Niederhasli

Ziel ist die Wiederwahl als Nationalrat im nächsten Jahr

Der SP-Politiker Daniel Frei wird Mitglied des Nationalrats. Er freut sich auf das Amt und will es über die nächsten Wahlen hinaus ausüben.

Der künftige SP-Nationalrat Daniel Frei aus Niederhasli freut sich auf die zusätzlichen politischen Möglichkeiten, die ihm das Mandat bietet.

Der künftige SP-Nationalrat Daniel Frei aus Niederhasli freut sich auf die zusätzlichen politischen Möglichkeiten, die ihm das Mandat bietet. Bild: Paco Carrascosa

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Seit klar ist, dass Chantal Galladé (SP) sich aus dem Nationalrat zurückzieht, beschäftigt sich ihr Parteikollege Daniel Frei, Kantonsrat aus Niederhasli gedanklich mit dem Thema, ihr Nachfolger zu sein. «Ich freue mich sehr auf dieses Amt, habe aber auch Respekt davor», sagt er. Noch vor einem halben Jahr hätte er nicht mit einer derartigen Änderung seiner politischen Karriere gerechnet.

Als Gemeinderat war er im April nicht mehr zur Wahl angetreten, damit es in Verbindung mit seinen neuen Job als Geschäftsleiter des Zweckverbands Sozialdienste des Bezirks Dielsdorf (SDBD) nicht zu Interessenkonflikten kommt. Jetzt wird er auch sein Amt als Kantonsrat aufgeben. «Im Kanton Zürich ist es nicht üblich, zwei Parlamentsmandate auszuüben», meint er. «Ich will mich auf eine Ebene konzentrieren, und auch zeitlich würde es für mich nicht passen.»

Frei plant, sein 80-Prozent-Pensum beim SDBD noch zu reduzieren. «Ich habe die volle Unterstützung vom Vorstand und den Mitarbeitenden. Die entsprechende Planung läuft.» Privat lebt er mit Kantonsrätin Claudia Wyssen und fünf Kindern in einer Patchworkfamilie. Auch da gibt es im Hinblick auf das Nationalratsmandat einiges zu organisieren. «Die Vereinbarkeit von Beruf, Politik und Familie wird strapaziert. Aber wir sind überzeugt, einen guten Weg zu finden.»

Nicht nur theoretisch politisieren

Obwohl das Milizsystem in der Schweizer Politik Auswirkungen auf das Berufs- und Privatleben der Amtsinhaber hat, ist Frei ein Befürworter dieser politischen Form. «Es braucht dort Leute, die einer Erwerbsarbeit nachgehen, auch wenn die Kombination nicht immer einfach ist.» Es sei eine gute Ergänzung, um nicht nur theoretisch zu politisieren. «Für mich persönlich ist es wichtig, ein berufliches Standbein zu haben.» Das biete Sicherheit und Unabhängigkeit und sorge für eine gewisse Gelassenheit. Ab Spätherbst ist Daniel Frei vorerst für rund elf Monate Nationalrat. Doch der Wahlkampf beginnt demnächst, denn im Frühjahr werden die Nominationen für die Wahlen im Oktober bekannt gegeben. «Ich strebe ganz klar eine Wiederwahl an», sagt Frei.

Er sieht sich als Vermittler von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, weil er findet, dass die politische Bildung vernachlässigt wird. Indem er zum Beispiel in Schulklassen Fragen zur Politik beantwortet und auch bei kleineren Podien und bei Vereinsanlässen anwesend ist, will er ein Vorbild sein. «Das ist Basisarbeit. Dort muss unser politisches System verankert werden. Es ist keine Selbstverständlichkeit, wir müssen immer wieder neu dafür einstehen», sagt er. Der Nationalrat ermögliche ihm eine Plattform mit Einfluss für eben diese Arbeit.

Sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft fördern

Vom Kantonsrat her, ist Frei gewohnt, als Sozialdemokrat aus einer Minderheitenposition zu politisieren. «Lamentieren nützt nichts. Wir müssen über den eigenen Tellerrand hinaus schauen und versuchen, eine Mehrheit auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.» Ein grosses Anliegen ist ihm der soziale Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft. Dazu gehöre etwa auch eine schweizweit verbindliche Asyl- und Integrationspolitik: Konsequent bei der Durchsetzung von Ablehnungsentscheiden, konsequent bei der raschen Integration von Personen, die hier bleiben. Ihm sei durchaus bewusst, dass ein starker Sozialstaat finanziert werden müsse. Deshalb ist er für eine funktionierende Industrie und ein florierendes Gewerbe. «Ich vertrete eine sozial-liberale Haltung und bin mir bewusst, wie wichtig die wirtschaftliche Situation ist.»

Mit Ideologien kann der 39-jährige studierte Politikwissenschaftler nichts anfangen. Stures Blockdenken lehnt er ab. Weltoffenheit sei ein wichtiges Kriterium für die Zukunft der Schweiz. «Wir sind ein Teil Europas und müssen uns dazu bekennen. Wir können nicht abseits stehen.» Das ziele zwar nicht gleich auf einen Beitritt zur EU ab. Er gibt aber zu bedenken, viele seien sich nicht bewusst, wie stark die Schweiz von den Nachbarstaaten abhängig sei. «Auch weltpolitisch gesehen müssen wir Europäer gerade in Zeiten von Trump, Putin und Erdogan an einem Strick ziehen und uns gemeinsam für die gesellschaftsliberalen Werte und die Menschenrechte einsetzen.» Ihm ist durchaus bewusst, wie schwierig dieser Dialog sein könne.

«Schon als Lokalpolitiker habe ich erfahren, wie es ist, als überzeugter Europäer vor 20 Leuten zu referieren, von denen 15 auf der rechten Seite des Parteienspektrums stehen», sagt Frei. Er habe keine Berührungsängste, im Gegenteil: «Ich verspüre Lust auf solche Diskussionen und bin nicht frustriert, wenn nicht alle meiner Meinung sind.» Man könne eben nicht immer gewinnen. Wer damit nicht umgehen könne, solle sich von der politischen Bühne fernhalten. Er gibt aber auch zu, ab und zu gern zu den Gewinnern zu gehören.

Erstellt: 24.07.2018, 17:07 Uhr

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