Bundesgericht

Bundesgericht spricht Adliswiler vom Vorwurf der Vergewaltigung frei

Schon zum zweiten Mal musste das Bundesgericht über eine angebliche Vergewaltigung einer Minderjährigen befinden. Das Zürcher Obergericht hatte den Mann aus dem Bezirk Horgen freigesprochen. Die Beschwerde seiner Nichte hat das Bundegsericht jetzt abgelehnt.

Die Aussagen des angeblichen Opfers sind für das Bundesgericht insgesamt zu wenig glaubhaft gewesen.

Die Aussagen des angeblichen Opfers sind für das Bundesgericht insgesamt zu wenig glaubhaft gewesen. Bild: Keystone

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Seit sieben Jahren beschäftigt eine unappetitliche Geschichte die Schweizer Gerichte. Eine junge Frau wirft ihrem Onkel vor, sie zwischen 2008 und 2010 mehrfach missbraucht zu haben. Dabei soll es unter anderem zu einer Vergewaltigung gekommen sein. Der Adliswiler wies die Vorwürfe stets zurück. Das Bezirksgericht Horgen und das Zürcher Obergericht sprachen den Mann 2011 und 2015 frei. Die Aussagen der Nichte waren nicht über alle Zweifel erhaben, so der Schluss. Die Oberrichter hatten gar auf Anregung der jungen Frau ein aussagepsychologisches Gutachten über die angebliche Geschädigte anfertigen lassen.

Das Bundesgericht wies den Fall aber ans Obergericht zurück. Die Lausanner Richter sahen den Anspruch der jungen Frau auf rechtliches Gehör verletzt. 2017 sprach das Obergericht den Mann erneut frei. Und wieder zog das angebliche Opfer das Urteil an die höchste Instanz. In einem am Donnerstag publizierten Urteil weist das Bundesgericht die Beschwerde ab.

Angebliche Kehrtwende

Die Beschwerdeführerin bezieht sich auf das aussagepsychologische Gutachten, dem sie sich unterziehen musste. Das Obergericht habe eine Kehrtwende vollzogen. Zuerst habe es das Gutachten angeordnet, weil die Richter nicht über die nötigen Fachkenntnisse verfügten, um die Widersprüche in den Aussagen beurteilen zu können. Im zweiten Urteil habe das Obergericht dann unabhängig vom Gutachten entschieden. Nach Meinung der Beschwerdeführerin hätte es darum ein ergänzendes Gutachten gebraucht. Das Obergericht hatte verlauten lassen, dass das Gutachten keine Klarheit gebracht hatte. Es habe «triftige Gründe» gegeben, um davon abzuweichen. Das Gericht sei in der Würdigung eines Gutachtens grundsätzlich frei, schreibt das Bundesgericht.

Der psychiatrische Gutachter hatte unter anderem die kulturellen Gegebenheiten der tamilischen Familie miteinbezogen. Das Gutachten deutet eher darauf hin, dass das angebliche Opfer die Wahrheit gesagt hat. Der Gutachter kam zum Schluss, dass es keine Anzeichen gegeben habe, warum die junge Frau ihren Onkel grundlos belasten sollte. Die Konstanz, mit der sie die wesentlichen Elemente der Ereignisse beschrieben habe, spreche eher dafür, dass der Missbrauch stattgefunden habe.

Immerhin kostenlos

Die junge Frau habe eine konservative und beschützende Erziehung ohne Aufklärung genossen und auch die Aufklärung in der Schule nur lückenhaft verstanden. Darum sei es unwahrscheinlich, dass sie das nötige Wissen gehabt habe, um eine solche Geschichte zu erfinden, schliesst der Psychiater. Er sagt, die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert ist sei grösser als andere Hypothesen. Eine erfundene Geschichte ist aber nicht ausgeschlossen. Das Gutachten sei ein Hilfsmittel für das Gericht. Die Richter würdigen die Beweise, nicht der Gutachter heisst es im Urteil.

Falsch habe sich das Obergericht auch bei der Würdigung der Aussagen nicht verhalten.Die Beschreibungen des angeblichen Opfers seien sehr pauschal. Erfolgreich bleibt die Beschwerdeführerin einzig mit ihrem Gesuch, von den Kosten befreit zu werden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.11.2018, 16:43 Uhr

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