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Liquidation in BachenbülachGrosser Run auf Baur-au-Lac-Möbel

Noch bis am Samstag stehen in Bachenbülach antike Möbel aus dem Hotel Baur au Lac zum Verkauf. Die Nachfrage ist riesig.

Die Tischchen und die gelben Polstersessel standen ursprünglich im Restaurant Rive Gauche beim Hotel Baur au Lac.
Die Tischchen und die gelben Polstersessel standen ursprünglich im Restaurant Rive Gauche beim Hotel Baur au Lac.
Foto: Raisa Durandi

Normalerweise führt Jürg Hoss seine Möbelliquidationen in Privatwohnungen durch. Doch zurzeit ist ein spezieller Verkauf im Gang: Das Zürcher Luxushotel Baur au Lac erneuert sein Mobiliar laufend und will sich nun von zahlreichen stilvollen Stücken aus seinem Fundus trennen. Deshalb hat Jürg Hoss in Bachenbülach, gleich bei der Einfahrt zur Autobahn, die Räume des ehemaligen Möbelhauses Frauenfelder gemietet. Hier ist genügend Platz, um alles auszustellen. Und gleichzeitig kommen sich die Kaufinteressierten nicht zu nahe.

Am Dienstag hatte sich der Bestand an Angeboten aber schon stark gelichtet. Die meisten Tische, Kästen, Kommoden und Lampen, die noch da waren, trugen ein Schild mit roter Schrift: verkauft. «Es ist sensationell gelaufen», freut sich Hoss. Vor allem am ersten Tag, am Donnerstag letzter Woche, seien Hunderte gekommen. «Die Menschen freuen sich, dass sie nach der langen Zeit der geschlossenen Läden endlich wieder etwas Schönes kaufen können», erklärt sich der Liquidator die grosse Nachfrage. Zudem sei es wohl der Name des renommierten Hotels, der ziehe. Er habe viele Stammkunden, die gern hin und wieder etwas Extravagantes erwerben. Neben dem Interieur des Baur au Lac suchen in Bachenbülach weitere antike, aber auch neuere Stücke aus diversen Nachlässen ein neues Zuhause.

In den Kästen wurden vor dem Zeitalter der Flachbildschirme die Fernseher aufbewahrt.
In den Kästen wurden vor dem Zeitalter der Flachbildschirme die Fernseher aufbewahrt.
Foto: Raisa Durandi

Eine Frau ist mit einem Angestellten gekommen, der gerade eine schwere Kommode aus dunklem Holz in einen Kleinbus lädt. Sie schaut sich nach weiteren Stücken um und versucht, einen guten Preis auszuhandeln. Vor allem die diversen Kronleuchter interessieren sie. Auf Nachfrage ist zu erfahren, dass sie die Möbel in ihre Heimat nach Kamerun verschiffen möchte, wo sie ein grosses Haus besitzt. «Mir gefallen alte Sachen besser als moderne», erklärt die Dame.

Schnäppchen für Villenbesitzende

Viele seiner Kunden seien Inhaber von ansehnlichen Villen oder gar Landgütern, etwa in Frankreich, weiss Jürg Hoss. Manchmal kann er sich aber trotzdem fast nicht erklären, was für ein zweites Leben die Gegenstände haben werden. So zum Beispiel bei den riesigen Kristallkronleuchtern oder beim etwas ausgebleichten grünlichen Teppich, der mit seinen Massen von acht auf vier Metern in keiner gewöhnlichen Wohnung Platz findet. Der neue Besitzer muss über einen regelrechten Saal verfügen.

Der riesige Teppich aus dem Hotel Baur au Lac ging für über 5000 Franken weg, obwohl er bereits etliche Spuren seines früheren Lebens trägt.
Der riesige Teppich aus dem Hotel Baur au Lac ging für über 5000 Franken weg, obwohl er bereits etliche Spuren seines früheren Lebens trägt.
Foto: Raisa Durandi

Eine Frau und ein Mann laden sich gerade drei Kühlschränke ins Auto, die von einem anderen Nachlass stammen. Sie seien zufällig vorbeigekommen, erzählt die Frau. «So grosse, frei stehende Kühlschränke im Retrostil erhält man sonst nirgends», freut sie sich. «Das ist ein richtiges Schnäppchen.»

Zu haben sind derzeit noch etliche Lampen, zwei dunkelgrüne Polstersessel, ein etwas düsteres Stillleben-Gemälde sowie diverse weitere Antiquitäten. Am Freitag und am Samstag erwartet Jürg Hoss nochmals einen kleinen Ansturm auf die Reststücke. Wenn etwas nicht wegkommt, wird er mit den Besitzern eine Lösung suchen. Doch er ist überzeugt: «Am Samstagnachmittag um vier Uhr wird es hier ziemlich leer sein.»

Die meisten Stücke tragen mittlerweile bereits Schilder mit der Aufschrift «Verkauft». Doch einige sind noch zu haben.
Die meisten Stücke tragen mittlerweile bereits Schilder mit der Aufschrift «Verkauft». Doch einige sind noch zu haben.
Foto: Raisa Durandi