Zum Hauptinhalt springen

«Ganz, ganz, ganz bitterer Abend»

Die Deutschen sparen in der Analyse nicht an Selbstkritik und Lamento. Trainer Jogi Löw schliesst derweil einen Rücktritt nicht aus.

Das Elend nach dem Schlusspfiff: Nie zuvor in der 84-jährigen deutschen WM-Geschichte schied die Mannschaft in der Vorrunde aus. Video: SRF

30 Minuten vor Abpfiff, vor dem Todesstoss, ja vor dem WM-Aus, eine halbe Stunde also vor dem Unmöglichen, sah der deutsche Kommentator Bela Rethy dem deutschen WM-Schicksal erstmals so richtig ins Auge und sprach vom erstmaligen Ausscheiden einer deutschen Mannschaft in der Vorrunde einer WM, von einem Weltmeister noch dazu – und er folgerte mit einem Weltslamento: «...dann heisst es: Das ist eine Blamage undsoweiter.»

Als die «Blamage undsoweiter» Tatsache war, übernahm jeder Deutsche diese triste Tonalität. Es war mehr als eine Blamage. Es war eine Demontage eines Selbstverständnisses, das über Jahre aufgebaut wurde.

Der selbstkritische Hummels

Als erstes musste Verteidiger Mats Hummels vor die Kamera. Er schwieg erst. Dann sagte er: «Ganz schwierig in Worte zu fassen.» Er sprach von den nicht gemachten Chancen und meinte auch sich, er lobte das Defensivverhalten der vermeintlich kleineren Gegner, und er schloss mit der Feststellung: «Ganz, ganz bitterer Abend für alle deutschen Fussballfans, Ganz, ganz, ganz bitterer Abend.»

Bittere Enttäuschung und Wut: Fans in Berlin nach der Niederlage. Video: AFP/AP

Es war eine Analyse, die sass. Ein Fazit, das aufrichtig und selbstkritisch war. Ein Lehrbeispiel für alle Verlierer dieser Welt. Derweil trottete Müller weinend vom Platz, Gomez schüttelte den Kopf, und Trainer Löw verschwand sehr bald in der Kabine. Wenig später berichtete der Trainer über die Stimmung darin: «Totenstille. Es ist eine riesige Enttäuschung. Wir haben es nicht verdient, weiterzukommen. Die Leichtigkeit hat uns gefehlt. Die Sicherheit war nicht vorhanden.» Er erklärte, weshalb er fünf neue Spieler in die Startformation nahm, er konstatierte eine Selbstherrlichkeit vor dem Mexiko-Spiel und übernahm die Verantwortung für das Scheitern.

Doch die e i n e Frage konnte er damit nicht abwehren: Bleibt er Trainer? Er, der sechsmal das Halbfinal von Grossanlässen erreichte und nun in der Vorrunde scheiterte. Er sagte: «Es ist zu früh für mich, diese Frage zu beantworten. Die Enttäuschung ist tief in mir drin. Das hätte ich mir so nicht vorstellen können. Ich war optimistisch, brauche jetzt ein paar Stunden. Morgen werden wir dann reden.» Einer seiner Chefs, Oliver Bierhoff sagte: «Jogi hat vor kurzem einen Vertrag bis 2022 unterschrieben, das hat er sich sicher gut überlegt. Ich gehe davon aus, dass er weitermachen wird.» Verbandschef Grindel sagte, man habe vor dem Turnier einen Umbruch eingeläutet, mit Löw, weil man ihm das zutraue. Daran habe sich wenig geändert.

Die Reaktionen der Zeitungen

Zuhause nahmen die Zeitungredaktionen die grossen Buchstaben zur Hand und beklagen das Aus. Durchaus selbstkritisch, wie etwa das Boulevardblatt Bild:

Der Spiegel sah im Aus eine historische Blamage:

Der Tagesspiegel bemängelte die gepflegte Langeweile.

Und der Sender ARD kündigte tatsächlich eine Sondersendung an. Historisch halt.

Die TV-Kollegen aus Brasilien hingegen haben offenbar das 1:7 vor vier Jahren noch nicht ganz vergessen.

Und dann wäre da noch ein Fluch, vorgetragen vom Spieler Kevin-Prince Boateng, dem Bruder von Jerome Boateng, Deutschlands Innenverteidiger.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch