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Zeitzeugen erzählen von den Kriegsjahren

Das neue Mitteilungsheft der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal (HVF) hat Karl Wiederkehr aus Würenlos verfasst. Es trägt den Titel «Würenlos im Zweiten Weltkrieg».

Der Übergang der Limmat zwischen Killwangen und Würenlos war strategisch wichtig. Hier verschanzte sich die Schweizer Armee, um das Furttal gegen den Einfall der Deutschen zu schützen.
Der Übergang der Limmat zwischen Killwangen und Würenlos war strategisch wichtig. Hier verschanzte sich die Schweizer Armee, um das Furttal gegen den Einfall der Deutschen zu schützen.
zvg

Die Buche im Wald, in der Nähe seines Elternhauses in Spreitenbach, wird Autor Karl Wiederkehr nie vergessen. «Noch ist Polen nicht verloren», war in ihre Rinde eingeschnitzt. «Ich habe dann erfahren, dass internierte Polen diese Markierung so um 1940 angebracht hatten.»

«Diese Inschrift ist das einzige, was ich an persönlichen Erinnerungen an die Kriegszeit habe, denn als ich 1946 geboren wurde, war der Zweite Weltkrieg gottlob gerade vorbei», sagt der pensionierte Sekundarschullehrer heute. Was hat ihn nun dazu bewogen, die Broschüre «Würenlos im Zweiten Weltkrieg», das 46. Mitteilungsheft der Heimatkundlichen Vereinigung Furttal, zu schreiben?

Die Tochter ist schuld

«Meine Tochter Sonja Burmaci-Wiederkehr ist eigentlich daran schuld», sagt er. Die junge Frau schrieb nämlich im Rahmen ihres Geschichtsstudiums an der Pädagogischen Hochschule eine Arbeit über «Die Volksschule Würenlos im Zweiten Weltkrieg». Darin fasste sie am Anfang die kriegerischen Ereignisse und deren Auswirkung auf die Schweizer Wirtschaft zusammen und kam dann zum Hauptthema: «Die Auswirkung des Zweiten Weltkriegs auf den Schulbetrieb jener Jahre.»

Als Lehrer interessierten Wiederkehr diese Fakten ebenfalls, aber er wollte anhand von Interviews mit Zeitzeugen mehr von den persönlichen Erlebnissen und Gefühlen der Würenloser Bevölkerung erfahren. Also spürte er Menschen auf, die den Krieg miterlebten, und stellte dabei fest, dass die entbehrungsreiche Zeit bei vielen im Gedächtnis haften blieb. «Ich spürte eine grosse Bereitschaft, das Erlebte der Nachwelt zu erhalten», sagt er.

Karl Wiederkehr brachte diese Berichte zu Papier, ohne einen definierten Verwendungszweck. Eines Tages entdeckte er an einer Veranstaltung einen Stand der Heimatkundlichen Vereinigung mit ihren Broschüren. «Ich erzählte von meinem ‹Werk›, welches damals erst im Entstehen war. Man ermutigte mich, es fertigzustellen und die Arbeit meiner Tochter zu integrieren und sagte mir, ich solle mich dann wieder melden.»

«Mag-i-no-ko-Linie»

Jetzt ist die Broschüre fertig. Sie gliedert sich in fünf Abschnitte, ist verständlich und bisweilen amüsant zu lesen, und auf ihren 75 Seiten gibt es auch viele geschichtsträchtige und vorher noch nie gesehene Fotos.

In den ersten beiden Kapiteln schildert der Autor die Situation der Schweiz im Zweiten Weltkrieg, später setzt er den Fokus auf die Region. Die Limmatstellung ist dann Schauplatz des dritten Kapitels. «Mag-i-no-ko-Linie» wurde diese Verteidigungslinie, zur Sicherung des Schweizer Mittellandes gegen den Einfall von Norden her, genannt.

Die Soldaten arbeiteten hart, denn die Errichtung dieser Verteidigungslinie musste schnell gehen. Die Linie erstreckte sich in Sichtweite der Gemeinde Würenlos entlang der Limmat. Noch heute stösst man im Wald auf Kleinbunker aus dieser Epoche. In der Broschüre erfährt der Leser auch, dass die Soldaten mit einfachsten Mitteln über die Limmat hinüber kommunizieren mussten.

Sie zogen zum Beispiel eine Ledermappe mit Informationen an einem Strick über den Fluss oder wollten im Falle, dass der Feind in Panzern vom Furttal her nahte, zwei Scheiterhaufen auf dem «Gipf» in Brand stecken, um die Kameraden auf der Killwanger Seite zu alarmieren.

Augenzeugen berichten

Zahlreiche Soldaten wurden einquartiert und kleine Gemeinden wie Würenlos verzeichneten auf einen Schlag doppelt so viele Bewohner. Das Militär hatte immer Vorrang. Kompanien belegten das Schulhaus und die Turnhalle. Der Unterricht fiel zeitweise aus und wurde erst später schichtweise weitergeführt. Im Alten Schulhaus führte der Reformierte Frauenverein und der Katholische Frauenbund die Soldatenstube.

Auf der einen Seite also der Feind, auf der anderen Seite der Ansturm der eigenen Armee mit all ihren Ansprüchen. Um diese Situation zu verdeutlichen, gehört das letzte Kapitel sieben Augenzeugen, die berichten, wie die Würenloser Bevölkerung mit dieser Herausforderung umging. Zum Beispiel Franz Notter. Er erhielt als Junge den Befehl, sein selbstgebautes Paddelboot auf die Südseite der Limmat zu bringen, damit es vom Feind nicht zum Übersetzen benützt werden konnte.

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