Zum Hauptinhalt springen

Coronavirus in der Schweiz+++ Kanton Schaffhausen verschärft Massnahmen +++ 4382 Ansteckungen

Das Bundesamt für Gesundheit hat die Quarantäne-Liste aktualisiert. Graubünden führt als erster Kanton Corona-Massentests ein. Nationale Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Neuinfektionen in der Schweiz stagniert auf hohem Niveau.

  • Nun hat auch Graubünden einen Mini-Lockdown verhängt.

  • Im Kanton Wallis können Restaurants und Freizeitbetriebe ab dem 14. Dezember wieder öffnen.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

LIVE TICKER

Kanton Schaffhausen verschärft Massnahmen

Turnhallen, Hallenbäder, Tanzstudios, Fitness- und Wellnesszentren sowie Innenräume von Sportanlagen werden geschlossen. Dasselbe gilt für Museen, Kinos, Theater, Jugendtreffs, Spielsalons und Erotikbetriebe. Die Corona-Fallzahlen in Schaffhausen sind hoch, und das Kantonsspital ist überlastet, so dass bereits drei Patienten in ausserkantonale Spitäler verlegt werden mussten. Der Regierungsrat hat daher am Freitag Massnahmen beschlossen, die am kommenden Sonntag um Mitternacht in Kraft treten und bis 22. Dezember gelten.

Private Treffen und Restaurantbesuche werden eingeschränkt. So dürfen sich zuhause zwar noch bis zu zehn Personen treffen, aber nur noch aus zwei Haushalten. In Restaurants sind pro Tisch weiterhin vier Personen erlaubt, neu aber ebenfalls nur noch aus zwei Haushalten.

Fallzahlen sind zu hoch: Blick auf das Wahrzeichen von Schaffhausen, den Munot, mit dem Rhein im Vordergrund.
STADT, STADTANSICHT,
Fallzahlen sind zu hoch: Blick auf das Wahrzeichen von Schaffhausen, den Munot, mit dem Rhein im Vordergrund.
Foto: Melanie Duchene (Keystone/Symbolbild)

An Weihnachten soll dann wieder die bisherige Regelung gelten, nach der sich zehn Personen auch aus mehr als zwei Haushalten treffen dürfen. Ausserdem werden verschiedene Institutionen und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Ausnahmen gibt es für den Schulsport von Primar- und Sekundarstufe I sowie für den Profisport. Neu sind Veranstaltungen mit mehr als 15 Personen verboten, ausgenommen davon sind politische Gremien.

Medienkonferenz des Bundesrats

Gesundheitsminister Alain Berset wird um 15.45 Uhr die Entscheide des Bundesrats zum Festtagspaket und den möglichen Einschränkungen für den Wintersport informieren.

Verfolgen Sie die Medienkonferenz in unserem Live-Ticker: Welche Regeln legt der Bundesrat heute den Skigebieten auf?

11 Länder wieder auf Quarantäne-Liste

Die Schweiz hat die Quarantäne-Liste um 11 Länder und einige Regionen in Italien und Österreich ergänzt. Personen, die unter anderem aus den USA, Portugal oder Kroatien in die Schweiz einreisen, müssen sich in Isolation begeben, wie das BAG am Freitag mitteilte. Die neue Liste tritt am 14. Dezember um 0.00 Uhr in Kraft.

Für diese Regionen und Länder gilt wieder Quarantäne-Pflicht:

  • Georgien

  • Jordanien

  • Kroatien

  • Litauen

  • Nordmazedonien

  • Polen

  • Portugal

  • San Marino

  • Serbien

  • Slowenien

  • Ungarn

  • Vereinigte Staaten von Amerika

Italien:

  • Region Emilia Romagna

  • Region Friaul-Julisch Venetien

  • Region Venetien

Österreich:

  • Land Kärnten

  • Land Steiermark

Bisher waren neben den beiden österreichischen Regionen Oberösterreich und Salzburg nur Luxemburg, Montenegro, Andorra und Französisch-Polynesien von der Quarantäne-Pflicht betroffen.

Ab dem 14. Dezember nicht mehr auf der Liste ist Tschechien.

Kanton Graubünden entschädigt Gastrobetriebe

Der Kanton Graubünden entschädigt Gastronomiebetriebe, die vom zweiwöchigen Restaurant-Lockdown betroffen sind, für bereits eingekaufte Frischwaren mit maximal 10'000 Franken. Die Entschädigung wird ausgerichtet, weil die Schliessung aller Restaurants im Kanton am Freitag kurzfristig kommuniziert wurde.

Rechtlich abgestützt wurde die Entschädigung über eine Teilrevision der kantonalen Covid-19-Härtefallverordnung, wie das Departement für Volkswirtschaft und Soziales am Freitag mitteilte. Geld gibt es für angefallene Kosten für eingekaufte Frischwaren, die wegen der Schliessung nicht mehr genutzt werden können.

Bündner Restaurants, die Frischwaren wegen der angeordneten Schliessung nicht mehr verwenden können, werden vom Kanton bis maximal 10'000 Franken entschädigt.
Bündner Restaurants, die Frischwaren wegen der angeordneten Schliessung nicht mehr verwenden können, werden vom Kanton bis maximal 10'000 Franken entschädigt.
Foto: Gaetan BalLY (Keystone/Symbolbild)
BAG meldet 4382 Neuinfektionen

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag innerhalb von 24 Stunden 4382 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden, das sind 70 mehr als am Freitag vor einer Woche. Gleichzeitig registrierte das BAG 101 neue Todesfälle und 199 Spitaleinweisungen. Am Freitag vor einer Woche meldete das BAG 4312 neue Fälle.

Die Positivitätsrate der PCR-Tests für die vergangenen zwei Wochen lag bei 18,6 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner 3587 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet.

Seit Beginn der Pandemie wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 2'836'245 Tests auf Sars-CoV-2 durchgeführt, den Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19, wie das BAG weiter mitteilte. Insgesamt gab es 344'497 laborbestätigte Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus.

14'041 Personen mussten bisher wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung belief sich auf 4848. Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung befanden sich laut Angaben des BAG 27'525 Menschen in Isolation und 25'411 Menschen in Quarantäne. Zusätzlich befanden sich 190 Personen in Quarantäne, die aus einem Risikoland heimgekehrt waren.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

Lesen Sie auch:

Steigende Fallzahlen — Warum sinkt die Zahl der Neuinfektionen nicht mehr?

Antworten zur Kontaktbeschränkung — Das taugt die Zwei-Haushalte-Regel

Minimale Restriktionen im Skigebiet

Lesen Sie zum Thema: So reagieren die Nachbarn auf den Schweizer Ski-Sonderweg

Das Solo der Schweizer hinsichtlich der Corona-Massnahmen in den Skigebieten wird in den ausländischen Medien als «eigensinnig», «egoistisch» oder gar «fahrlässig» taxiert.
Das Solo der Schweizer hinsichtlich der Corona-Massnahmen in den Skigebieten wird in den ausländischen Medien als «eigensinnig», «egoistisch» oder gar «fahrlässig» taxiert.
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Ist die Schweiz eine freiheitliche Freakshow? In Italien und Deutschland reibt man sich die Augen über den legeren Umgang der Eidgenossenschaft mit Corona und dem Wintersport.

Graubünden startet mit Massentests

Neben den Einschränkungen des öffentlichen Lebens sieht die neue Strategie des Kantons Graubünden «Flächen- und Kontrolltests» vor. Wie es in einer Mitteilung heisst, werden im Rahmen eines Pilotprojekts zwischen dem 11. und 13. Dezember in den Regionen Maloja, Bernina und Engiadina Bassa/Val Müstair die gesamte Bevölkerung auf freiwilliger Basis getestet.

Damit ist Graubünden der erste Kanton der Schweiz, der Massentests durchführt.

«Zudem soll in Bergbahn- oder Hotelleriebetrieben, bei Gesundheitsberufen, Lehrpersonen oder anderen Berufsgruppen mit vielen sozialen Kontakten sowie bei Besuchern in Pflegeheimen und Spitälern neu periodisch und systematisch getestet werden», schreibt der Kanton weiter.

Mit dem Pilotprojekt soll eine Ausgangslage geschaffen werden, «um bei Bedarf einen Flächentest über den ganzen Kanton durchzuführen».

Lesen Sie dazu: Jetzt auch Massentests in der Schweiz – verspricht das Erfolg?

Beizen, Kinos und Museen müssen schliessen

Der Bergkanton fährt das öffentliche Leben bis am 18. Dezember stark herunter. Wie aus den im Kantonsamtsblatt publizierten neuen Corona-Massnahmen hervorgeht werden Restaurants geschlossen und Versammlungen sowie Treffen mit mehr als zehn Personen verboten.

Die im Bündner Kantonsamtsblatt veröffentlichten Massnahmen treten am (heutigen) Freitag um 23 Uhr in Kraft. Sie umspannen Versammlungen und Treffen, Veranstaltungen, Restaurationsbetriebe, Sport- und Freizeitaktivitäten.

Gemäss den neuen Regeln dürfen sich nicht mehr als zehn Personen treffen, weder im privaten noch im öffentlichen Raum auf Plätzen, Trottoirs, Parks oder Spazierwegen. Gottesdienste können noch durchgeführt werden mit maximal 50 Personen, sofern Schutzkonzepte vorhanden sind und eingehalten werden.

Restaurationsbetriebe, auch solche in Skigebieten, werden geschlossen. Erlaubte Ausnahmen bis 22 Uhr betreffen die Lieferung von Lebensmitteln nach Hause, Märkte, bei denen der Konsum an Ort und Stelle verboten ist, sowie Take-Away am Schalter.

Herunter gefahren wird weiter das kulturelle Leben. Geschlossen werden Kinos, Theater, Museen, Galerien, Bibliotheken sowie Sport- und Fitnesszentren. Die Bündner Regierung hält ihre Medienkonferenz am Freitag um 10.00 Uhr in Chur ab. Es wird erwartet, dass sie sich dann auch zum Wintersport äussert.

Jura lockert Massnahmen

Der Kanton Jura lockert wie angekündigt seine Corona-Schutzmassnahmen. So dürfen Restaurants, Cafés, Bars und Museen ab dem 10. Dezember definitiv wieder ihre Türen öffnen. Allerdings gelten strenge Öffnungszeiten: Bereits um 18.30 Uhr müssen Betriebe ohne Küche wieder schliessen.

Sämtliche Restaurants, Cafés und Bars im Kanton können ab dem 10. Dezember grundsätzlich von 06.00 bis 18.30 Uhr geöffnet sein, wie die jurassische Regierung am Freitag mitteilte. Nach 18.30 Uhr dürfen aber nur noch beim Kanton angemeldete Betriebe mit einer Küche, in der auch Essen zubereitet wird, Gäste empfangen. Darüber hinaus dürfen ab 18.30 Uhr nur Getränke serviert werden, wenn der Gast gleichzeitig auch eine Mahlzeit zu sich nimmt.

Ab dem 10. Dezember dürfen Gastrobetriebe im Kanton Jura wieder öffnen. (1. November 2020)
Ab dem 10. Dezember dürfen Gastrobetriebe im Kanton Jura wieder öffnen. (1. November 2020)
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Weiterhin geschlossen bleiben im Kanton Jura Clubs, Theater, Kinos und Konzerthallen. Der Zeitplan der jurassischen Regierung sieht vor, dass Kulturinstitutionen ab dem 17. Dezember wieder ein zahlenmässig eingeschränktes Publikum empfangen können.

Wie ist die Situation auf den Schweizer Intensivstationen?

Sie solle sich dringend beim Spital melden, bat Nadja Habicht ein Arzt nach dem Lockdown im Frühling. Seither arbeitet die Expertin für Intensivpflege wieder in ihrem angestammten Beruf und begleitet Covid-Patienten in den Tod.

Lesen Sie auch zum Thema: Sie lebt mit dem Sterben der anderen

Maske, Schutzbrille, Haube, Handschuhe, Plastikmantel: In der Schleuse zur Intensivstation zieht Nadja Habicht, Expertin für Intensivpflege, die Schutzausrüstung an.
Maske, Schutzbrille, Haube, Handschuhe, Plastikmantel: In der Schleuse zur Intensivstation zieht Nadja Habicht, Expertin für Intensivpflege, die Schutzausrüstung an.
Fotos: Nicole Pont

Die aktuellen Belegungszahlen erfahren Sie hier: So ausgelastet sind die Spitäler in den Kantonen

Mehr Ski-Touristen bedeuten mehr medizinische Notfälle

Jährlich verletzten sich in der Schweiz laut einem Bericht des «SRF» 76'000 Schneesportler. Nicht alle davon müssen im Spital behandelt werden. Trotzdem belasten die Unfälle die Notfallstationen der Krankenhäuser, heisst es im Bericht.

Ein Skifahrer mit Schutzmaske fährt in Arosa den Hang hinunter. (29. November 2020)
Ein Skifahrer mit Schutzmaske fährt in Arosa den Hang hinunter. (29. November 2020)
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Dazu kämen Herzinfarkte über die kulinarisch intensiven Festtage. «Mehr Touristen heisst nicht nur mehr Unfälle. Sondern mehr Touristen heisst eben auch mehr medizinische Notfälle, beispielsweise ein Hirnschlag oder ein Herzinfarkt», wird Damian Roman vom Kantonsspital Graubünden zitiert.

Zurzeit seien die Intensivpflege-Abteilungen schweizweit zu 80 Prozent ausgelastet. Der Bund möchte die Verantwortung den Kantonen überlassen, ob die lokalen Skigebiete geöffnet bleiben sollen. Die Walliser Gesundheitsdirektorin Esther Waeber-Kalbermatten sagt dazu: «Wenn sich die Situation wirklich verschlimmert, sind wir dann eben gezwungen, zu sagen, wir müssen dieses oder jenes Skigebiet schliessen.»

Zürcher Forschende entwickeln Corona-Speicheltest

Spucke statt Abstrich: Forschende der Universität Zürich (UZH) haben einen Speicheltest entwickelt, der Sars-CoV-2 nachweisen kann. In einer Studie mit über tausend Probanden erwies sich der Test ausser bei tiefen Viruslasten als gleich zuverlässig wie der herkömmliche Nasenrachenabstrich.

Zuerst eine Stunde nichts essen oder trinken, nicht rauchen und keinen Kaugummi kauen. Danach kräftig räuspern, Speichel im Mund sammeln – und in ein Röhrchen spucken. Der neu entwickelte Speicheltest der Forschenden um die Virologin Alexandra Trkola klingt angenehmer als der oft gefürchtete Nasenrachenabstrich.

Der Speichel wird wie die Abstriche im Labor mit der PCR-Methode auf Virenmaterial untersucht. In einer noch nicht von anderen Fachleuten begutachteten Studie prüften die Forschenden, wie verlässlich der neue Test ist.

Eine Testperson spuckt seinen Speichel in ein Röhrchen mit Trichter mittels Speicheltest, aufgenommen. (1. Dezember 2020)
Eine Testperson spuckt seinen Speichel in ein Röhrchen mit Trichter mittels Speicheltest, aufgenommen. (1. Dezember 2020)
Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Demnach stimmten die Resultate der Speicheltests zu 98 Prozent mit den herkömmlichen Tests überein. Einzig bei Menschen mit niedrigen Viruslasten schnitt der Abstrich besser ab: Hier entdeckte der Speicheltest im Vergleich zum Nasenrachenabstrich noch 60 Prozent der Infizierten. Die Speicheltests seien aber sensitiver als Antigen-Schnelltests, so die Virologin auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Test zu Hause noch nicht zugelassen

Der Vorteil bei den Speicheltests ist laut Trkola, dass beispielsweise Kinder einfacher getestet werden können. Auch für das Pflegepersonal, das häufig getestet werde, verspreche ein solcher Test weniger Unannehmlichkeiten.

Derzeit muss die Speichelabgabe noch in einer Arztpraxis oder in einem Spital erfolgen. Ob die Abgabe für zu Hause zugelassen werde, müssten die Behörden entscheiden, so Trkola.

Ein St. Galler Unternehmen vertreibt bereits einen Corona-Speicheltest für Zuhause. Lesen Sie dazu unser Interview mit der Zürcher Virologin Alexandra Trkola: «Die Hoffnung ist, dass dadurch mehr Kinder getestet werden»

Swisscoy-Soldaten im Kosovo positiv getestet

Rund 20 Angehörige des Swisscoy-Kontingents sind seit dem Frühjahr positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sie hatten jedoch keine oder nur leichte Symptome. Die Betroffenen seien jeweils auf der Stelle isoliert worden, teilte Swissint (Swiss Armed Forces International Command) am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Im übrigen werde jeder Soldat getestet, bevor er aus der Schweiz in den Kosovo reise.

Zudem seien die Swisscoy-Soldaten im März (42 Personen) und September (43 Personen) vorsorglich in Quarantäne geschickt worden, bevor sie ihre Missionen im Kosovo im April und Oktober angetreten hätten. Aktuell seien 165 freiwillige Armeeangehörige vor Ort stationiert. Im April 2021 werde das Kontingent dann auf insgesamt 190 Angehörige aufgestockt.

Die Schweiz ist eines der wichtigsten Partner- und Geberländer des Kosovo. So hat sie über 500'000 Euro für den Kauf von Beatmungsgeräten und Covid-19-Tests zur Verfügung gestellt.

Die Schweiz ist eines der wichtigsten Partner- und Geberländer des Kosovo.
Die Schweiz ist eines der wichtigsten Partner- und Geberländer des Kosovo.
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone/Symbolbild)
Graubünden schliesst alle Restaurants

Wegen der steigenden Corona-Fallzahlen schliesst der Kanton Graubünden ab Freitagnacht alle Restaurants für zwei Wochen.

Lesen Sie dazu: Graubünden schliesst alle Restaurants

Graubünden will die Skisaison retten: Ein Skifahrer in Arosa.
Graubünden will die Skisaison retten: Ein Skifahrer in Arosa.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Um das Weihnachtsgeschäft zu retten, ergreift die Bündner Regierung drastische Massnahmen. Die Restaurants müssen ab Freitagnacht für zwei Wochen schliessen.

Berset: Die Situation «ist sehr beunruhigend»

Bundesrat Alain Berset trat heute in Muttenz vor die Medienschaffenden. Die aktuelle Situation in der Schweiz «ist sehr beunruhigend», sagte Berset. In der Westschweiz würden die Fallzahlen zwar noch immer stark sinken. «Schweizweit sinkt die Zahl der Neuinfektionen aber nicht mehr. Sie stabilisiert sich auf sehr hohem Niveau.»

Der Bundesrat hat sich gemäss Berset einen stärkeren Effekt aus den Corona-Massnahmen erhofft. «Wir machen uns Sorgen», so der Gesundheitsminister.

«Der Schweizer Weg hat seinen Preis»

Der Schweizer Weg sei nicht vergleichbar mit anderen Ländern. «Wir haben bewusst darauf verzichtet, alles herunterzufahren. Das hat aber seinen Preis: Wenn es sich nicht so entwickelt wie erhofft, muss man rasch Entscheidungen treffen.»

Bundesrat Alain Berset bei der Pressekonferenz in Basel-Landschaft. (3. Dezember 2020)
Bundesrat Alain Berset bei der Pressekonferenz in Basel-Landschaft. (3. Dezember 2020)
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Berset rief in Erinnerung: «Wir müssen eine dritte Welle verhindern. Wir müssen eine Überforderung des Gesundheitssystem verhindern.»

Der Bundesrat sprach auch die bevorstehenden Festtage an. «Der Winter ist die schwierigste Phase für das Virus.» Berset zeigte auch Verständnis für Personen, die mit der Familie Weihnachten feiern oder Einkäufe tätigen möchten. «Wir müssen aber extrem aufpassen.»

«Wir reagieren nicht auf Druck von aussen»

Laut Berset hat der Bundesrat bereits im Juli über Einschränkungen für die Skigebiete diskutiert. «Wir reagieren nicht auf Druck von aussen. Das Ziel sei es, eine stabile Situation zu schaffen.»

In den Tourismusgebieten steige der Reproduktionswert aber. «Wenn das schon jetzt wieder der Fall ist, was passiert dann Ende Monat», sagte Berset. «Ich würde auch gerne Skifahren, aber darum geht es nicht.»

Bilder aus Skigebieten sind «unerfreulich»

Die Schutzkonzepte der Bergbahnen sind gemäss dem Bundesrat gut, «aber sie müssten strikte umgesetzt werden». Er spricht aber auch die Bilder aus den Skigebieten vom letzten Wochenende an. Diese seien «unerfreulich», gab Berset zu. Die Kantone hätten aber gemerkt, dass das so nicht funktioniere. «Wir werden die Diskussion in den nächsten Tagen mit Interesse verfolgen», so Berset abschliessend.

Finanzhilfe für SBB Cargo ist geregelt

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) und SBB Cargo haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der im Grundsatz die Bedingungen für die finanzielle Hilfe des Bundes festgeschrieben sind. Dies teilte das BAV am Donnerstag mit.

Anrechnen lassen kann sich SBB Cargo demnach Kosten aufgrund des Rückgangs des Transportvolumens, pandemiebedingte Mehrkosten, etwa für Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel sowie Kosten für die Neuplanung des Angebotes. Gemäss heutigem Stand beträgt die covid-bedingte Lücke bis zu 35 Millionen Franken.

erhalten Hilfe vom Bund: Eine SBB Cargo-Lok mit Hybridkupplung in Dietikon. (21. Juni 2019)
erhalten Hilfe vom Bund: Eine SBB Cargo-Lok mit Hybridkupplung in Dietikon. (21. Juni 2019)
Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Nun braucht es noch ein definitives Gesuch von SBB Cargo an das BAV. Dieses wird dann gemäss Mitteilung prüfen und entscheiden, ob es sämtliche ungedeckten Kosten vollumfänglich anerkennt. Darauf basierend wird dann die Höhe der finanziellen Unterstützung festgelegt. Auch die Eidgenössischen Räte müssen die definitiven Mittel für die Unterstützung des öffentlichen Verkehrs in der laufenden Wintersession noch freigeben.

Planungssicherheit für Kunden

Im Gegenzug verzichtet SBB Cargo auf generelle Preiserhöhungen im nächsten Jahr und führt die bestehenden Angebote weiter. Namentlich bleiben die Bedienpunkte im System-Wagenladungsverkehr 2021 unverändert. Ausnahmen beim Angebot darf SBB Cargo nur im Einvernehmen mit den Kunden machen. Das biete der Kundschaft Planungssicherheit in der anspruchsvollen Situation, schreibt das BAV.

Selber anpassen darf SBB Cargo dagegen Kundenlösungen ausserhalb des System-Wagenladungsverkehrs. Diese seien kein reguläres Angebot und nicht systemrelevant, schreibt das BAV.

Betroffene Unternehmen im Schienengüterverkehr könnten noch bis Frühling 2021 allfällige weitere Finanzierungsgesuche einreichen.

Erstmals in der Schweiz Katze mit Coronavirus festgestellt

Erstmals ist in der Schweiz die Infektion einer Katze mit dem Coronavirus festgestellt worden. Gemäss dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gibt es keine Hinweise darauf, dass Katzen und Hunde ein Infektionsrisiko für Menschen darstellen.

Der Fall wurde im Veterinärmedizinischen Labor der Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich festgestellt, wie das BLV am Donnerstag mitteilte.

Weltweit seien Einzelfälle des neuen Coronavirus bei Katzen und Hunden bekannt. Fast alle diese Tiere stammten aus Haushalten mit Personen, die positiv auf Sars-Cov-2 getestet wurden. Dies gelte auch für die positiv getestete Katze in der Schweiz. Sie sei im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht worden.

Infizierte Katzen zeigen keine oder wenn, dann meist milde Krankheitssymptome. (Symbolbild)
Infizierte Katzen zeigen keine oder wenn, dann meist milde Krankheitssymptome. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Das Risiko, dass Heimtiere mit dem neuen Coronavirus angesteckt werden, werde als sehr gering eingeschätzt, schreibt das BLV weiter. Eine Untersuchung von Katzen sei im Normalfall nicht notwendig. Es sei davon auszugehen, dass sich die Tiere durch engen Kontakt mit einer infizierten Person angesteckt haben.

Hygieneregeln einhalten

Deswegen sei es wichtig, dass infizierte Personen die generellen Hygieneregeln auch mit Katzen einhielten. Folgende Hygieneregeln seien wichtig: Kein enger Kontakt zwischen Tier und Mensch, kein Ablecken des Gesichtes, kein Schlafen der Tiere im Bett des Besitzers, Hände regelmässig waschen und Fressnäpfe und Liegeplätze gründlich reinigen.

Aus Tierschutzgründen werde dringend davon abgeraten, die Tiere zu waschen, zu desinfizieren oder ihnen Gesichtsmasken anzuziehen.

Infizierte Katzen zeigen keine oder wenn, dann meist milde Krankheitssymptome. Bei infizierten Hunden wurden meist keine Krankheitssymptome beobachtet.

BAG meldet 4455 Neuinfektionen

Für die letzten 24 Stunden meldet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 4455 Coronavirus-Ansteckungen. Am Donnerstag vergangener Woche waren es 4509 Fälle. Die Positivitätsrate beträgt 15,9 Prozent bei 27'964 neu gemeldeten Tests. Zudem meldete das BAG heute 80 neue Todesfälle und 194 Spitaleinweisungen.

Gestern wurden 4786 Neuansteckungen innerhalb eines Tages registriert. Am Montag hatte das BAG die Zahlen für das ganze Wochenende und den Freitag bekanntgegeben. Insgesamt waren für diese drei Tage 8782 neue Ansteckungen gemeldet worden.

Insgesamt gab es dem BAG zufolge seit Beginn der Pandemie 340'115 laborbestätigte Fälle. Seit Anfang der Pandemie mussten 13'842 Personen wegen einer Covid-19-Erkrankung im Spital behandelt werden.

Aufgrund der Kontakt-Rückverfolgung waren am Donnerstag nach Angaben des BAG 28'827 Personen in Isolation und 33'529 Personen standen unter Quarantäne. Zusätzlich sassen 241 Heimkehrerinnen und Heimkehrer aus Risikoländern in Quarantäne.

Hier geht es zu unserem Corona-Dashboard mit allen Zahlen.

Lesen Sie auch dazu:

Corona-Interview mit Philosoph — «Der Preis der Freiheit sind Tote»

Corona-Regeln für Schneesport — Eskalation im Streit um Skigebiete

Corona und Skiferien — Brief eines Deutschen an die Schweiz (eine Art Drittweltland, neuerdings)

SP wirft Bürgerlichen «Schmierentheater als Skigebiete-Retter» vor

Die SP kritisiert die bürgerlichen Parteien hart. Diese inszenierten sich «in einem Schmierentheater als Retter der Skigebiete», heisst es in einem offenen Brief vom Donnerstag. Die Schweiz brauche tiefere Corona-Fallzahlen und keine Selbstinszenierung.

In einem offenen Brief an die Parteipräsidenten von CVP, FDP und SVP reagierte die SP am Donnerstag sehr erbost auf den Medienauftritt. «Aktuell sind Infektionen und Todesraten in der Schweiz rekordhoch», schreiben die Sozialdemokraten. «Und in dieser Situation inszeniert ihr euch und eure Parteien in einem Schmierentheater als Retter der Skigebiete.»

Die Schweiz sei zum Corona-Hotspot geworden, gerade weil der Profit über die Gesundheit gestellt worden sei. «Mit euren Forderungen rettet ihr nicht die Skisaison, sondern riskiert, zum Totengräber der Skigebiete zu werden.» Und weiter: «Eure Aktivitäten verunsichern die Bevölkerung zutiefst. Angesichts der aktuellen Krise ist euer Verhalten schlicht verantwortungslos.»

13 Prozent weniger Ansteckungen, 5 Prozent weniger Intensivfälle

Die Zahl der Covid-19-Todesfälle stagniert auf dem hohen Niveau. Auf Intensivpflegestationen lagen vergangene Woche fünf Prozent weniger Patienten. Die Zahl der laborbestätigten Fälle sank um rund 13 Prozent. Nur wenig zugenommen hat die Zahl der Tests.

Laut dem neusten Wochenbericht des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gab es in der Woche vom 23. bis 29. November 26'202 laborbestätigte Fälle, das sind 13,2 Prozent weniger als in der Vorwoche. Pro 100'000 Einwohnern entsprach dies noch einer durchschnittlichen Inzidenz von 303 Fällen.

Der Anteil der positiven Tests sank von 20,8 auf 17,6 Prozent. Die Zahl der PCR- und Antigen-Schnelltests legte um 1,2 Prozent auf knapp 160'000 zu.

Die Inzidenz sank jedoch vor allem in jenen Kantonen, die bisher hohe Fallzahlen aufwiesen, wie das BAG in dem am Donnerstag veröffentlichten Bericht schreibt. In den Kantonen mit bisher eher niedrigen Fallzahlen stagnierten die Fallzahlen tendenziell.

In der fraglichen Woche habe sich die Inzidenz pro 100'000 Einwohner in den Kantonen zwischen 158 (Nidwalden) und 427 (Tessin) bewegt. In 11 Kantonen nahm die Inzidenz ab, in 15 blieb sie konstant.

500 Patienten in Intensivpflege

Wegen Covid-19 ins Spital mussten 860 Personen, 273 weniger als in der Woche zuvor. Rund 500 Personen wurden intensivmedizinisch betreut, fünf Prozent weniger als eine Woche zuvor.

Die Zahl der Todesfälle sank zwar von 577 auf 530. Aufgrund einiger noch erwarteter Meldungen werde die Zahl aber vermutlich auf dem Niveau der Vorwoche stagnieren, heisst es im Bericht.

Konstant geblieben sind die Zahlen der Personen in Isolation und in Quarantäne.

Im Wallis öffnen die Restaurants und Freizeitbetriebe wieder

Im Wallis öffnen die Restaurants, Unterhaltungs-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen am 14. Dezember wieder. Wegen der Verbesserung der epidemiologischen Lage kehrt der Kanton zu den Bundesvorschriften zurück. Das beschloss die Regierung am Donnerstag.

Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen sind wieder erlaubt, die Obergrenze für spontane Zusammenkünfte im öffentlichen Raum liegt bei 15 Personen. Privat dürfen sich aber auch weiterhin inklusive der Kinder nur zehn Personen treffen.

Die strengeren Massnahmen im Wallis waren bis zum 13. Dezember befristet, mit dem Entscheid vom Donnerstag verzichtet der Staatsrat auf eine Verlängerung. Gültig waren die Massnahmen seit dem 22. Oktober respektive dem 4. November. Am zweiten Datum verfügte die Kantonsregierung die Schliessung der Restaurants und anderer Betriebe.

sda/reuters/red

8927 Kommentare
    Kurt W

    Täglich rund 100 Tote wegen Covid, was etwa einem Absturz eines vollbesetzten Flugzeuges an jedem 2. Tag entspricht. Doch wen kümmert es? Sicher nicht Kantonsregierungen und schon gar nicht den Bundesrat. Es gilt Güterabwägung. Was für ein Wort, wenn es um sterbende Leute geht! Es geht ja nur um alte Leute.... und die positive Nebenerscheinung: es können die nächsten Jahre bei AHV Renten, Ergänzungsleistungen und Pflegekosten hunderte von Millionen Franken eingespart werden! Frohe Weihnachten! Halleluja!