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ZUgespitzt«Homo Corona»: Versuch einer Typologie

In der Kolumne «ZUgespitzt» greifen Redaktoren Themen aus dem Unterländer Alltag auf.

Daniela Schenker
Daniela Schenker
Johanna Bossart

Unser Alltag ist überschaubar geworden, mit wenig realen Kontakten zu Freunden und Bekannten. Doch immerhin zeigen sich diese in Zeiten der Corona-Krise von einer ganz neuen, oft unbekannten Seite, und das macht das eingeschränkte Leben dann wieder etwas bunter. Neben der grössten Spezies, den Duldsamen, lässt sich mein Freundeskreis Corona-bedingt seit ein paar Wochen in vier Gattungen unterteilen.

Die Paranoiden: Dieser Gattung begegnet man nur noch auf abgelegensten Waldstrassen. Dort wandern sie mit gesenktem Blick, Mundschutz und Ski- oder Sonnenbrille. Dabei nutzen sie die ausgetrocknete Rinne des Bächleins als rettenden Schützengraben, in den sie sich werfen, sobald jemand den Mindestabstand von 13 Metern unterschreitet. Solche Menschen, so erzählt man, reiben die Briefpost vor dem Öffnen mit Desinfektionsmittel ein und lassen die Tageszeitung erst einmal vier Tage auf der Treppe liegen, bevor sie darin lesen. Das Gute an diesem Corona-Typus: Man kommt ihm selbstredend nie zu nahe.

Die Negierer: Sie trifft man entgegen allen Empfehlungen bei einer Fondue-Runde mit Freunden – wenn sie denn noch welche haben. Sie sind ganz früh auf den Plan getreten, mit der Theorie, dieses Corönchen sei doch nichts mehr als ein kleines, harmloses «Grippchen». Mittlerweile wettern sie abwechselnd gegen den versammelten Bundesrat oder die Virologen, um deren Ratschläge sie – die Unverletzlichen – sich natürlich foutieren. Im Einklang mit dem Bundesamt für Gesundheit empfiehlt sich hier: Abstand halten, besser vier als zwei Meter.

Die Humoristen: Sie suchen einen virtuell heim – und das viral. Klassische Vertreter dieses Typus haben Kurz- oder gar keine Arbeit und deshalb viel Zeit. Das, was sie für lustige Bilder, Videos, Sprüche und Verse halten, führt dazu, dass das eigene Mobiltelefon im Minutentakt surrt und man kurz darauf den Toilettenpapier-Gag löschen muss, den man bereits zum fünften Mal erhält. Augen zu, durch und löschen.

Die Verschwörungstheoretiker: die anstrengendste Sorte, da ausgesprochen belehrungsresistent. Darunter sind auch Menschen, die man bis vor kurzem für einigermassen intelligent gehalten hat. Nun texten sie einen mit kruden Geschichten zu, von denen die Bill-Gates-Corona-Fledermaussuppen-Theorie noch die harmloseste ist. Hier gilt, in Ergänzung zu den Empfehlungen des BAG: Abstand halten, physisch und emotional. Und das am besten auch dann noch, wenn das Virus irgendwann mal kein Thema mehr sein sollte.