Forstschädling

Zweite Borkenkäfer-Invasion weniger schlimm als befürchtet

Diesen Sommer hat der Borkenkäfer in Unterländer Wäldern massiv gewütet. Die Förster mussten für die Sofortbekämpfung grosse Holzschläge durchführen. Immerhin: die Zweitinvasion fiel weniger schlimm aus, als erwartet.

Im Zwischenlager am Bahnhof Embrach sind gut 500 Kubikmeter Käferholz gestapelt.

Im Zwischenlager am Bahnhof Embrach sind gut 500 Kubikmeter Käferholz gestapelt. Bild: Cyprian Schnoz

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Eigentlich wird im Wald im Winter geholzt. Das ist besser für den Waldboden und für die Qualität des Holzes. Doch dieses Jahr kreischten die Motorsägen auch im Sommer. Im Juli musste Förster Roland Steiner in seinem 1050 grossen Revier Egg-Ost-Stadlerberg rund 400 Fichten mit einem Volumen von 950 Kubikmetern fällen und schnell aus dem Wald abführen lassen.

Der Grund: Der Buchdrucker, ein Forstschädling aus der Gruppe der Borkenkäfer, hatte zu einem Grossangriff auf die Rottannen geblasen. Um seine Entwicklung und Weiterverbreitung zu unterbinden, war der forstliche Angriff unumgänglich.Doch nicht nur in Steiners Revier, das die Gemeinden Bachs, Neerach, Stadel und Steinmaur umfasst, waren die Forstequipen im Juli unermüdlich Holzen.

Der Klotener Förster Urs Brunner musste 680 Kubikmeter Fichten fällen und Michel Kern, Förster der Gemeinden Bachenbülach, Winkel und Oberglatt, sah sich zu einer Noternte von etwa 400 Kubikmetern gezwungen.

Regen brachte Linderung

Die drei Förster befürchteten Ende Juli, dass der Befall nur ein kleiner Vorgeschmack dessen sei, was im August auf sie zukommen würde – nämlich eine noch viel intensivere Käferattacke. Ganz so schlimm, wie erwartet, ist es jetzt aber nicht gekommen. Dennoch: «In der ersten Hälfte August mussten wir noch einmal holzen und rund 250 Kubikmeter befallene Fichten fällen», sagt Förster Steiner aus Bachs.

«Innerhalb von zehn Tagen war das ganze Käferholz aus dem Wald.»

Michel Kern, Förster

Und Förster Kern aus Winkel: «Nachdem wir im Juli rund 400 Kubikmeter notgeerntet hatten, mussten wir im August noch einmal knapp 500 Kubikmeter fällen.» Das Forstrevier Embrach von Förster Urs Greutmann blieb im Juli weitgehend verschont: «In unseren Wäldern hatte es verschiedene Nester von befallenen Fichten, aber keine grossen Flächen. Insgesamt mussten wir dennoch rund 300 Kubikmeter noternten, vor allem im August.»

Dass der Befall im August nicht dermassen aus dem Ruder gelaufen ist, verdanken die Förster dem Regen. «Das feuchtere Wetter hat sehr geholfen», sagt Steiner und: «Mit den sinkenden Temperaturen sollte es jetzt besser werden, da sich der Borkenkäfer nur bei über 16 Grad entwickeln kann.» Der Regen sei sehr wichtig gewesen, betont auch Kern. «Es kommt jetzt ganz darauf an, wie das Wetter in den nächsten Wochen sein wird.»

Im Oktober könnte es zu einer dritten Borkenkäfer-Generation kommen. Er werde die Situation genau im Auge behalten, sagt der Förster Kern. Aber auch der Specht zeige einen Borkenkäferbefall schnell an, wenn er die Larven herausschlage und die Fichtenrinde zu Boden falle, erklärt der Winkler. Einen erneuten Borkenkäfer-Kontrollgang wird auch Steiner im Oktober vornehmen. Angesichts der Schädlingsplage können Förster in Notfällen beim kantonalen Forstdienst personelle Unterstützung für die Kontrollgänge beantragen.

Käferholz verkauft

Das gefällte Käferholz muss möglichst umgehend aus dem Wald geschafft werden, damit die Entwicklung des Forstschädlings gestoppt wird. Den angefragten Förstern gelang es, Abnehmer für ihr Holz zu finden. So sagt Roland Steiner: «Wir hatten Glück und konnten das Käferholz verkaufen. Aber da die Sägereien inzwischen voll sind, werden die Stämme nicht mehr so schnell aus dem Wald abtransportiert.» Auch Förster Kern wurde seine 500 Kubikmeter los: «Innerhalb von zehn Tagen war alles aus dem Wald. In den Sägereien liegt jetzt viel Holz.»

Muss das Käferholz längere Zeit im Wald gelagert werden, ist eine Entrindung der Stämme unumgänglich. Ansonsten gedeiht die Käferpopulation übermässig. Müssen die Stämme im Wald entrindet werden, unterstützt die Abteilung Wald des Kantons Zürich die Forstämter und Waldeigentümer mit 10 Franken pro Kubikmeter Holz. Ebenfalls 10 Franken pro Kubikmeter sind erhältlich, wenn das Käferholz in einem Zwischenlager deponiert werden muss. Ein solches besteht zurzeit beim Bahnhof Embrach.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.09.2017, 16:57 Uhr

Der Embracher Holzpolter ist mit «Käferlager» angeschrieben. (Bild: Cyprian Schnoz)

HOLZPREISE SIND IM KELLER

Viel Privatwald im Kanton

Die Waldfläche des Kantons Zürich beläuft sich auf 50000 Hektaren. Dies entspricht der Fläche von 70000 Fussballplätzen. Gut die Hälfte des Zürcher Walds gehört dem Bund, dem Kanton, den Gemeinden und Waldkorporationen. Die andere Hälfte ist im Privatbesitz von 18300 Eigentümern.
Ein Beispiel aus dem Unterland: Der Forstbetrieb Egg-Ost-Stadlerberg betreut die Wälder der Gemeinden Bachs, Neerach, Stadel und Steinmaur. Die Waldfläche des Reviers misst 1050 Hektaren. Weit mehr als die Hälfte davon – nämlich 630 Hektaren – sind im Besitz von rund 310 Privaten.
Seit mehreren Jahren sind die Holzpreise sehr tief, Gewinn ist mit dem Verkauf von Baumstämmen kaum zu machen. Es ist daher einleuchtend, dass die Privatbesitzer auf Holzschläge verzichten und auf bessere Preise warten. Der Anteil des Wirtschaftsbaums Fichte ist in den meisten Privatwäldern verhältnismässig gross. Sie sind deshalb ein willkommener Lebensraum für den Borkenkäfer.cy

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