Winterthur

Heizungsstreit: Die Stadt gönnt den Lehrern ein Grad mehr

20 Grad im Zimmer – das war vielen Lehrern zu kalt. Nach Reklamationen reagierte die Stadt: Neu sind 21 Grad ­erlaubt, ausnahmsweise auch 23. Die Grünen sind dagegen.

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Die Heiztemperatur ist im Winter ein beliebtes Diskussions­thema: Ist es zu warm im Büro? Ist es zu kühl im Schlaf­zimmer? Für sehr lebhafte Debatten sorgte die Heizung zuletzt bei den Lehrern in den Winterthurer Schulhäusern und Kindergärten. Mehrere Schul­­leiter beschwerten sich bei der Stadt, wie man im Schul­departement bestätigt. Aus welchen Schulhäusern die Reklamationen kamen, gibt man nicht an.

Die bisher geltende Regelung lässt sich mit einer Zahl zusammenfassen: 20 Grad. Diesen Wert hatte der Stadtrat als Solltemperatur aus­gegeben. Vielen Lehrern, und womöglich auch Schülern, war dies zu wenig – sie wollten nicht mit Pullover oder Jacke im Schulzimmer sitzen. Gerüchte, wonach Lehrer mobile Heizkörper ins Lehrerzimmer brachten, um es wärmer zu haben, bestätigt man bei der Stadt nicht.

Die Aktion der Schulleiter hatte Erfolg: Die Stadt toleriert ab diesem Winter 21 Grad, also ein Grad mehr. Schulvorsteher Stefan Fritschi (FDP) sagt auf Nachfrage, er habe sich im Frühling mit dem Leiter der Energiefachstelle getroffen, um «eine pragmatische Umsetzung der Vor­gaben» zu vereinbaren. Der Fachstellenleiter selbst, Heinz Wiher, betont, die Regeln hätten nicht geändert, sie würden nur «mit Augenmass umgesetzt». Laut Urs Borer, Bereichsleiter Zentrale Dienste im Schuldepartement, gilt neu auch eine Toleranzregelung. In alten Schulhäusern mit Zugluft dürfe die Temperatur auf bis zu 23 Grad ein­gestellt werden. Die neue Handhabung sei der Schulleiterkonferenz mitgeteilt und gut aufgenommen worden.

«Geringer Mehrverbrauch» oder Klimasünde?

Die Ökobilanz der Neuregelung ist unbekannt. Die Zusammenstellung zum Energieverbrauch der Schulhäuser werde erst nächsten November vorliegen, sagt Borer, und auch dann seien Vorjahresvergleiche schwie­rig, weil die Heizleistung immer auch von den Aussentemperaturen abhängt. Borer geht von einem «sehr geringen» Mehrverbrauch aus, «im Bereich der Messungenauigkeit». Dem widerspricht Grünen-Präsident Reto Diener: Ein Grad wärmer bedeute fast sechs Prozent mehr Energie­verbrauch. Angesichts der Klimaziele sei die Erhöhung «sehr unerfreulich». «Es sollte doch möglich sein», findet Diener, «dass man sich mit einem warmen Pullover ausrüstet für die Zeit, in der man ruhig am Platz sitzt.»

Früher wollte die Stadt ­überall ein Limit von 20 Grad

Interessant: Erst mit der neuen Richttemperatur werden laut Immobilienbereichsleiter Erich Dürig die Normen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) eingehalten, die bei leichter körperlicher Arbeit im Sitzen eine Mindesttemperatur von 21 Grad vorsehen. In der Vergangenheit wollte die Stadt in der ganzen Verwaltung 20 Grad durchsetzen. Von 2010 bis 2012 überprüfte eine externe Firma mit grossem Aufwand die Einhaltung der strengen Richtlinien, die jedoch oft unterlaufen wurden. Theorie und Praxis seien halt nicht dasselbe, formuliert es Dürig diplomatisch, der selber sagt, dass 20 Grad «schon sehr frisch» seien.

Im Superblock ist heute ein Unterlaufen der Richtwerte nicht mehr möglich, denn die Beheizung aller Büros wird zentral geregelt. Obwohl die neue Solltemperatur 21 Grad beträgt, wurden im letzten Winter teilweise nur 20 bis 20,5 Grad erreicht, wie Dürig sagt, der dies mit «Kinderkrankheiten» der neuen Gebäudetechnik erklärt. So mussten vor Jahresfrist mobile Elektroöfen in den Grossraumbüros platziert werden, um die Temperatur zu erhöhen; acht solche Öfen wurden für die Einsatzzeit gemietet. Heuer sei dies nicht mehr nötig.

Die Präsidentin des kan­to­nalen Schulleiterverbandes (VSLZH), Sarah Knüsel, verweist auf ein weiteres Problem in den Schulhäusern: In den Ferien werde oft nicht geheizt, was zu Tieftemperaturen in den Lehrer­zimmern führen könne. Energiefachstellenleiter Wiher ver­sichert, in Winterthur dürften die Lehrerzimmer durchgängig beheizt werden. An den letzten beiden Wochentagen vor dem Schulbeginn würden auch die Klassenzimmer wieder beheizt, damit die Lehrer diese einrichten können.

Erstellt: 13.12.2016, 20:46 Uhr

Schulen in der Region

Bis zu 24 Grad: An anderen Orten entscheidet der Abwart, nicht die Behörden

Anders als ihre Winterthurer Kollegen dürfen viele Schulhaus­abwarte in der Region nach eigenem Ermessen einheizen, wie Anfragen in Andelfingen, Seuzach, Elsau und Rickenbach zeigen. «Eine angenehme Temperatur ist uns wichtig, deshalb haben wir weder Minimal- noch Maximalwerte», sagt etwa der Rickenbacher Sekundarschul­leiter René Aebi. Grenzwerte einzuhalten, wäre mancherorts ohnehing schwierig, wie in Elsau, wo die alte Heizung keine prä­zise Einstellung erlaubt.

Kaum frieren müssen Lehrerschaft und Schulkinder der Sek Seuzach. Hauswart Marcel Eichenberger richtet die Heizung auf maximal 22 bis 24 Grad ein. Die Lehrer regulieren die effektive Raumtemperatur in den Zimmern dann selber: «Meistens liegt die Temperatur etwa bei 20 bis 22 Grad.» Schliesslich hänge der Heiz­bedarf stark von der Klassengrösse ab. Denn das gleiche Schulzimmer, das sich mit vielen Kindern rasch aufwärmt, wird oft nur von Kleingruppen oder dem Lehrer alleine genutzt.

Auch in Rikon bei Zell, welches das Energiestadt-Label trägt, ist dem Schulhausabwart Michael Meister keine Heiznorm bekannt. Im Neubau der dortigen Primarschule ist die Raumtemperatur aber fix eingestellt: auf 20 Grad. (jig)

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