08.2017, 17:17 Uhr

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