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Coronavirus in der Schweiz+++ 182 neue Fälle +++ Zug geht gegen mögliche Covid-Kreditbetrüger vor

Die Hilfskredite während des Lockdown haben auch Kriminelle angelockt. Schweizer Corona-News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze

  • In den letzten Wochen ist die Zahl der Corona-Ansteckungen erneut angestiegen.
  • Die Massnahmen werden wieder verschärft.
  • Seit 6. Juli gilt im ÖV Maskenpflicht für Personen ab 12 Jahren.
  • Der Bundesrat hat ein strengeres Einreise-Regime an den Grenzen eingeführt. Auf der Risikoliste befinden sich momentan 46 Länder und Regionen.

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182 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Samstag 182 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden. Am Freitag waren es 161 neue Covid-19-Infizierte, an den beiden Tagen davor je 181.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neusten BAG-Zahlen 36'451 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG im Vergleich zum Vortag sieben neue Hospitalisierungen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung blieb unverändert bei 1712.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1301 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 4071 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammten aus 25 Kantonen und aus Liechtenstein. 13'856 weitere Menschen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 835'724. Bei 5,2 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus.

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen stagniert derzeit mehr oder weniger. Masken in einem Verkaufsregal in einem Schweizer Laden.
Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen stagniert derzeit mehr oder weniger. Masken in einem Verkaufsregal in einem Schweizer Laden.
Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone
22 mögliche Kreditbetrüger unter der Lupe

Das vom Bund lancierte Hilfsprogramm für durch den Coronastillstand in Nöte geratene Unternehmer hat auch Kriminelle angelockt. Im Kanton Zug haben die Strafverfolgungsbehörden nach Angaben vom Freitag 20 Strafverfahren wegen mutmasslichem Betrugs eröffnet. Die Deliktsumme beträgt rund 3,8 Millionen Franken.

Die Ermittlungen richteten sich gegen 22 Personen wegen Delikten wie Betrug, Urkundenfälschung oder Geldwäscherei, hiess es in der Mitteilung. Es handle sich um 19 Männer und 3 Frauen verschiedener Nationalitäten. Ein bandenmässiges Vorgehen sei in diesen Fällen nicht festgestellt worden, sagte ein Behördensprecher auf Anfrage.

Es seien etwa falsche Angaben über die Umsatzhöhe der Unternehmen gemacht worden, um bei den Banken einen Covid-Kredit zu erhalten., teilten die Strafuntersuchungsbehörden mit. Auch seien Gelder für Zwecke verwendet worden, die nicht den gesetzlichen Grundlagen entsprechen, aufgrund derer die Notkredite ausgerichtet worden seien.

Hausdurchsuchungen durchgeführt

Die Strafuntersuchungsbehörden führten insgesamt elf Hausdurchsuchungen durch. Es seien umfangreiche Dokumente und zahlreiche Datenträger sichergestellt worden, teilten die Strafuntersuchungsbehörden mit.

In einigen Fällen sei es gelungen, Bankkonten mit namhaften Geldbeträgen zu sperren. Oftmals seien die gewährten Kredite jedoch umgehend auf ein ausländisches Bankkonto transferiert worden. Zudem seien teilweise Bargeldbezüge in der Höhe von jeweils mehreren Zehntausend Franken getätigt worden.

Auch bei der Kurzarbeitsentschädigung stiessen die Ermittler auf mögliche Betrügereien. In einigen Fällen sei Kurzarbeitsentschädigung für nicht mehr oder gar nie angestellte Mitarbeitende bezogen worden, hiess es in der Mitteilung. Zudem seien teilweise schon über längere Zeit keine Sozialabgaben bezahlt worden.

Die Zuger Polizei führte wegen mutmasslichem Covid-Betruges Hausdurchsuchungen durch.
Die Zuger Polizei führte wegen mutmasslichem Covid-Betruges Hausdurchsuchungen durch.
(Keystone/Symbolbild)
Bund meldet 161 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag 161 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden. An den beiden Vortagen waren es je 181, am Dienstag 130 neue Covid-19-Infizierte gewesen.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neusten BAG-Zahlen 36'269 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG im Vergleich zum Vortag acht neue Hospitalisierungen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg um drei auf neu 1712.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1294 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 4027 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammten aus 25 Kantonen und aus Liechtenstein. 13'992 weitere Menschen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 829'158. Bei 5,2 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus.

Stromverbrauch sank während Lockdown um 12 Prozent

Wegen des partiellen Lockdown ist der Stromverbrauch in der Schweiz im März und April eingebrochen. Die Bevölkerung verbrauchte fünf respektive zwölf Prozent weniger Strom als in der entsprechenden Vorjahresperiode.

Das teilte das Bundesamt für Energie (BFE) am Freitag via Kurznachrichtendienst Twitter mit. Demnach verbrauchte die Bevölkerung im April 2020 gut 4300 Gigawattstunden Strom – fast zwölf Prozent weniger als im gleichen Monat im Vorjahr. Bereits im März 2020 war der Stromverbrauch verglichen mit dem Vorjahr um knapp fünf Prozent zurückgegangen.

Wegen der Corona-Pandemie hatte der Bundesrat am 16. März für die Schweiz die «ausserordentliche Lage» ausgerufen und den Lockdown beschlossen. Restaurants, Läden und Schulen wurden geschlossen, der öffentliche Verkehr wurde eingeschränkt.

Grösserer Stromverbrauch daheim

Das schlug sich auch beim inländischen Stromverbrauch nieder, wie die aktuelle Monatsstatistik des BFE zeigt. «Die Menschen haben zwar zu Hause mehr Strom konsumiert (Haushalt, Homeoffice), das kompensierte den geringeren Verbrauch in den vielen geschlossenen Einrichtungen indes nicht.»

Laut den BFE-Spezialisten war der Rückgang in dieser Grössenordnung erwartet worden. Für den Mai 2020 rechnen sie mit einem ähnlich hohen Rückgang beim Stromverbrauch.

Auch Stromproduktion ging zurück

Weil weniger Strom nachgefragt wurde, haben die Speicherkraftwerke, die ihre Produktion regulieren können, weniger Strom ins Netz eingespiesen, wie es weiter heisst. Sie haben dafür vermehrt Wasser in die Stauseen gepumpt. Die Stauseen waren laut dem BFE Ende April besser gefüllt als noch Ende März.

Die Laufkraftwerke an den Flüssen haben dagegen mehr Strom erzeugt. Höher fiel auch die Produktion bei den erneuerbaren Energien – vor allem Fotovoltaik – aus. Unter dem Strich ging die heimische Stromproduktion im April 2020 verglichen mit dem entsprechenden Vorjahresmonat leicht zurück (-2,4 Prozent).

Corona im Thermalbad

Vergangenen Sonntag hielt sich im Thermalbad Zürich auf dem Hürlimann-Areal eine Person auf, die drei Tage später positiv auf das Coronavirus getestet wurde, schreibt die «NZZ». Die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich habe den Fall bestätigt. Die habe zur Folge, dass 20 Personen für zehn Tage in Quarantäne müssen. Zunächst seien mehr Thermalbad-Besucher kontaktiert und zu einer Quarantäne aufgefordert worden. Doch man habe den Kreis danach auf diese 20 Personen einschränken können. Gemäss «Blick» habe sich bislang keine der Personen angesteckt.

Der CEO der Aqua-Spa-Resorts, zu denen das Thermalbad auf dem Hürlimann-Areal gehört, sagt gegenüber der «NZZ», dass sich gemäss Schutzkonzept maximal 200 Personen gleichzeitig bei ihnen aufhalten dürften. Zudem würden die Kontaktdaten der Gäste per App gesammelt - diese Daten seien dem Zürcher Contact-Tracing-Team dann auch übermittelt worden, als der Fall bekannt wurde.

Covid-Taskforce: Bis zu 400'000 Ansteckungen bisher

Hohe Dunkelziffer: Die Covid-19-Taskforce des Bundes geht in der Schweiz wegen der Coronavirus-Pandemie von bislang 250'000 bis 400'000 Infizierten aus. Studien würden diese Schätzungen unterstützen, sagte Taskforce-Chef Martin Ackermann in einem Interview.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie in der Schweiz laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gut 36'100 laborbestätigte Fälle. Epidemiologen seien davon ausgegangen, dass 80 bis 90 Prozent der Infizierten von Sars-CoV-2 nicht gefunden würden, sagte Ackermann in dem am Donnerstag auf der Webseite von Radio und Fernsehen SRF publizierten Interview.

Martin Ackermann, Leiter National COVID-19 Science Task Force.
Martin Ackermann, Leiter National COVID-19 Science Task Force.
Foto: Keystone

Grund für die Dunkelziffer ist gemäss dem Experten für Mikrobiologie der ETH Zürich, dass Betroffene nur wenige Symptome hätten oder sich aus anderen Gründen nicht testen liessen. Eine wichtige Studie der Universität Genf zeige, dass die Schätzung beim Covid 19-Virus korrekt sei, sagte Ackermann weiter. Gemäss der Taskforce infizierten sich damit bislang drei bis fünf Prozent der Schweizer Bevölkerung.

Es sei unklar, ob diese Menschen nun immun seien gegen das Virus Sars-CoV-2, und wie lange eine Immunität anhalte, sagte Ackermann. Für eine Durchseuchung der Menschen im Land würde es laut der Taskforce lange dauern. «Wir schätzen im Minimum ein Jahr», sagte Ackermann. «Eine solche Situation mit konstant hohen Fallzahlen wäre für die Wirtschaft und Gesellschaft verheerend.»

Norwegen rät von Reisen in die Schweiz ab

Norwegen rät von nicht dringenden Reisen in die Schweiz ab. Das norwegische Aussenministerium hat am Donnerstag für mehrere Länder aufgrund der Coronavirus-Pandemie eine Reisewarnung ausgesprochen – neben der Schweiz auch für Tschechien, Frankreich und Monaco. Das teilte das Amt auf Twitter mit.

Reisende aus diesen Ländern und einigen schwedischen Regionen müssen sich in Norwegen für zehn Tage in Quarantäne begeben. Die neuen Regeln treten am Samstag in Kraft, wie die zuständige Behörde mitteilte.

Schweiz passt Liste für Risikoländer an

Wegen Corona ist derzeit die Einreise aus den meisten Ländern ausserhalb des Schengenraums in die Schweiz grundsätzlich nicht möglich. Länder von ausserhalb des Schengenraums, für welche diese Regel nicht gilt, werden in der Liste für Risikoländer als Ausnahme erwähnt. Diese Liste wird vom Justizdepartement regelmässig aktualisiert.

Corona beschäftigt alle Departemente im Bundeshaus: Justizministerin Karin Keller-Sutter begrüsst am 1. August den Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler.
Corona beschäftigt alle Departemente im Bundeshaus: Justizministerin Karin Keller-Sutter begrüsst am 1. August den Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler.
Foto: Alexandra Wey (Keystone/1. August 2020)

Auf der neuesten Liste, die am 8. August um 0.00 Uhr in Kraft tritt, ist Algerien nicht mehr als Ausnahme erwähnt. Aus Algerien kann deshalb ab dann nicht mehr in die Schweiz eingereist werden. Ausgenommen von dieser Regel sind unter anderem Schweizer, Personen mit Schweizer Aufenthaltstitel sowie Bürger von Ländern, die mit der Schweiz ein Freizügigkeitsabkommen haben.

Die Liste für Risikoländer des Justizdepartement ist nicht zu verwechseln mit der Quarantäneliste des Bundesamtes für Gesundheit. Letztere legt fest, aus welchen Staaten Einreisende in die Schweiz 10 Tage in Quarantäne müssen. Diese Quarantäne gilt auch für Schweizer und andere Personen mit Wohnsitz in der Schweiz.

Stabile App-Nutzer-Zahlen

Die Gesamtzahl aller aktiven Swisscovid-Apps lag bei unverändert 1,21 Millionen. Seit dem 30. Juli pendelt die Nutzerzahl zwischen 1,19 und 1,22 Millionen. Heruntergeladen wurde die App bisher 2,15 Millionen Mal (Stand: 2. August).

Am Dienstag gaben 28 Nutzer den Covidcode ein. Innerhalb der letzten sieben gemessenen Tage gaben insgesamt 127 Nutzer den Code ein. Die Covid-App warnt Benutzer, falls diese engen Kontakt mit einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten. Sie ergänzt das Contact-Tracing der Kantone, das die Infektionsketten zurückverfolgt. (Lesen Sie dazu unseren Artikel «Rettet uns die Corona-App vor der Seuche? Eine erste Bilanz»).

Die Nutzerzahlen der Swisscovid-App pendeln seit Tagen um den Wert von 1,2 Millionen.
Die Nutzerzahlen der Swisscovid-App pendeln seit Tagen um den Wert von 1,2 Millionen.
(Keystone/Archiv)
Bund meldet 181 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag 181 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden, gleich viele wie am Vortag. Am Dienstag waren es 130 neue Covid-19-Infizierte gewesen.

In der vergangenen Woche waren dem BAG jeweils am Donnerstag und Freitag über 200 neue Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Sonntag und Montag lag die Zahl der Neuansteckungen bei 138 respektive 66.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neusten BAG-Zahlen 36'108 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG im Vergleich zum Vortag fünf neue Hospitalisationen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stieg um 3 auf neu 1709.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1390 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 4114 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammen aus 24 Kantonen und aus Liechtenstein. 16'264 weitere Menschen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 822'764. Bei 5,2 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus.

Berghilfe zahlt fast 2 Millionen Franken Unterstützung

Die Schweizer Berghilfe hat seit Beginn der Krise bereits 79 von der Corona-Krise betroffene Betriebe mit knapp 1,8 Millionen Franken unterstützt. In der laufenden Woche werden 800'000 Franken an 38 Kleinunternehmen ausbezahlt.

Eine erste Tranche hatte die Berghilfe Anfang Juli an 41 Betriebe bezahlt, wie sie am Donnerstag mitteilte. Mit den Beiträgen schützt die Berghilfe ihre eigenen Investitionen.

Allen unterstützten Betrieben ist gemeinsam, dass sie vor der Corona-Krise mit Mitteln der Berghilfe Investitionen tätigten und ihre Reserven aufbrauchten. Die Covid-19-Pandemie und ihre Folgen erwischten sie auf dem falschen Fuss und viele Arbeitsplätze drohten verloren zu gehen.

Koch: «1000er-Grenze muss nicht starr sein»

Daniel Koch, der ehemalige Mister Corona des Bundes, ist der Ansicht, dass wieder mehr Zuschauer Sportveranstaltungen besuchen können. «Die 1000-Zuschauer-Grenze muss nicht starr sein», sagte Koch gegenüber CH Media. «Man sollte sich überlegen, bei welchen Veranstaltungen es möglich ist, mehr Zuschauer zuzulassen. Immer unter der Voraussetzung, dass man die Risiken abschätzen kann, die Hygiene- und Distanzregeln eingehalten werden können und dass es vor allen Dingen entsprechende Schutzkonzepte gibt.» Ein solches hat Koch zuletzt für den SC Bern ausgearbeitet. Details dazu verrät er nicht. (Lesen Sie auch unseren Artikel «Pauschal Clubs und Bars wieder zu schliessen, fände ich falsch».)

Das Wichtigste sei generell die Rückverfolgungsbarkeit im Infektionsfall. Bei Sportveranstaltungen sei diese gewährleistet, sofern es personalisierte Tickets gebe und fest zugewiesene Sitzplätze mit Abstand. In diesem Fall sei es möglich, die Personen in der direkten Umgebung in Quarantäne zu schicken.

Beratet in Virusfragen den SC Bern: Ex-BAG-Mann Daniel Koch.
Beratet in Virusfragen den SC Bern: Ex-BAG-Mann Daniel Koch.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone/Archiv)

Der pensionierte Krisenmanager spricht auch die Wirkung des Profisport den Breitensport und damit auf die Volksgesundheit an. «Wenn die Profis gar nicht mehr Fussball oder Eishockey spielen, sehen sich vielleicht weniger Leute dazu animiert, Sport zu treiben und sich zu bewegen», befürchtet der Berner. Er sei sicher, dass der Bundesrat die Problematik der Sportveranstaltungen vertieft anschauen werde.

Bund stuft das spanische Festland als Risikoregion ein

Das spanische Festland befindet sich ab Samstag auf der vom Bund erstellten Liste der Corona-Risikogebiete. Personen, die von dort in die Schweiz einreisen, müssen zehn Tage in Quarantäne. Ausgenommen sind die Balearen und die Kanaren.

Das teilte das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) am Mittwoch mit (die gesamte Pressekonferenz können Sie in unserem Nachrichten-Ticker nachlesen). Auf der Risikoliste befinden sich neu 46 Länder und Regionen.

Neben bekannten Reisedestinationen wie Spanien, die USA, Mexiko, die Dominikanische Republik und Südafrika figurieren auch mehrere osteuropäische Staaten wie Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina darauf (zur Länder-Liste mit dem Quarantäne-Check).

Wer aus Barcelona oder anderen Orten des spanischen Festlandes in die Schweiz einreist, muss ab Samstag in Quarantäne.
Wer aus Barcelona oder anderen Orten des spanischen Festlandes in die Schweiz einreist, muss ab Samstag in Quarantäne.
(Keystone/Archiv)

Weiter als Risikoländer eingestuft werden Äquatorialguinea, Argentinien, Armenien, Bahamas, Bahrain, das besetzte Palästinensische Gebiet, Bolivien, Brasilien, Kap Verde, Chile, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Irak, Israel, Kasachstan, Katar, Kirgisistan, Kolumbien, Kuwait, Luxemburg, Malediven, Moldau, Oman, Panama, Peru, Sao Tomé und Principe, Saudi-Arabien, Singapur, Sint Maarten, Suriname, Swasiland und die Turks-und Caicos-Inseln.

Die Quarantäne für aus einem Staat oder Gebiet mit erhöhtem Infektionsrisiko eingereiste Personen gilt seit Anfang Juli. Die Eingereisten müssen sich innert zweier Tage bei den kantonalen Behörden melden. Diese kontrollieren die Einhaltung der Quarantäne laut eigenen Angaben mit Stichproben. 16'269 Zurückgekehrte sind aktuell in Quarantäne.

Schwangere gehören neu zu den Risikopersonen

Schwangere sind neu auf der Liste der durch das Coronavirus besonders gefährdeten Risikopersonen. Bei ihnen ist das Risiko, das eine Covid-19-Erkrankung schwer verläuft, etwas höher als bei gleichaltrigen Frauen (Firmen haben bereits reagiert).

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) habe sich aufgrund der Stellungnahme der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe für diese Vorsichtsmassnahme entschieden, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG, am Mittwoch in Bern vor den Medien.

Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG, fügte an, dass das Risiko durch Covid-19 für Schwangere gegenüber Gleichaltrigen gemäss Studien das Anderthalbfache bis zum Fünffachen betrage. Ein Risiko bestehe auch für das ungeborene Kind, etwa wenn eine Geburt wegen Covid-19 vorzeitig ausgelöst werden müsse.

Schwangere Frauen seien gehalten, sich genau an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten, sagte Masserey. Gehe es um den Schutz der Frauen am Arbeitsplatz, seien die Arbeitgeber in der Pflicht, sowie bei anderen Risikopersonen, etwa Menschen mit Vorerkrankungen.

Kanton Zürich geht in die Offensive

Eigene Wege bei der Durchsetzung der vorgeschriebenen Quarantäne bei Rückkehrern aus Risikogebieten geht der Kanton Zürich. Er erhält am Flughafen Zürich von den Fluggesellschaften die Kontaktdaten aller Passagiere, die aus Risikoländern einreisen. Diese Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften ist ein «eigentlicher Durchbruch», wie Regierungsrat Mario Fehr (SP) am Mittwoch sagte.

Beim Bund ist man weniger begeistert. Es gebe beim BAG Fragen in Bezug auf die Legalität, die noch geklärt werden müssten, sagte Mathys dazu. Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK) hatte vor wenigen Tagen eine Empfehlung herausgegeben, dass die Kantone Massnahmen treffen sollten, wenn sich die Lage regional verschärfe.

Die neue Liste der Corona-Risikoländer

Ab kommendem Samstag gilt für 46 Länder bei der Einreise in die Schweiz eine Quarantänepflicht. Bisher waren es 42 Gebiete. Detaillierte Informationen zu den Risikoländern und -gebieten finden Sie in unserer interaktiven Übersicht.

Staaten und Gebiete mit erhöhtem Infektionsrisiko

  • Äquatorialguinea (gilt ab dem 8. August)

  • Argentinien

  • Armenien

  • Bahamas (gilt ab dem 8. August)

  • Bahrain

  • Besetztes Palästinensisches Gebiet

  • Bolivien

  • Bosnien und Herzegowina

  • Brasilien

  • Cabo Verde

  • Chile

  • Costa Rica

  • Dominikanische Republik

  • Ecuador

  • El Salvador

  • Eswatini (Swasiland)

  • Guatemala

  • Honduras

  • Irak

  • Israel

  • Kasachstan

  • Katar

  • Kirgisistan

  • Kolumbien

  • Kosovo

  • Kuwait

  • Luxemburg

  • Malediven

  • Mexiko

  • Moldova

  • Montenegro

  • Nordmazedonien

  • Oman

  • Panama

  • Peru

  • Rumänien (gilt ab dem 8. August)

  • Sao Tome und Principe (gilt ab dem 8. August)

  • Saudi-Arabien

  • Serbien

  • Singapur (gilt ab dem 8. August)

  • Sint Maarten (gilt ab dem 8. August)

  • Spanien (Balearen und Kanaren ausgenommen) (gilt ab dem 8. August)

  • Südafrika

  • Suriname

  • Turks- und Caicos-Inseln

  • Vereinigte Staaten von Amerika (inklusive Puerto Rico und US Virgin Islands)

Nicht mehr auf der Liste (ab 8. August)

  • Aserbaidschan

  • Russland

  • Vereinigten Arabischen Emirate

25 Prozent der Bevölkerung haben App heruntergeladen

Handynutzerinnen und -nutzer in der Schweiz haben die Corona-Warn-App bisher 2,15 Millionen Mal heruntergeladen. Das sind rund 25 Prozent der Bevölkerung. Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) genügt dieser Anteil nicht, wie Sang-Il Kim, Leiter Abteilung Digitale Transformation im BAG, am Mittwoch in Bern vor den Medien sagte. «Wir wollen mehr Leute dabei haben.»

Bisher gaben 327 Personen den Code via App ein, die möglicherweise angesteckte Kontaktpersonen warnt. Das seien 10 Prozent aller positiv Getesteten, sagte Kim.

Gearbeitet wird noch am internationalen Datenaustausch mit den Apps der Nachbarländer und auch der EU-Staaten. Während man technisch gut unterwegs sei, blieben auf der politischen Ebene noch Aufgaben zu lösen, sagte Kim.

BAG meldet 181 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 181 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden, wie es am Mittwoch hiess. Das sind deutlich mehr als am Vortag.

Am Dienstag waren dem BAG 130 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus innert eines Tages gemeldet worden. Das waren fast doppelt so viele als am Vortag, aber ein paar weniger als am Mittwoch vor einer Woche. Damals waren dem BAG 193 neue Ansteckungen gemeldet worden.

In der vergangenen Woche waren dem BAG jeweils am Donnerstag und Freitag über 200 neue Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Sonntag und Montag lag die Zahl der Neuansteckungen bei 138 respektive 66.

Insgesamt gab es seit Beginn der Pandemie bisher laut den neusten BAG-Zahlen 35'927 laborbestätigte Fälle. Gleichzeitig meldete das BAG im Vergleich zum Vortag eine neue Hospitalisation. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung blieb bei 1706.

In Isolation aufgrund der Kontaktrückverfolgung befanden sich 1370 infizierte Personen, wie das BAG weiter mitteilte. In Quarantäne waren 4083 Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren. Die Zahlen stammen aus 24 Kantonen und aus Liechtenstein. 16'269 weitere Menschen waren nach der Rückkehr aus einem Risikoland in Quarantäne.

Die Zahl der durchgeführten Tests auf Sars-CoV-2, den Erreger von Covid-19, beläuft sich bisher auf insgesamt 815'937. Bei 5,3 Prozent dieser Tests fiel das Resultat positiv aus.

Studie des Freiburger Spitals stimmt nachdenklich

Viele Corona-Spitalpatienten haben auch nach der Rückkehr nach Hause Symptome wie Müdigkeit und Atembeschwerden. Das zeigt eine am Mittwoch publizierte Studie das Freiburger Spitals (HFR).

Nach eigenen Angaben ist das HFR neben dem Kantonsspital Aarau eines von nur zwei Schweizer Spitälern, das eine datenbasierte Studie zur Betreuung und Entwicklung von Corona-Patienten veröffentlicht hat. Erfasst wurden Patienten, die zwischen 1. März und 12. April 2020 mit einer Corona-Infektion hospitalisiert wurden.

Ein typischer Coronavirus-Patient ist demnach männlich, etwa 70 Jahre alt und weist Vorerkrankungen auf – insbesondere Diabetes, Bluthochdruck oder Adipositas. «Das bedeutet jedoch nicht, dass sich eine junge Person nicht anstecken und eine schwere Infektion erleiden kann», betont Gaël Grandmaison, stellvertretender Oberarzt der Inneren Medizin, im Communiqué.

Mehr als 60 Prozent der hospitalisierten Patienten sind 30 Tage nach Beginn der Symptome wieder zu Hause. Zwei Drittel von ihnen weisen aber auch nach diesen 30 Tagen Symptome auf, besonders Müdigkeit und Atembeschwerden. «Diese Daten zeigen, dass eine langfristige Nachkontrolle der Patienten organisiert werden muss», erklärte Grandmaison.

Das Kantonsspital Aarau hatte seine Studie bereits am 21. Juli publiziert. Die Autoren kamen unter anderem zum Schluss, dass ein sehr hohes Alter oder bestimmte Vorerkrankungen nicht zwingend zu schweren Verläufen führen. Umgekehrt können auch Personen unter 60 Jahren ohne schwere Grunderkrankungen schwer betroffen sein.

Der Eingang in den Notfall des Spitals in Freiburg.
Der Eingang in den Notfall des Spitals in Freiburg.
(Keystone/Archiv)
Waadt und Wallis nicht mehr auf belgischer Risikoliste

Die Kantone Waadt und Wallis stehen ab Mittwoch nicht mehr auf der Coronavirus-Risikoliste Belgiens, Genf allerdings schon. Aussendepartements-Chef Ignazio Cassis teilte dies am Dienstagabend per Twitter mit. Er hatte gegen den belgischen Entscheid interveniert.

Bundesrat Cassis zeigte sich hocherfreut und wünschte in seinem Tweet vom Dienstagabend allen belgischen Touristen in der Schweiz schöne Ferien.

Die belgische Regierung in Brüssel hatte die Kantone Genf, Waadt und Wallis mit Wirkung ab dem 1. August auf die rote Liste gesetzt. Zwei Tage später, am Montag, hiess es aus dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Bern, man berate sich mit Brüssel.

Das EDA sei bereits vor dem Inkrafttreten dieser Rote-Liste-Massnahme mit dem belgischen Aussenminister in Kontakt getreten, auch um detaillierte Informationen darüber zu erhalten, welche epidemiologische Kriterien angewendet würden, hiess es am Sonntag. Das EDA bleibe auch in Kontakt mit anderen europäischen Behörden, um schnell über allfällige Massnahmen, die die Schweiz beträfen, informiert zu sein.

Bis Mitte Juli hatte Belgien bereits die Quarantäne und den Test für Reisende aus dem Tessin vorgeschrieben. Der Kanton fand sich jedoch nur auf der orangen, nicht auf der roten. Damals hiess es, auf der orangen Liste würden alle Regionen aufgeführt, die mehr als doppelt so viele Ansteckungen wie Belgien aufweisen – und zwar pro 100'000 Einwohner. Nach Kritik von Tessiner Regierung und Kantonsarzt hatte das EDA in Belgien interveniert. Die belgischen Behörden strichen das Tessin daraufhin von der Liste.

sda/reuters/red