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Gefährdeter Spassmacher

Stefan Büsser ist Comedian und gehört zur Corona-Hochrisikogruppe. Was macht das mit seinem Humor?

Lieferte das erste erfolgreiche Corona-Erklärvideo der Deutschschweiz: Stefan Büsser.
Lieferte das erste erfolgreiche Corona-Erklärvideo der Deutschschweiz: Stefan Büsser.
Ellin Anderegg

Er ist jener Typ Schwiegersohn, der beim Sonntagsbrunch einen zotigen Witz macht, worauf die Schwiegermutter leise kichert und ein etwas zu grosses Stück Kuchen über den Tisch schiebt. Stefan Büsser ist frech, aber massentauglich frech. Bekannt geworden mit «Bachelor»-Verulkungen, hat er mittlerweile eine SRF-Sendung und tourt als Comedian durchs Land.

Letzte Woche stellte Büsser ein todernstes Video online. Gefilmt hatte er es gemeinsam mit Fabian Unteregger, dem Comediankollegen und Arzt. Unteregger erklärte die wichtigen Merkmale von Corona und die Verhaltensregeln. Klärte auf, dass Niesen kein Problem sei. «Wegen des Niesens haben wir ja kein WC-Papier mehr», unterbrach Büsser. «Wenn einer niest, scheissen sich 500 Leute aus Angst in die Hosen.» Es war einer von spärlich gestreuten Witzen.

Selbstisolation und Hundespaziergang

Büsser hat Diabetes und Zystische Fibrose, eine Stoffwechselkrankheit, wegen der sich die Lunge schnell entzünden kann. Der 35-Jährige gehört zu jenen Menschen, für die das Virus Lebensgefahr bedeutet.

Seit Mitte März lebt Büsser in Selbstisolation am Stadtrand von Zürich. Dreimal am Tag geht er mit seinem Hund raus, einem Zwergspitz – jeweils eine halbe Stunde. Dann gehts wieder zurück in die Wohnung. Besuch empfängt er nicht. «Wenn man sich zufällig kreuzt, hält man sofort Distanz. Auch die Hündeler plaudern weniger miteinander», sagt Büsser am Telefon.

Das Corona-Video sei nicht sein bestes gewesen, aber definitiv sein wichtigstes. Das Video erreichte eine Viertelmillion Views auf Youtube, war der erste erfolgreiche Deutschschweizer Erklärfilm zum Virus. Es sei jetzt extrem wichtig, auch die Jungen zu erreichen, sagt Büsser. Erst ein paar Tage nach seinem Video folgten Alain Berset, Roger Federer und weitere Prominente mit einer Instagram-Challenge. «Sicher, jeder Tag zählt. Aber Berset hatte bestimmt Wichtigeres zu tun.»

«Je ernster die Lage, desto wichtiger wird der Humor.»

Stefan Büsser

Stefan Büsser muss jedes Jahr während zwei Wochen für eine Antibiotika-Kur ins Spital. Diese Massnahme soll Infekten vorbeugen. Eine Vorbereitung auf die jetzige Situation sei das jedoch nicht. «Ich rechne damit, dass ich noch Wochen allein in meiner Wohnung werde bleiben müssen.»

Büsser hat volles Vertrauen, dass die Experten draussen derweil die Krise in den Griff bekommen. Sein Programm führt der Comedian von zu Hause aus weiter, am Mittwoch bringt er den nächsten Podcast. «Je ernster die Lage, desto wichtiger wird der Humor.»

«Corona Lisa» und «Moby Sick»

Seit frühester Kindheit wisse er um seine anfällige Gesundheit, sagt Büsser. Er sei aber auch immer schon Spassmacher gewesen. «Ich werde meinen Humor nie verlieren, diese Lockerheit ist einfach in mir drin. Sie hat mir enorm geholfen.» Als Stand-up-Comedian vereint er zuweilen das scheinbar Unvereinbare, eröffnet einen Abend auch mal so: «Mein Name ist Stefan Büsser. Ich leide an einer unheilbaren Krankheit.» Schweigen im Publikum. «Ich bin Zürcher.»

Jeden Tag sieht der isolierte Spassmacher auf den Social-Media-Kanälen die Corona-Scherze vorbeiziehen. Witze über angebliche «Hand in Hand»-Solidaritätsaktionen oder über WC-Papier-Käufe, über «Corona Lisa» und «Moby Sick».

Ist das nicht alles etwas pietätlos? Ein geschmackloses Meme, sagt Stefan Büsser, sei ihm tausendmal lieber als «eine Verschwörungstheorie, die uns weismachen will, das Virus sei gar nicht so schlimm und wir würden es alle überleben».