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Hybrid-Duell unter Brüdern

VW Passat Variant vs. Skoda Superb Combi: Welcher der beiden Plug-in-Hybrid-Kombis aus dem VW-Konzern ist das bessere Auto, und wie unterscheiden sich die Konzerngeschwister?

VW Passat Variant GTE: Der Plug-in-Hybrid-Antrieb mit 218 System-PS passt gut zum Allrounder aus Wolfsburg.
VW Passat Variant GTE: Der Plug-in-Hybrid-Antrieb mit 218 System-PS passt gut zum Allrounder aus Wolfsburg.
Foto: VW
Voll aufgeladen schafft der Skoda Superb Combi iV wie der Passat GTE bis zu 66 Kilometer rein elektrisch.
Voll aufgeladen schafft der Skoda Superb Combi iV wie der Passat GTE bis zu 66 Kilometer rein elektrisch.
Skoda
Maximal 1800 Liter können trotz Batterieeinheit im Skoda Super Combi iV verstaut werden.
Maximal 1800 Liter können trotz Batterieeinheit im Skoda Super Combi iV verstaut werden.
Skoda
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Über Jahrzehnte war der VW Passat Variant das Auto für alle Gelegenheiten: Familienlaster mit ungeschlagenem Kofferraumvolumen, Aussendienstler auf Langstrecke, Handwerker-Alternative zum Transporter. Dann vor zwei Jahren der Schock: Das Stammwerk Emden soll in Zukunft Elektroautos bauen, die Produktion des Passat in Deutschland endet 2022. Die Gründe dafür sind vielfältig. Einst war jeder fünfte verkaufte VW ein Passat, heute ist es nur noch jeder zehnte. Der Erfolg der SUVs bedroht ganze Fahrzeugsegmente, und VW will – gezwungen durch den Dieselskandal – der grösste Hersteller von Stromern weltweit werden. Und gleichzeitig macht sich Volkswagen selbst Konkurrenz: Die Konzerntochter Skoda bietet oft das bessere Auto zum günstigeren Preis und mit derselben Technik.

Das geht zum Teil so weit, dass die Unterschiede zwischen den Marken bei bestimmten Modellen abseits von persönlichen Vorlieben kaum noch auszumachen sind. Besonders deutlich zeigt sich das beim aktuellen VW Passat Variant und dem Skoda Superb Combi. Natürlich sehen die Kombis anders aus – der VW klassischer, der Skoda aggressiver. Doch echte Unterschiede müssen Käufer suchen. In diesem Vergleich treten die Plug-in-Hybrid-Varianten der beiden Kombis gegeneinander an. Sie kombinieren einen Elektroantrieb, der sich extern aufladen lässt, mit einem Vierzylinder-Benziner und erreichen so eine Systemleistung von 218 PS. Die Ladezeit für den E-Motor ist in beiden Fällen dreieinhalb Stunden an einer Wallbox, fünf an einer Haushaltssteckdose. 66 Kilometer Reichweite schaffen der Superb iV und der Passat GTE maximal rein elektrisch.

Von 1,5 bis 12 Liter auf 100 Kilometer

Das Zusammenspiel der Motoren funktioniert bei beiden Autos perfekt. Die Kombis fahren elektrisch, solange Energie vorhanden ist. Danach übernimmt der 1,4-Liter-Vierzylinder. Den kombinierten Spritverbrauch gibt der Konzern mit 1,5 Litern auf 100 Kilometer beim Skoda und 1,6 Litern beim Passat an. Das ist so utopisch, wie es klingt. Denn natürlich teilen die Kombis die grundsätzlichen Schwächen dieser Motorenkombination: Der Spritverbrauch ist dann niedrig, wenn die Batterie voll geladen ist und nur wenige Kilometer mit dem Benzinmotor zurückgelegt werden. Sobald sich Superb und Passat aber ausserhalb der Stadt bewegen, kann der Fahrer ein wiederkehrendes Schauspiel beobachten: Mit dem Abschalten des E-Motors schiesst die Verbrauchsanzeige von null auf bis zu zwölf Liter im Schnitt hoch. Statt in einem E-Auto sitzt man nun in einem konventionellen Benziner mit 200 Kilogramm Batterie-Ballast.

Einen allgemein gültigen Durchschnittsverbrauch anzugeben, ist kaum möglich, da er stark vom persönlichen Fahrprofil abhängt. Das heisst: Wer viel Kurzstrecke fährt und eine Wallbox besitzt oder eine Ladestation in Fussweite hat, kann den VW wie auch den Skoda als reines E-Auto bewegen. Wer öfter längere Reisen unternimmt, hat wenig von dem Hybrid-Bonus.

Das ändert aber nichts daran, dass es sich bei beiden Kombis um Automobile handelt, die sich nicht vor den selbst ernannten Premium-Herstellern verstecken müssen. Das sechsstufige Doppelkupplungsgetriebe ist sowohl im Superb Combi als auch im Passat Variant hervorragend, die Schaltvorgänge erfolgen sanft und ohne grosse Verzögerungen, die Kombis sind perfekt gedämmt. Das Fahrwerk des Passats ist exzellent, selbst bei hohem Tempo schlucken die Dämpfer jede Unebenheit. Der Skoda rollt trotzdem ein bisschen besser ab als sein Konzernbruder. Der Innenraum ist bei beiden wertig, wobei sich beim Superb zeigt, dass die Marke in der Mittelklasse immer mehr Richtung Audi schielt. Der Passat überzeugt durch die gewohnte Nüchternheit. Doch auch hier sind die Unterschiede marginal.

Assistenzsysteme und dauerhafte Internetanbindung haben in beiden Modellen Einzug gehalten, sind aber aufpreispflichtig. Das Platzangebot ist sowohl im Passat als auch im Superb überragend. Aufgrund der Batterieeinheiten in den Hybrid-Kombis leidet aber die sonst so konkurrenzlose Kofferraumgrösse bei beiden Modellen: Der Skoda liegt hier mit 510 bis 1800 Litern (statt 660/1950 Litern) bei umgeklappter Rückenlehne vor dem VW mit 483 beziehungsweise 1613 Litern (versus 650/1780 Liter im normalen Passat Variant). Wer noch mehr Unterschiede sucht, muss tief in den Konfigurator einsteigen: Die Rückbank des Superb lässt sich zweiteilig umklappen, die des Passats dreiteilig. Als Extra. Im VW gibt es serienmässig ein Multifunktions-Leder-Sportlenkrad, im Superb ein Multifunktions-Lederlenkrad.

Ab 2023 werden die Brüder zu Zwillingen

Diese kleinteilige Auflistung bringt das Dilemma des VW-Klassikers ziemlich genau auf den Punkt: Der Passat macht sich selbst obsolet. Warum für 53’100 Franken einen VW kaufen, wenn es den Superb Combi iV in der vergleichbaren Version «Style» ab 50’350 Franken gibt und der in vielen Belangen ein Quäntchen besser ist? Die ehrliche Antwort lautet: Abgesehen vom persönlichen ästhetischen Empfinden gibt es keinen Grund. Aber: In den ersten vier Monaten 2020 haben sich in der Schweiz 609 Käufer für einen Passat entschieden und nur 334 für einen Superb.

So oder so wird es aller Voraussicht nach eine weitere Generation des Passats, des laut VW «erfolgreichsten Mittelklasse-Autos der Welt», geben: Ab 2023 produziert ihn Volkswagen in einem neuen Werk – zusammen mit dem Skoda Superb. Auf dass auch noch die letzten Unterschiede verschwinden.