Bassersdorf

Zwei ehemalige Parteikollegen duellieren sich

Der Wahlkampf ums Gemeindepräsidium von Bassesdorf ist definitiv lanciert. Am Montag haben sich die bisherige Doris Meier (FDP) und Herausforderer Richard Dunkel (parteilos) an einem Podium den Fragen des Publikums gestellt. Trotz kontroverser Ausgangslage gaben sich beide betont brav.

Am 10. Juni kommt es zum 2. Wahlgang, dann entscheidet sich, ob Meier Gemeindepräsidentin bleibt oder Dunkel den Vorsitz überlassen muss.

Am 10. Juni kommt es zum 2. Wahlgang, dann entscheidet sich, ob Meier Gemeindepräsidentin bleibt oder Dunkel den Vorsitz überlassen muss. Bild: Keystone

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Die Zutaten für einen emotionsgeladenen Zweikampf wären vorhanden: Zum einen geht es ums höchste politische Amt in der mit fast 12 000 Einwohnern sechstgrössten Unterländer Gemeinde und zum andern sind da zwei, die das Heu irgendwie nicht auf der selben Bühne haben. Das Pikante daran ist, dass beide bis vor wenigen Monaten noch in derselben Partei – der FDP – im Bassersdorfer Gemeinderat politisiert haben. Doch nun stehen sich Doris Meier und Richard Dunkel als Kandidaten gegenüber. Sie als bisherige Präsidentin des Siebnergremiums und er als Vorsteher des halben Ressorts Gesellschaft+Kultur.

Die andere Hälfte hatte ihm das Ratskollegium vor rund einem Jahr entzogen und neu unter sich aufgeteilt. Dagegen konnte Dunkel nichts unternehmen. Seine Behördenentschädigung (rund 43 000 Franken/Jahr) durften ihm die Ratskollegen jedoch nicht kürzen. Dagegen reichte er beim Bezirksrat eine Beschwerde ein und bekam recht.Schon weit vor den Neuwahlen im April dieses Jahres, erklärten sechs der sieben Bassersdorfer Gemeinderäte ihre neuerliche Kandidatur für eine weitere Amtszeit (2018-22). Darunter alle vier bisherigen FDP-Vertreter – auch Dunkel und Meier.

Dass letztlich beide fürs Präsidium kandidieren würden, war so nicht abzusehen. Aber nach seiner FDP-internen Nicht-Nomination als neuerlicher Kandidat für den Gemeinderat trat Dunkel die Flucht nach vorne an. Er trat aus der Partei aus, kandidierte als Parteiloser und obendrein erklärte er sein Interesse am Präsidentenamt seiner bisherigen Parteikollegin.

Nach dem ersten Wahlgang vom 15. April ist klar, dass die Rechnung für Dunkel aufgegangen ist. Er wurde wiedergewählt. Auf dem letzten Platz zwar, aber immerhin ist er immer noch dabei. Nicht so wie sein Rats- und Parteikollege, Michael Fenaroli, der ebenfalls nicht mehr nominiert worden war von der FDP und die Wiederwahl nun prompt verpasste. Doris Meier war offiziell nominiert und wurde problemlos wiedergewählt. Zur Wahl als neuerliche Gemeindepräsidentin fehlten nur 9 Stimmen, die ihr Dunkel mit seiner unerwarteten Kandidatur wegschnappte. Zum Präsidenten fehlten ihm im ersten Wahlgang hingegen über 350 Stimmen.

Dreiteiliger Fragenmarathon

Am 10. Juni kommt es zum 2. Wahlgang, dann entscheidet sich, ob Meier Gemeindepräsidentin bleibt oder Dunkel den Vorsitz überlassen muss. Am Montagabend lockte das erste und einzige öffentliche Aufeinandertreffen beider Kandidaten gut 50 Personen ins reformierte Kirchgemeindehaus.

Wer nun kernige Aussagen und feurige Reden erwartet hat, wurde enttäuscht. Zu sehr waren die Kontrahenden darauf bedacht nicht anzuecken. Zu klein waren die Unterschiede zwischen ihren Positionen. Dass der Wahlkampf brav blieb und nie auch nur annähernd drohte zu einer Schlammschlacht zu werden, war den Organisatoren des Duells ein grosses Anliegen. So erklärten die Vertreter der frisch aus der Taufe gehobenen Interessegruppe namens IG Basi die Spielregeln. «Wir wollen nicht alte Wäsche waschen und persönliche Angriffe sind absolut tabu.» Die Kandidaten wie auch das Publikum hielten sich sodann stets an diese Maxime.

Es folgte ein dreiteiliger Fragenmarathon, zunächst mit beiden, dann je einzeln. Dunkels Versuche sich abzugrenzen, bestand aus seiner Absicht als Präsident eine «neue Sicht» und «frischen Wind» in den Gemeinderat zu bringen. «Wir haben das Vertrauen der Bevölkerung etwas verloren. Ich will mehr präsent sein im Gemeindehaus und verstehe das Präsidentenamt auch als Dienst an der Bevölkerung. Da müssen wir etwas zurückgewinnen.» Meier dagegen wollte von mehr Präsenz im Gemeindehaus nichts wissen. «Ich habe nicht vor mehr Zeit im Gemeindehaus zu verbringen.

Da halte ich nur die Verwaltung von der Arbeit ab. Ich glaube nicht, dass ich damit mehr bewirken kann wie bisher.» Sie stellte ihre gute Vernetzung in allerlei Gremien wie dem Städteverband, der Planungsgruppe Glattal, der Wirtschaftsförderung Flughafenregion oder dem Krankenheimverband in den Mittelpunkt und möchte es vermeiden, dass man sich etwas vergibt in der baulichen Entwicklung der Gemeinde.

Beide für externe Vergabe

Als Architektin liess Meier ihre Begeisterung und Kompetenz für planerische Fragen aufblitzen, während Dunkel sich als Präsident sicherlich weniger in die Planung einmischen würde, sondern dies vermehrt den Fachleuten überlassen würde. Weiter sprachen sich beide dafür aus, das Altersheim an einen externen Betreiber auszulagern. Und auch den Steuerfuss wollen beide auf dem heutigen Niveau (109%) belassen.

Falls sie nicht als Präsidentin wiedergewählt würde, könnte Meier als Dienstälteste Gemeinderätin zuerst ein neues Ressort wählen. «Schuster bleib bei deinen Leisten», meinte sie, «ich würde sonst natürlich gern Bau+Werke übernehmen». Dunkel will entweder das Ressort Soziales oder Sicherheit übernehmen, falls er nicht Präsident wird. Eine Wahlempfehlung gaben die Organisatoren der IG Basi abschliessend keine ab. Ganz im Gegensatz zur örtlichen SP, die empfiehlt nach eigenen Anhörungen am selben Abend Doris Meier als neue alte Gemeindepräsidentin. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.05.2018, 17:46 Uhr

Doris Meier (FDP/bisher): «Ich habe nicht vor mehr Zeit im Gemeindehaus zu verbringen. Da halte ich nur die Verwaltung von der Arbeit ab.»

Richard Dunkel (parteilos/neu): «Ich will mehr präsent sein im Gemeindehaus und verstehe das Präsidentenamt auch als Dienst an der Bevölkerung.»

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