Bülach

Zum Abschied wird liquidiert

Die Nachfrage nach Antiquitäten sinkt, die Laufkundschaft wird weniger. Das sind zwei Entwicklungen, die dazu beitragen, dass Stefan Ribeli die Bülacher Marktgasse verlässt. Das Haus verkauft er.

Restaurator und Antiquitätenhändler Stefan Ribeli trennt sich von Haus und Kostbarkeiten.

Restaurator und Antiquitätenhändler Stefan Ribeli trennt sich von Haus und Kostbarkeiten. Bild: Balz Murer

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Die Kundschaft staunt nicht schlecht, wenn sie diese Tage ins Stefan Ribelis Antiquitätengeschäft in der Bülacher Marktgasse kommt. Denn seit ein paar Tagen dürfen sie dort auch in den ersten Stock, wo der Inhaber und Möbelrestaurator mit viel Liebe eine temporäre Verkaufsausstellung eingerichtet hat. Mancher Besucher weiss nicht, wofür er sich nun mehr begeistern soll: Die antiken Exponate oder die historischen Räume. Das Gebäude mit der Nummer 15 wurde nämlich 1687 gebaut, ist also über 330 Jahre alt und birgt noch viel vom ursprünglichen Charme. Die Wohnung im ersten Stock war bis vor kurzem vermietet. Nun hat Ribeli das Haus verkauft: «Ich werde den Laden und die Werkstatt aufgeben», sagt der 63-Jährige. Bis es soweit ist, nutzt Ribeli die Räume – zusätzlich zu Erdgeschoss und Keller, wo er bis anhin Laden und Werkstatt untergebracht hatte.

Lieber «shabby chic»

Der Restaurator hat das Haus 2006 erworben. Früher betrieben die beiden ledigen Schwestern dort das Schuhhaus «Meyer-Knöpfli’s Erben» und wohnten gemeinsam über dem Ladengeschäft. Dass er es nun verkauft, hat verschiedene Gründe. Zum einen sei die Laufkundschaft in der Bülacher Altstadt stets weniger geworden: «Mit jedem Geschäft, das schliesst, verliert die Altstadt ein paar Kunden.» Zum andern spüre auch er die allgemein sinkende Nachfrage nach Antiquitäten. «Viele Leute kaufen heute lieber neue Möbel im Shabby-Chic-Stil. Also solche, die extra auf alt und schäbig gemacht sind.» Der Fachmann ist überzeugt: Das wird sich wieder ändern. «Bloss erlebe ich das wohl nicht mehr.»

Ein Standort ist genug

Vor allem aber will sich Ribeli fortan auf einen Standort konzentrieren – jenen an seinem Wohnort Gräslikon bei Berg am Irchel. Dort betreibt er eine weitere Werkstatt und ein Lager. «Bis heute arbeitete ich an zwei Standorten. Das wird mir nun etwas zuviel.»

Ribeli ist froh einen Käufer gefunden zu haben, der das Bülacher Altstadthaus sachgerecht und respektvoll renovieren will. Das war ihm besonders wichtig. Gegenstände mit Geschichte hätten ihn eben schon immer fasziniert. «Das war auch der Grund, weshalb ich 1990 als zweifacher Familienvater nochmals eine dreijährige Ausbildung als Restaurator begonnen habe.»

Das sachgerechte Restaurieren ist auch heute noch seine grosse Leidenschaft. «Das liegt mir mehr als das Verkaufen.» Vermutlich müsste er zudem im Internet präsenter sein, mutmasst Ribeli. «Aber in dieser Zeit gehe ich lieber in die Werkstatt.»

Liquidation mit Chancen

Der neue Eigentümer plane nach der Renovation im Erdgeschoss erneut eine Werkstatt mit Verkaufsladen einzurichten. Darüber will er eine zweistöckige Wohnung unterbringen.

Doch zuvor möchte der jetzige Besitzer möglichst viele seiner Kostbarkeiten an die Kundschaft bringen. «Damit ich nicht viel nach Gräslikon zügeln muss, mache ich ab Samstag einen Liquidationsverkauf.»

Dabei gibt es nicht nur besonders günstige Preise, sondern die eher seltene Chance, einen Blick in eine historische Altstadtwohnung zu werfen – samt Laubengang und Plumpsklo.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.11.2018, 17:35 Uhr

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