Regensberg

«Zürcher Wunderland» gewährtliebevollen Blick in den Spiegel

Im Höflikeller in Regensberg gelangt ein neues Kulturprojekt zur Aufführung. Im Rahmen seines Projekts ­«Zürcher Wunderland» bringt Schauspieler Mathias Reiter ­Geschichten von Menschen aus dem Unterland auf die Theaterbühne – und somit ins Rampenlicht.

Für Schauspieler Mathias Reiter (Mitte) öffnen Rolf und Katja Lüthi wieder die Türen des Höflikellers.

Für Schauspieler Mathias Reiter (Mitte) öffnen Rolf und Katja Lüthi wieder die Türen des Höflikellers. Bild: Sibylle Meier

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Kennt jemand die Menschen aus dem Unterland? Die Alten und die Jungen, die Kinder, die Männer und Frauen? Auf die Suche nach diesen Menschen ist der Regensberger Schauspieler Mathias Reiter gegangen. Er hat sie ge­funden, sie interviewt und bringt ­ihre Geschichten auf die Theaterbühne.«Ich liebe dieses Projekt so sehr, weil ich viel von diesen Personen erfahren durfte», erklärt Reiter.

«Was beschäftigt diese Menschen, oder wie haben sie Entscheidungen in ihrem Leben getroffen?» Reiter hat ihr Leben aufgeschrieben, es verdichtet und bringt es in einer Form auf die Bühne, dass sich jeder Unterländer und jede Unterländerin darin wiedererkennt. Er habe die Geschichten nicht an die Personen gehängt, sonst werde es journalistisch. «Es wird deshalb auch niemand genannt. Mir geht es um das Schicksal, die Werte aus ihrem Leben, die Essenz sozu­sagen.»

Erst dann werde es poetisch, wenn sich alle in den Protagonisten erkennen könnten. Ihm sei aufgefallen, dass, wenn man seinen Blickwinkel nur ein wenig ändere, jeder zu einem Protagonisten oder Helden werde. «So wird aus jedem Unterländer ein Wunderländer.»

Kultur als Auftragund Verantwortung

Mathias Reiter wird Geschichten von fünf bis sechs Unterländern und Unterländerinnen auf die Bühne und somit ins Rampenlicht bringen. Aus ihren Geschichten komponiert er die Theaterfiguren.

Doch Reiter steht nicht allein auf der Bühne. Zwei Cellistinnen und eine Sängerin begleiten ihn. «Sie spielen Coverversionen, Lieder, die man kennt und gleich­zeitig so noch nie gehört hat.» Ausserdem gehört ein filmisches Element zum Theaterprojekt. «Musik, Darstellung und Film beziehen sich aufeinander und werden so ineinander integriert. Was aber wichtig ist: Dem Zuschauer soll genügend Zeit und Raum gegeben werden, selber zu assoziieren, und das in entschleunigter Form.»

Kultur zu machen, bedeutet für den Regensberger Schauspieler Auftrag und Verantwortung zugleich. Das ist seine Motivation und Inspiration. «Als Kulturschaffender biete ich der Gesellschaft die Möglichkeit, in den Spiegel zu schauen, jedoch ohne jemanden blosszustellen. Vielmehr geht mein Bestreben dahin, allen einen liebevollen Blick in den Spiegel zu ermöglichen.»

VerschiedeneThemenschwerpunkte

Das Projekt «Zürcher Wunderland», das unter anderem von Migros-Kulturprozent, der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich und der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zürich unterstützt wird, soll eine Veranstaltungsreihe werden. Das Ziel von Mathias Reiter ist es, drei bis viermal im Jahr ein Wunderland-Projekt im Höflikeller statt­finden zu lassen. Jedes Mal mit einem anderen Themenschwerpunkt. Zum Beispiel der Flug­hafen und seine Menschen, Leben am Fluss oder Geburt und Tod im Unterland. Auf diese Weise soll Kultur aus dem Unterland fürs Unterland entstehen.

Premiere feiert das Theaterprojekt am Freitag, 18. Mai, im Höflikeller in Regensberg. Zur Verfügung gestellt wird der Raum, der auch für andere kulturelle Anlässe genutzt wird, von Katja und Rolf Lüthi. Fast drei Jahrzehnte lang wurden im Keller Jazzkonzerte aufgeführt. Das neue Projekt von Mathias Reiter hat sie überzeugt, und sie freuen sich darauf, dass ein neues Kulturprojekt im Höflikeller zur Aufführung gelangt.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.05.2018, 17:44 Uhr

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Weitere Aufführungsdaten unter www.mathiasreiter.ch. Oder ­weitere Aufführungen am 24., 25. und 26. Mai.

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