Granqvist – und dann?

Bei den Schweden trat Andreas Granqvist fünf der letzten sechs Elfmeter. Die Schweizer hätten bei einem allfälligen Penaltyschiessen mehr Variation.

Ein treffsicherer Penaltyschütze: Der Schwede Andreas Granqvist erhöht im Gruppenspiel gegen Mexiko vom Elfmeterpunkt auf 2:0. (Video: SRF/Tamedia)
Video: Getty Images/Stu Forster

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Die Chance, dass der Achtelfinal zwischen der Schweiz und Schweden erst in einem Penaltyschiessen entschieden wird, stufen viele als sehr gross ein. Auch Schwedens Trainer Janne Andersson hat sich damit auseinandergesetzt – und er ist vorbereitet. Er hat eine Penalty-Liste von allen Spielern, rangiert von 1 bis 23. «Das Erstellen einer Liste von Elfmeterschützen ist im Prinzip der gleiche Prozess wie die Zusammenstellung einer Mannschaft.» Es sei die Verantwortung des Trainers, jene Spieler auszuwählen, die einen Penalty schiessen. Andersson hält vor dem Spiel eine Liste mit den Kandidaten bereit, Auswechslungen oder Verletzungen können sie beeinflussen. «Wenn es so weit ist, werden wir sehen, wer auf dem Platz steht und wie die Situation ist. Wir haben einen klaren Plan.»

Während der WM-Qualifikation haben die Schweden vier Strafstösse verwertet. Emil Forsberg gelang beim 4:0 im Hinspiel über Weissrussland das erste Tor vom Elfmeterpunkt. Danach lief jeweils Andreas Granqvist an. Er reüssierte im Rückspiel gegen Weissrussland (4:0) und gleich zweimal im zweiten Duell mit Luxemburg, das die Skandinavier 8:0 gewannen. Auch an der WM war er bereits zweimal (zuerst schoss er so das Siegestor zum 1:0 über Südkorea und dann traf er einmal beim 3:0 gegen Mexiko) per Penalty erfolgreich.

Fast immer gute Nerven

Die Schweizer wollen verhindern, dass es zu einem Krimi im Penaltyschiessen kommt. «Wir wollen das Spiel in 90 oder 120 Minuten entscheiden», betonte Granit Xhaka am Montag an der Pressekonferenz. «Und wenn es zum Penaltyschiessen kommt, übernehme ich gerne die Verantwortung», fügte der Mittelfeldspieler selbstbewusst an. Als die Schweiz an der EM 2016 in Frankreich im Achtelfinal gegen Polen ins Penaltyschiessen musste (1:1 nach 120 Minuten), hatte er als Einziger das Tor verfehlt.


Granit Xhaka verschiesst an der EM 2016 den Penalty gegen Polen.

Xhaka hatte damals als Zweiter Anlauf genommen, nachdem zuvor Stefan Lichtsteiner erfolgreich gewesen war. Wie der Captain liessen danach auch Xherdan Shaqiri, Fabian Schär und Ricardo Rodriguez dem polnischen Torhüter Lukasz Fabianski keine Abwehrchance und trafen. Nur bei einem Schweizer versagten also die Nerven. Doch Goalie Yann Sommer konnte ebenfalls keinen Schuss der Polen parieren. Grzegorz Krychowiak erzielte letztlich das 5:4 für die Bialo-Czerwoni (Weiss-Roten), was das EM-Aus für das Team von Coach Vladimir Petkovic bedeutete.

Nur einen Elfmeter vergeben

Seither bekam die Schweiz sechs Elfmeter zugesprochen, vier davon während der WM-Qualifikation. Beim 2:1-Sieg im Oktober 2016 in Andorra nutzte Schär seine Chance nach 19 Minuten zum Führungstreffer. Im Rückspiel gegen Lettland (3:0) wurden gleich zwei Penaltys für die Schweizer gepfiffen. Blerim Dzemaili verpasste nach einer halben Stunde das 2:0, weil er den Ball über die Latte drosch. Später zeigte sich Rodriguez abgeklärter und sorgte vom Punkt für das Schlussresultat. Der Verteidiger durfte dann auch beim Handspenalty im ersten Barrage-Spiel auswärts gegen Nordirland ran und versenkte den Ball eiskalt. Dank seines Treffers sollte sich die Schweiz letztlich für die WM-Endrunde in Russland qualifizieren.


Ricardo Rodriguez führt die Schweiz per Elfmeter an die WM.

Rodriguez durfte ebenfalls den Penalty im letzten Testspiel der Schweizer (2:0 gegen Japan) treten und legte mit seinem 1:0 den Grundstein zur gelungenen WM-Hauptprobe. Dazwischen hatte sich Xhaka im März beim 6:0 über Panama rehabilitieren können. Der 25-Jährige erhöhte nach gut einer halben Stunde vom Elfmeterpunkt auf 2:0. Und so zeigte Xhaka, dass er es im Gegensatz zur EM vor zwei Jahren doch kann.

Nun stellt sich nur noch die Frage, wen Trainer Petkovic bei einem allfälligen Penaltyschiessen gegen Schweden aufbieten soll. Die gleichen Spieler wie an der EM 2016 kann er gar nicht, da Lichtsteiner und Schär gesperrt sind. Doch damit hat sich der 54-Jährige wie sein Gegenüber Andersson sicher schon intensiv befasst. (ddu/jch)

Erstellt: 03.07.2018, 12:02 Uhr

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