Neerach

Zwei Unterländer pflügen an der Weltspitze

Am Lake of the Woods in den Vereinigten Staaten findet Ende August die 66. Weltmeisterschaft im Wettpflügen statt. Die zwei Unterländer Peter Ulrich und Marco Angst treten für die Schweiz an.

Marco Angst (l.) und Peter Ulrich an der Schweizer Meisterschaft 2018.

Marco Angst (l.) und Peter Ulrich an der Schweizer Meisterschaft 2018. Bild: Leo Wyden (Archivbild)

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Lake of the Woods an der amerikanisch-kanadischen Grenze ist eine Idylle, wie man sie aus dem Bilderbuch kennt. Das Gebiet um den See im Bundesstaat Minnesota ist als Feriendestination, aber auch für seine über 16000 Hektaren Landwirtschaftsfläche bekannt.

Vom 30. bis 31. August werden sich dort Teilnehmer von über dreissig Ländern an der 66. Weltmeisterschaft im Wettpflügen messen. Beide Schweizer Wettpflüger kommen dieses Jahr aus dem Unterland: Der dreifache Schweizer Meister Marco Angst aus Wil gilt mit seinen 28 Jahren als einer der Hoffnungsträger. Für den Neeracher Peter Ulrich ist dies bereits die neunte Weltmeisterschaft.

Den Boden testen

Während Angst bereits in Übersee ist, bereitet sich Ulrich auf seinem Bauernhof am Stadlersee auf den bevorstehenden Flug vor. Trainieren konnte er in den vergangenen Tagen jedoch nicht: Seinen Traktor liess er kostspielig in die Vereinigten Staaten verfrachten. Er selbst macht sich heute auf den Weg und wird sich eine Woche vor dem Wettkampf mit den Konditionen vertraut machen.

Vorbereitung, Konzentration, die Tagesform und auch ein bisschen Glück gehören dazu. Aber erst in Lake of the Woods wird Ulrich abschätzen können, wie die Weltmeisterschaft für ihn laufen wird und ob er einen der begehrten Podestplätze erreicht.

Woran erkennt er das? «Natürlich am Boden», sagt er. «Ich kann meistens anhand der Bodengegebenheiten sagen, wie gut ich abschneiden werde.» Dazu hat er eigens ein Stück Land gemietet, auf dem er trainieren wird. Manche Wettpflüger lassen sich sogar Bodenproben schicken. Davon hält Ulrich aber nicht viel.

«Ich kann meistens anhand der Bodengegebenheiten sagen, wie gut ich abschneiden werde.»Peter Ulrich

Ohne seinen Traktor konnte Ulrich auch nicht an der diesjährigen Schweizer Meisterschaft im Thurgau teilnehmen. Er überlegte sich zwar, mit einem anderen Traktor anzutreten, liess es aber bleiben. «Ich glaube, die Enttäuschung wäre grösser gewesen, wenn ich damit schlecht abgeschnitten hätte.»

An der Weltmeisterschaft 2010 in Neuseeland wurde er mit dem gleichen Problem konfrontiert und entschloss sich, einen Traktor vor Ort zu mieten, was auch gut funktioniert habe. «Damit verschwendet man jedoch viel Zeit, weil man sich an den fremden Traktor gewöhnen muss.» Ulrich erreichte dennoch den 13. Platz.

An der diesjährigen Weltmeisterschaft will er jedoch wieder auf seinem eigenen Gefährt sitzen. «Wir sind nun mal Gewohnheitstiere», sagt er und lacht.

Der eigene Traktor

Ein Wettkampftraktor zeichnet sich besonders durch seine schmalen Reifen und den modifizierten Pflug aus, der über zwei bis drei Scharen verfügt. Damit müssen die Teilnehmer eine Fläche von etwa 0,2 Hektaren in der Form eines Trapezes bepflügen und am Schluss wieder dort landen, wo sie angefangen haben.

Anschliessend werden die Präzision und die Gleichmässigkeit der Furchenwendung bewertet. Verrechnet man sich bei einer Wendung, muss man diese wieder vorsichtig und möglichst unauffällig korrigieren.

«Es wäre schon schön, an meiner zehnten Weltmeisterschaft teilzunehmen.»Peter Ulrich

Auch die Pflugtiefe darf beispielsweise nur um 2,5 Zenitmeter abweichen. Die Kunst liege darin, ein gleichmässiges Beet zu pflügen. Nicht einfach, wenn man bedenkt, dass die Traktoren über 100 PS stark sein können.

«Alte Hasen»

Mit neun Weltmeisterschaftsteilnahmen gehört Peter Ulrich bereits zu den Veteranen oder «alten Hasen», wie er sich selbst und seine Mitstreiter nennt. 1982 nahm er das erste Mal an einem Wettkampf teil, 2000 konnte er an seiner ersten WM in England den zweiten Platz erreichen. Auch wurde er 1996 der bisher einzige Europameister aus der Schweiz.

Auf die Frage, wie lange er noch beim Wettpflügen mitmachen wolle, muss Ulrich kurz nachdenken. «Es wäre schon schön, an meiner zehnten Weltmeisterschaft teilzunehmen», sagt er. «Aber mich muss auch der Austragungsort reizen.»

Die Zukunft seiner eigenen Wettkampfkarriere will er noch offenlassen. Viel lieber würde er gerne einen jungen Pflüger unter seine Fittiche nehmen und ihn trainieren. «Wie viele Sportarten haben leider auch wir Nachwuchsmangel. Das würde ich gerne ändern.»

Erstellt: 17.08.2019, 09:29 Uhr

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