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Zeittauschnetz funktioniert ohne Geld

Menschen bieten ihre Fähigkeiten an und erhalten dafür eine Zeitgutschrift, die sie nach persönlichem Bedarf einlösen können. So funktioniert give&get. Der Verein will im Wehntal und andern Regionen des Zürcher Unterlands Regionalgruppen bilden.

Bei der Zeittauschplattform give&get können alle, die ihre Fähigkeiten andern zur Verfügung stellen, auf die Unterstützung einer andern Person in einem andern Bereich zählen, zum Beispiel beim Ausfüllen der Steuererklärung. Bezahlt wird nicht in Franken sondern in Stunden.
Bei der Zeittauschplattform give&get können alle, die ihre Fähigkeiten andern zur Verfügung stellen, auf die Unterstützung einer andern Person in einem andern Bereich zählen, zum Beispiel beim Ausfüllen der Steuererklärung. Bezahlt wird nicht in Franken sondern in Stunden.
zvg

Das Zeittauschnetz give&get ermöglicht es, eigene Fähigkeiten sinnvoll für ander einzusetzen. Im Gegenzug erhalten die Mitglieder Unterstützung in einem Bereich, der ihnen weniger liegt. Das alles basiert auf der «Währung» Zeit. Geld fliesst keines. Give&get funktioniert in den wenigsten Fällen über einen direkten gegenseitigen Tausch.

Wer jemandem den Rasen mäht , kann die Stunden zum Beispiel für eine Massage einlösen. Wer diese anbietet, profitiert vielleicht von einem PC-Support. Mitbegründer und Präsident des Vereins give&get, Stefan Staub, wohnt seit zwei Jahren in Niederweningen. Er sieht im Wehntal Potenzial für eine weitere Regionalgruppe des kantonalen Netzwerks.

«Aktuell besteht der Verein aus fünf Regionalgruppen. Das Zürcher Unterland ist in jene der Stadt Zürich integriert», erklärt er. Es brauche ein paar Leute, die sich engagieren und über ein persönliches Netzwerk verfügen. Give&get ist im November 2011 gestartet und war von Anfang an in Kontakt mit ähnlich organisierten Vereinigungen, die nun teilweise ebenfalls zu give&get gehören.

Gib, was du kannst – nimm, was du brauchst

Stefan Staub und acht Kolleginnen und Kollegen haben denVerein give&get ins Leben gerufen, um der schwindenen Nachbarschaftshilfe und den abnehmenden sozialen Kontakten entgegenzuwirken. Und auch, weil sie am Übergang vom Arbeitsleben ins Pensionsalter stehen und nach erfolgreichen Berufsjahren der Gesellschaft etwas zurück geben wollen. Sechs von ihnen bilden den Vorstand. «Wir haben uns bewusst auf Angebote ausserhalb des Arbeitsbereichs konzentriert», sagt Staub.

Im Zentrum steh die Idee, dass jede Arbeit gleichwertig ist und mit Zeit und nicht mit Geld aufgewogen wird. «Putzen und juristische Beratung stehen auf der gleichen Ebene», erläutert er das Konzept mit einem Beispiel. So viele Stunden wie jemand aufwendet, um jemand anderem in einem bestimmten Bereich zu helfen, so viel Zeit wird dem eigenen Konto gutgeschrieben.

Eine Bestandesaufnahme vom 5. Februar dieses Jahres zeigt den Marktplatz mit 191 Inseraten, davon 171 Angebote und 20 Gesuche. «Diese Diskrepanz ergibt sich aus der Struktur», erklärt der Vereinspräsident. Erledigte Arbeiten werden aus der Liste gelöscht, die Offerten bleiben jedoch bestehen.

Stefan Staub betont, es handle sich bei give&get nicht um ein Geschäft, sondern um einen direkten Austausch zwischen Geber und Nehmer. «Zeittauschbörsen sind sozial und wirken integrativ, ermöglichen gegenseitige Hilfe im Alltag ohne Bezahlung mit Geld, und sie schaffen Gleichheit, weil jedes Angebot gleich viel wert ist.» Eine Mitgliedschaft bei give&get ist unabhängig von sozialem Status, Einkommen und Alter und damit für alle attraktiv, die etwas geben können und etwas nehmen wollen. Der Jahresbeitrag für eine Einzelperson beträgt 35 Franken.

Ende 2016 waren 241 Personen auf der Zeittauschplattform angemeldet, 155 Frauen, 86 Männer. Im vergangenen Jahr wurden 318 Geschäfte abgewickelt und 755 Stunden getauscht. Rund ein Drittel der Mitglieder tauschen regelmässig, 20 Prozent gelegentlich, der Rest verhält sich passiv. Staub führt diese relativ hohe Zahl der Inaktiven auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Schweiz zurück. «Der Zeittausch ist nach wie vor ungewohnt. Den ersten Schritt zu machen, und sich bei einer unbekannten Person zu melden, um Unterstützung zu fragen oder Hilfe anzubieten, fällt vielen schwer.»

Am meisten Angebote gibt es im Bereich Gesundheit

Eine Momentaufnahme vom 5. Februar dieses Jahres zeigt, dass der Bereich Gesundheit mit 33 Angeboten am stärksten vertreten ist, gefolgt von Sprachen mit 27. Technischer Support erscheint 20 mal, Handwerk und Garten 16 mal. «Auf diesem Gebiet wird oft nach Unterstützung gesucht», sagt Staub. «Wir suchen also vermehrt Mitglieder, die über handwerkliches Geschick verfügen.» Aber nicht nur, denn bei give&get haben alle eine Chance.

Bevor sich eine Person auf der Plattform registriert, um ein Angebotsinserat aufzuschalten, muss sie sich überlegen, über welche Talente er verfügt, welche Tätigkeiten er gerne ausübt , welches Wissen und Können andere brauchen und auch, wie viele Stunden der Einsatz wert ist. Umgekehrt bedeutet das für Gesuchsteller, dass sie sich im klaren sind, wo sie Unterstützung brauchen, welche Anforderungen sie an Tauschpartner und Leistungsqulität stellen, und wie viele Stunden sie zu zahlen bereit sind.

Leute ab 55 Jahren machen den grössten Teil der Mitglieder aus. «Dieses Bevölkerungssegment verfügt über Zeit und ist bereit, sich für andere einzusetzen», sagt Stefan Staub. Ein paar junge Leute, die studieren, machen ebenfalls mit, weil sie so zu Dienstleistungen kommen, für die sie kein Geld haben. «Was fehlt, sind Frauen und Männer ab zirka 30 Jahren. Aber das ist nachvollziehbar, weil diese in der Regel über wenig Zeit verfügen.»

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