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Grossbetrug in Winterthur«Ich dachte, dieses Geld erhält man in der Schweiz einfach»

Ein Winterthurer Ehepaar soll mittels einer geheimen Autogarage fast 500’000 Franken Sozialhilfegelder ertrogen haben. Die Eltern von fünf Kindern erhalten schon ihr halbes Leben lang staatliche Unterstützung.

Die Autogarage in der Region wurde vor den Behörden verheimlicht: Der Eingang der Sozialen Dienste im Winterthurer Superblock.
Die Autogarage in der Region wurde vor den Behörden verheimlicht: Der Eingang der Sozialen Dienste im Winterthurer Superblock.
Foto: Moritz Hager

Wann genau begann es, dass ein eigentlich gesundes Winterthurer Ehepaar Sozialhilfe benötigte? Vor dem Bezirksgericht schienen die beiden dies selber nicht mehr so genau zu wissen. Fakt ist: Die fünffachen Eltern erhalten seit 1997 staatliche Unterstützung – bis zu 5000 Franken im Monat. Und sie leben bis zum heutigen Tag von der Sozialhilfe.

Nun drohen ihnen je vier Jahre Gefängnis. Denn während mindestens neun Jahren, von 2006 bis 2015, hätten sie kein Anrecht auf Sozialhilfe gehabt. Zu jener Zeit führte der Mann eine gut laufende Autogarage in einer Weinländer Gemeinde. Vor der Stadt Winterthur verheimlichte er dies. Zudem reparierte er im Geheimen alte Fahrzeuge und verkaufte sie übers Internet gewinnbringend weiter, 492 Autos waren es insgesamt.

Verblüffend lang

Der Beschuldigte zeigte sich vor Gericht zwar wortkarg, gab den Hauptvorwurf des gewerbsmässigen Betrugs aber zu. Jedoch bestritt er den Deliktsbetrag. Er habe nicht, wie von der Staatsanwältin berechnet, gegen eine halbe Million Franken Gewinn gemacht mit seiner Garage, sondern «nur» etwa 130’000 Franken. Zudem habe er mehrfach auf dem Sozialamt den Wunsch geäussert, sich selbstständig zu machen. Dieses habe ihm dann aber nur damit gedroht, seine Gelder zu kürzen. Der Verteidiger des Mannes forderte eine reduzierte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Die lange Zeitspanne des Betrugs dürfte für Winterthurer Verhältnisse wohl einmalig sein. Und sie verblüfft überdies, wenn man die Details der geheimen Tätigkeit erfährt: So betrieb der Mann seine Autogarage laut mehreren Zeugen mit ganz normalen, angeschriebenen Öffnungszeiten. Fast jeden Morgen fuhr er beizeiten hin, und abends war jeweils gegen halb sieben Schluss. Er hatte zahlreiche Kunden, die meist bar bezahlten.

Dennoch flog er jahrelang nicht auf. Auch nicht, als Mitarbeiter der Sozialen Dienste Winterthur ihn einmal auf seine geschwärzten und lädierten Hände, die von der schweren Mechanikerarbeit zeugten, ansprachen. Ebenso wenig fiel es irgendjemandem im Umfeld auf, als der Mann plötzlich einen 63’000 Franken teuren Neuwagen sein Eigen nannte.

«Humpelte nur auf dem Amt»

Die Stadt Winterthur hatte bereits im Vorfeld des Prozesses ausgeschlossen, dass es intern zu Fehlern gekommen war. «Die Mechanismen der Missbrauchsbekämpfung haben funktioniert», hiess es dazu. Das sieht auch die Staatsanwältin so: «Den Behörden kann die Schuld nicht in die Schuhe geschoben werden», sagte sie vor Gericht. «Es ist unmöglich, bei jedem Bezüger die Angaben auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen.»

Nachdem der Mann 2009 einen Autounfall gehabt hatte, wurde er von einem Winterthurer Arzt zu 100 Prozent als arbeitsunfähig eingestuft. Laut der Staatsanwältin hätten Zeugen aber nie eine gesundheitliche Einschränkung feststellen können: «Er humpelte nur, wenn er auf dem Sozialamt erscheinen musste.»

Und der Mann arbeitete auch danach im Verdeckten weiter, bis sich bei den Sozialen Diensten im Sommer 2014 schliesslich doch ein Verdacht erhärtete und die Polizei die Garage schliesslich entdeckte. Einige Monate später kam der Mann ein halbes Jahr in U-Haft.

Widersprüchliche Aussagen

Auch die Ehefrau kam kurzzeitig in U-Haft, und auch für sie forderte die Staatsanwältin wegen gewerbsmässigen Betrugs eine vierjährige Freiheitsstrafe. Die Verteidigerin jedoch forderte einen Freispruch und Genugtuung. Die Frau, die wie ihr Ehemann einst aus Nordmazedonien in die Schweiz kam, habe sich «entsprechend ihrem Kulturkreis» vor allem um den Haushalt und die Kinder gekümmert. «Sie hatte vollstes Vertrauen in ihren Ehemann, der sie jedoch jahrelang getäuscht hatte.» Die Familie lebt indes nach einer kurzen Trennung heute noch zusammen.

Die Frau, der ein Dolmetscher gestellt wurde, verhedderte sich bei der Befragung durch die vorsitzende Richterin teilweise in Widersprüche. So gab sie an, bei ihren Besuchen auf dem Sozialamt nie ein Wort verstanden zu haben. «Ich dachte, dieses Geld erhält man in der Schweiz einfach.» Bei früheren Befragungen wurde laut der Staatsanwältin aber klar, dass sie die Mechanismen der Sozialhilfe sehr wohl verstanden hatte.

Länger stand zudem zur Diskussion, ob die Frau nach über zwei Jahrzehnten in Winterthur tatsächlich immer noch kein Deutsch versteht oder ob dies zu ihrer Entlastung bloss vorgeschoben wurde. Und sie machte widersprüchliche Aussagen darüber, wann genau sie erstmals Kenntnis von der Garage ihres Mannes erhalten hatte.

Das Dreiergremium des Winterthurer Bezirksgerichts will das Urteil am Donnerstag verkünden. (Mittlerweile ist das Urteil gefallen – lesen Sie hier mehr).

97 Kommentare
    Stäheli Thomas

    Wo bleibt der Volkswille!!

    Art. 197 Ziff. 9 (neu)

    9. Direkt anwendbare Übergangsbestimmung zu Art. 121 (Aufenthalt und Niederlassung von Ausländerinnen und Ausländern)

    1 Zur Durchsetzung der Ausschaffung krimineller Ausländerinnen und Ausländer gelten die nachfolgenden Bestimmungen:

    I. Landesverweisung

    1. Das Gericht oder die Staatsanwaltschaft verweist Ausländerinnen und Ausländer, die wegen einer der folgenden strafbaren Handlungen verurteilt werden, unabhängig von der Höhe der Strafe aus dem Gebiet der Schweiz:

    d. gewerbsmässiger Betrug (Art. 146 Abs. 2 StGB)

    e. Betrug (Art. 146 StGB) im Bereich der Sozialhilfe und der Sozialversicherungen sowie Sozialmissbrauch (Ziff. V.1);