Zürichsee

Reinigungsfirma sorgt bei der ZSG für einen Putzmittelskandal

Das neue Reinigungsunternehmen der ZSG-Flotte hat ein Problem: Die Firma hat mit verbotenen Putzmitteln die Schiffe geschrubbt. Die Behörden wollen bei der ZSG nun genauer hinschauen.

Bei der ZSG ist Putzen angesagt: Bei regnerischem Wetter ist am Freitag ein Stampfli-Mitarbeiter mit Hochdruck daran, das Motorschiff Albis zu reinigen. Foto:

Bei der ZSG ist Putzen angesagt: Bei regnerischem Wetter ist am Freitag ein Stampfli-Mitarbeiter mit Hochdruck daran, das Motorschiff Albis zu reinigen. Foto: Bild: Conradin Knabenhans

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Putzen ist eigentlich eine saubere Sache. Bei der Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) hat es das zuständige Reinigungsunternehmen allerdings etwas übertrieben. Die Solothurner Firma Stampfli hat bei der derzeit laufenden Generalreinigung der ZSG-Flotte Putzmittel eingesetzt, die gegen die geltenden Gewässerschutzbestimmungen verstossen. Die ZSG bestätigt entsprechende Recherchen der Zürichsee-Zeitung auf Anfrage.

«Die ZSG hat unmittelbar nach Kenntnisnahme des Sachverhalts den Einsatz des Reinigungsmittels verboten und die Verantwortlichen der Firma Stampfli zum Gespräch geladen», erklärt Sprecherin Wiebke Sander. Das Reinigen von Passagierschiffen ist besonders sensibel, weil sie nicht für jeden Reinigungsgang aus dem Wasser gehievt werden können und das Reinigungswasser ungefiltert in den See gelangt. Aufgrund der Russablagerungen kann aber trotz der Reinigung im Wasser nicht gänzlich auf Putzmittel verzichtet werden. Welche verbotenen Stoffe im Reinigungsmittel enthalten waren, konnte die ZSG ebenso wenig beantworten, wie die Frage, weshalb die Reinigungsfirma überhaupt ein solches Mittel eingesetzt hat.

«Nun, da wir Kenntnis vom Vorfall haben, werden wir der Sache auf den Grund gehen.»AWEL-Mediensprecher Wolfang Bollack 

Das Zürcher Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) erfährt erst von der Zürichsee-Zeitung vom Vorfall bei der ZSG. Mediensprecher Wolfang Bollack sagt: «Nun, da wir Kenntnis vom Vorfall haben, werden wir uns mit der ZSG in Verbindung setzen und der Sache auf den Grund gehen.» Man wolle mit der ZSG die Rahmenbedingungen abstecken und auf eine Lösung des Problems hinwirken. «Rechtlich gesehen haben wir auch die Möglichkeit, eine Verfügung zu erlassen», sagt Bollack.

Mangelhaft geschützt

Die Verwendung der unerlaubten Putzmittel ist nicht der einzige Vorwurf, mit dem sich das beauftragte Reinigungsunternehmen Stampfli mit schweizweit 2000 Mitarbeitern auseinandersetzen muss.

Insider berichten, das Personal der Putzfirma sei bei der Tätigkeit im Wollishofer Werfthafen ungenügend für die Arbeit mit den Putzmitteln geschützt. Die ZSG bestätigt auch diesen Sachverhalt, will sich aber nicht detailliert zu konkreten Verfehlungen äussern. ZSG-Sprecherin Wiebke Sander sagt: «Die Stampfli AG ist vertraglich verpflichtet, für die Sicherheit ihrer Arbeitnehmer zu sorgen.» Die Schifffahrtsgesellschaft habe auch dieses Thema beim Gespräch mit den Verantwortlichen angesprochen.

Die Firma Stampfli konnte sich am Freitag zu den Vorwürfen nicht äussern. «Intern sind Abklärungen im Gange und der Vorfall wird geprüft», teilt Stampfli-Mediensprecherin Cornelia Büttler mit. Sobald Resultate vorliegen würden, informiere man und werde «situationsgerechte Schritte einleiten.»

«Die Stampfli AG ist vertraglich verpflichtet, für die Sicherheit ihrer Arbeitnehmer zu sorgen.»ZSG-Mediensprecherin Wiebke Sander

Die Firma Stampfli ist seit dem 1. Januar für die Reinigung der ZSG-Flotte, der Werft in Wollishofen und der Verkaufsstelle am Zürcher Bürkliplatz verantwortlich. Erstmals hatte die ZSG den Auftrag dafür öffentlich ausgeschrieben: «Das Reinigungsaufkommen auf den Schiffen hat mit den Jahren zugenommen und ein Volumen erreicht, welches eine öffentliche Ausschreibung erforderlich machte», sagt Sander. Früher seien die Schiffe von ZSG-Mitarbeitern selbst gereinigt worden, die dann beauftragte PUA AG habe die Reinigungsarbeiten später sukzessive ausgeweitet ­­- bis eben eine öffentliche Ausschreibung notwendig wurde und die PUA AG nach vielen Jahren den Auftrag bei der ZSG verlor.

Finanziell unter Druck

Seit der Abschaffung des Schifffünflibers ist die ZSG finanziell unter Druck, weil sie den Kostendeckungsgrad erhöhen muss. Unternehmensweit wurden deshalb Sparmöglichkeiten gesucht. So wurde im Frühjahr 2018 etwa der Telefonanbieter gewechselt, um 12'000 Franken jährlich einzusparen.

Unter Mitarbeitern wird die Kritik laut, die ZSG hätte aus Spargründen eine besonders günstige Reinigungsfirma gewählt, die entsprechend bei Reinigungsmitteln und Arbeitnehmerschutz spare. Für den ausgeschriebenen 5-Jahres-Auftrag offerierte Stampfli einen Preis von 275'000 Franken, wie aus dem öffentlich einsehbaren Zuschlagsentscheid hervorgeht. Wie viel die ZSG der PUA AG jeweils bezahlte, will das Schifffahrtsunternehmen nicht offenlegen. Die ZSG bestätigt aber, dass Stampfli günstiger arbeite als PUA. Dennoch will man von einer Sparübung nichts wissen. ZSG-Sprecherin Sander betont, nicht nur der Preis sei beim Auftrag ausschlaggebend gewesen. Nebst dem finanziellen Aspekt seien auch die Qualität der angebotenen Dienstleistung sowie Angaben zu Werterhalt und Ökologie sowie zum Beschwerdemanagement für den Zuschlag an Stampfli relevant gewesen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2019, 17:44 Uhr

Artikel zum Thema

«Für das Ego und das Herz war es eine schöne Saison»

Zürichsee Die Flotte der ZSG transportierte in der Hauptsaison 2018 fast 60 Prozent mehr Passagiere als im Vorjahr. Für den Direktor der Schifffahrtsgesellschaft, Roman Knecht, ist das trotz allem kein Ergebnis, um in Jubelstimmung zu verfallen. Mehr...

Passagiere strömen zurück auf Zürichsee-Schiffe

Zürichsee Die ZSG verzeichnet ein Plus von 57 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das gute Wetter und der abgeschaffte Zuschlag tragen zum positiven Ergebnis bei. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Zürcher Unterländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 24.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!