Sportanlass

Zürich und Bern buhlen um Rad-WM

2024 soll in Zürich die Rad-Weltmeisterschaft stattfinden. Die Stadt muss aber zuerst die Finanzierung sichern und sich gegen Bern durchsetzen.

Gute Erinnerungen an die letzte Rad-WM in Zürich: Bei strömendem Regen gewann der Schweizer Hans Knecht am 1. September 1946 das Strassenrennen der Profis.

Gute Erinnerungen an die letzte Rad-WM in Zürich: Bei strömendem Regen gewann der Schweizer Hans Knecht am 1. September 1946 das Strassenrennen der Profis. Bild: Keystone

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Es ist eine lange Etappe bis zur Rad-WM 2024. Und die Zürcher müssen schon jetzt kräftig in die Pedale treten. Denn bis März sollten sie dem nationalen Radsportverband das Bewerbungsdossier überreichen. Davor braucht es die Zustimmung der Politik.

Wie der Stadtrat gestern mitteilte, wird er dem Gemeinderat 7,85 Millionen Franken für Planung und Durchführung der Grossveranstaltung beantragen. Voraussetzung ist, dass sich Bund und Kanton mit je 2,5 Millionen Franken an der Trägerschaft beteiligen. Der Regierungsrat hat signalisiert, dass er das Vorhaben unterstützen wird.

WM mit Premiere

An den acht Renntagen werden insgesamt über eine halbe Million Zuschauer erwartet. Zwölf Rennen mit 1000 lizenzierten Athletinnen und Athleten sind geplant. Auch Hobbysportler sollen sich messen können. Und erstmals wird die Para-Cycling-Weltmeisterschaft in den Anlass integriert. Die Chance, das Thema Gleichstellung von Menschen mit Behinderung im Rahmen einer Sportveranstaltung sichtbar zu machen, sei mit ein Grund für die Bewerbung, sagt Lukas Wigger, Sprecher des städtischen Präsidialdepartements.

Zürich und das Velo

Profitieren würden auch das Standortmarketing und die Hotellerie. Es wird mit 160 000 Logiernächten und mehreren hundert Millionen TV-Zuschauern gerechnet. «Die Rad-WM passt gut zu Zürich», sagt Wigger. Das Velo geniesse einen hohen Stellenwert in der Stadt.

Zürich habe zudem eine lange Radsporttradition. 1923, 1929 und 1946 fanden hier schon einmal Rad-Weltmeisterschaften statt. Und die beiden einzigen Schweizer Tour-de-France-Sieger, Hugo Koblet und Ferdy Kübler, haben in Zürich gelebt. Nach dem Ende der Sechstagerennen im Hallenstadion und der Züri-Metzgete hätten die Radsportfans in und um Zürich wieder einmal etwas zu feiern. Alle Rennen sollen an de Strecke gratis mitverfolgt werden können.

Zuversichtliche Berner

Dass die WM 2024 in die Schweiz kommt, steht bereits fest. Offen ist, in welche Stadt. Nebst Zürich buhlt auch Bern um die Austragung. Gegenüber dem «Bund» gab sich der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause zuversichtlich, die WM in die Landeshauptstadt zu holen. Mit dem Etappenhalt der Tour de France vor zwei Jahren und während der Fusball-«Euro08» habe die Stadt bewiesen, dass sie sowohl Radrennen als auch Grossveranstaltungen durchführen könne.

Dasselbe nehmen freilich auch die Zürcher für sich in Anspruch. «Zürich hat mehrfach gezeigt, dass es Grossanlässe sicher und sorgfältig organisieren kann», sagt Wigger. Als Beispiel nennt er die Leichtathletik-EM vor vier Jahren.

Bei der Bewerbung will Zürich zudem mit Begleitmassnahmen trumpfen. Die WM soll dazu genutzt werden, um den Bereichen Sport-, Velo- und Standortförderung zusätzlichen Schub zu verleihen. Allein dafür hat die Stadt 1,5 Millionen Franken einkalkuliert. Auch der Kanton hat einen Beitrag in Aussicht gestellt.

Gesucht wird ein Zielgelände

Der Gemeinderat sollte bis Ende Februar über den Antrag des Stadtrats entscheien. Bisher sei man mit der Bewerbung auf viel Wohlwollen gestossen, sagt Wigger. Das könnte sich ändern, wenn die Strecken bekannt werden. Klar ist bisher nur, dass die Fahrer ausserhalb der Stadt starten und irgendwo im Zentrum die Ziellinie überqueren werden.

Weil für die letzten paar hundert Meter Vorgaben für Gefälle und Strassenbreite bestehen, kommen aber nicht viele Abschnitte infrage. Laut Wigger werde die Stadt unter anderem die Pfingstweidstrasse sowie Strecken rund um den Sechseläutenplatz und beim Zoo prüfen.

Wenig Widerstand erwartet

Obwohl auch die Rad-WM Auswirkungen auf Anwohner und Verkehr haben werden, rechnet die Stadt im Vergleich zum Formel-E-Rennen mit weniger Widerstand aus der Bevölkerung. Die Elektroboliden flitzen bekanntlich nächstes Jahr nicht mehr durch Zürich, sondern durch Bern. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 08.11.2018, 17:53 Uhr

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