Flughafen

Zusammenarbeit hilft integrieren

Seit zehn Jahren setzt der Cateringbetrieb Gate Gourmet auf die Zusammenarbeit mit der Stiftung Wisli in Bülach. Über 200 psychisch beeinträchtigten Menschen ermöglichte dies den Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Bei Gate Gourmet werden Wisli-Klienten seit zehn Jahren in den normalen Arbeitsalltag integriert.

Bei Gate Gourmet werden Wisli-Klienten seit zehn Jahren in den normalen Arbeitsalltag integriert. Bild: Leo Wyden

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Sie ist nicht mehr aus der Business und First Class der SWISS wegzudenken, die weisse Baumwoll-Serviette mit dem eingerollten Besteckset. Die dazu benötigte Falttechnik wird für die Airline in der geschützten Werkstatt der Stiftung Wisli angewendet, von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Durch diese Zusammenarbeit mit Gate Gourmet schafften immer mehr der von der Stiftung Betreute den Sprung in den Primärarbeitsmarkt.

Als im Jahr 2008 die Zeit für ein soziales Engagement reif schien, schwebte dem Managing Director Markus Gfeller vor, jährlich drei sozial benachteiligten Menschen eine berufliche Integration zu ermöglichen. «Ich hatte keine Ahnung, woher diese Menschen kommen würden», gab Gfeller anlässlich der kleinen Jubiläumsfeier am Donnerstagabend vor 45 geladenen Gästen bekannt. Denn in der Schweiz stecke das Thema Arbeitsintegration noch in den Kinderschuhen.

TabuthemaArbeitsintegration

«Zwischen der Kultur der Wirtschaft und des Sozialbereichs besteht eine grosse Differenz», sagte Professorin Annelies Debrunner, die als Gast eingeladen war. In ihrer Publikation «Arbeitsintegration in Schweizer Unternehmen» hat sie namhafte Unternehmer interviewt, darunter Markus Gfeller. Für den Interviewten war es klar, dasss jemand eine Lanze für benachteiligte Menschen brechen muss.

Sein zehnjähriger Einsatz habe dieses Tabuthema gebrochen, zumindest bei Gategourmet. Während in Nachbarstaaten bereits mit Quoten gearbeitet werde, gebe man sich in der Schweiz laut Martin Kaiser vom Schweizer Arbeitsgeberverband bewusst diplomatisch und achtsam. Quoten seien der falsche Weg, heisse es dort.

Demgegenüber vermerkt Julien Neruda von Inclusion Handicap, dem Dachverband der Behindertenorganisationen, dass «viele Firmen ihre soziale Verantwortung kaum wahrnehmen». Managing Director Markus Gfeller ist überzeugt, dass die Zufriedenheit der Wisli-Klientinnen und Klienten die ganze Belegschaft positiv stimme und möchte diese «Diversity» innerhalb der Firma nicht mehr missen. Dabei motiviere ihn unter anderem die hohe Reintegrationsquote von 25 Prozent. Und sein Traum hat sich unterdessen verwirklicht. Am Gategourmet Standort gibt es nun 80 integrative Arbeitsplätze, die durch «Wisli Gate Catering» gestellt und betreut werden.

Gäste aus Politik und Wirtschaft, wie etwa Klotens Stadtpräsident René Huber und der CEO der Flughafen Zürich AG Stefan Widrig, wurden Zeugen dieser gelebten Integration und blickten anlässlich des Jubiläumsfests über die Schultern der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gategourmet.

Croisson-Maschine rollt Erfrischungstücher

Mit staunenden Augen ebenfalls unter den Gästen befand sich der neue Geschäftsführer der Stiftung Wisli, Martin Bieber. Nachdem er zugeschaut hatte, wie das Economy Besteck gereinigt, sortiert und verpackt wurde, stand er nun vor einer alten Croissant-Maschine. Diese sorgt dafür, dass die Erfrischungstücher für die SWISS getreu den Vorgaben gerollt und gepresst werden. «Die Erfrischungstücher werden erst im Flugzeug auf die angenehm warme Temperatur erwärmt», erklärte dazu der Arbeitsagoge Michael John Eglin.

Markus Gfeller (links) von Gate Gourmet und Martin Bieber von der Stiftung Wisli helfen Menschen mit einer Beeinträchtigung. Foto: Leo Wyden

Nach der geführten Besichtigung im Cateringbetrieb waren sich alle Teilnehmer einig, dass man keinen Unterschied mehr zwischen Wisli-Klienten oder regulären Angestellten erkenne. Einzig in der asiatischen Kochabteilung arbeiten ausschliesslich ausgebildete Köche, die mit «Stoppuhr» und kurzfristigen Bestelländerungen rasch und sicher umgehen könnten.

«Die vielen guten Betreuer und Arbeitsagogen stellen sicher, dass unsere Wisli-Klientinnen und Klienten geschützt und in einer realen Arbeitsumgebung den Weg in den Primärarbeitsmarkt finden», schloss der Geschäftsführer der Stiftung Wisli Martin Bieber den Rundgang ab.

Erstellt: 15.06.2018, 17:13 Uhr

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