Horgen

Wolf streifte durch Horgner Weiler

Am Montag wurde in Horgen ein Wolf fotografiert. Der Kanton hat die Wolfspräsenz bestätigt. Ob sich das Tier noch am linken Zürichseeufer aufhält, ist ungewiss.

Dieser Wolf hielt sich am Montagmorgen in der Rietwies auf, einem Gebiet zwischen Wädenswil und Horgen. Seither fehlt von ihm jede Spur.

Dieser Wolf hielt sich am Montagmorgen in der Rietwies auf, einem Gebiet zwischen Wädenswil und Horgen. Seither fehlt von ihm jede Spur. Bild: zvg

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Ein Foto belegt: Der Wolf ist da. Wie die Fischerei- und Jagdverwaltung am Mittwoch via Baudirektion des Kantons Zürich informiert hat, hat eine Privatperson das Tier am Montagmorgen von ihrem Haus aus «in einem Weiler auf dem Gemeindegebiet von Horgen» gesichtet und fotografiert.

Wo sich dieses Grundstück genau befindet, war der Medienmitteilung nicht zu entnehmen. «Die Person möchte namentlich nicht erwähnt werden», sagt Wolfgang Bollack, Mediensprecher der Baudirektion. Wie die ZSZ aber weiss, wurde das Foto im Gebiet in der Rietwies in Horgen nahe der Grenze zu Wädens­wil aufgenommen.

Woher der Wolf stammt, wie alt er ist und ob es sich um ein weibliches oder männliches Tier handelt, hätten Fachleute nur anhand des Bildes nicht eruieren können. Ebenso ist unklar, ob sich der Wolf immer noch im Bezirk aufhält: «Es ist völlig offen, wo dieser Wolf nun ist», sagt Bollack. Es sei auch denkbar, dass er schon über alle Berge sei. Seit der Sichtung des Wolfes am Montag seien keine weiteren Hinweise auf seine Präsenz eingegangen. Es seien weder Rissspuren entdeckt, noch DNA-Spuren des Tieres gesichert worden. «Wir haben die zuständigen Jagdgesellschaften informiert und aufgefordert, die Augen offen zu halten», sagt Bollack. Man sei froh um alle Hinweise, auch aus der Bevölkerung.

Vierte bestätigte Sichtung

Dass der Wolf alleine unterwegs war, sei nicht ungewöhnlich. «Wenn die Wölfe mit zirka zwei Jahren das geschlechtsreife Alter erreichen, müssen sie das Rudel verlassen», teilt Bollack mit. Dass der Wolf in der nahen Umgebung einen Lebensraum finde, in dem er ein Rudel gründen könnte, sei sehr unwahrscheinlich. «Dicht besiedelte Gebiete sind kein geeigneter Lebensraum für Wölfe. Und der Sihlwald ist von seiner Grösse her eher zu klein.»

Mit der Sichtung in Horgen zählt der Kanton Zürich seit 2014 vier bestätigte Wolfspräsenzen. Wurden die ersten drei Tiere in Schlieren, Gossau und im Zürcher Weinland beobachtet, handelt es sich beim Wolf in der Rietwies um den ersten im Bezirk Horgen. Zwar informierte die Geschäftsführerin der Stifung Wildnispark bereits vor einem Jahr darüber, am Albis einen Wolf gesichtet zu haben. Dessen Präsenz konnte aber nicht nachgewiesen werden, da weder ein Foto noch DNA-Spuren vorhanden waren. Vor 2014 galt der Wolf im Kanton Zürich während mehr als hundert Jahren als ausgestorben.

Für Menschen ungefährlich

Der Wolf, der in Horgen gesichtet wurde, stelle für den Menschen keine Gefahr dar: «Seit Jahrzehnten sind in Europa keine Übergriffe mehr von Wölfen auf Menschen verzeichnet worden», sagt Wolfgang Bollack. Wölfe seien scheue Tiere, die den Menschen möglichst aus dem Weg gehen. Dennoch rät er zur Vorsicht: «Respekt ist sicherlich angebracht, wenn man einem Wolf begegnet.» Kommt es zu einer solchen, allerdings sehr unwahrscheinlichen Begegnung, soll der Mensch das Tier ignorieren und sich langsam und ruhig zurückziehen. Wichtig sei, die Distanz zu wahren und Hunde an die Leine zu nehmen.

Gefährlich kann der Wolf hingegen für Nutztiere wie Schafe und Ziegen sein. «Einen Tag nach der Sichtung haben wir darum die Nutztierhalter im Bezirk über die bestätigte Wolfspräsenz informiert.»

Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) rät in ihrem Handlungsleitfaden davon ab, im Mittelland Hunde zum Schutz von Herden einzusetzen. Es bestehe die Gefahr von Konflikten durch das Bellen der Hunde, zudem komme es gelegentlich zu Beissvorfällen an Menschen.

Alternativen zu Schutzhunden bieten laut der GWS Esel und Lamas. Diese verfügten über eine starke Abneigung Caniden gegenüber, wozu auch Wölfe und Haushunde gehören. Eine weitere Möglichkeit seien wolfssichere Zaunsysteme.

Die Fischerei- und Jagdverwaltung bittet, Beobachtungen unter Telefon 052 397 70 70 zu melden. (zuonline.ch)

Erstellt: 16.05.2018, 17:20 Uhr

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