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Das Salz-Monopol wankt In der Schweiz wird das weisse Gold knapp

Baselbieter Umweltschützer verhindern den Salz-Abbau in Muttenz. Nun gerät eines der ältesten staatlichen Kartelle ins Wanken. Und die Schweiz muss mehr Salz importieren.

Das Schweizer Salz wird wie hier im Saldome im aargauischen Riburg für den Winter gebunkert.
Das Schweizer Salz wird wie hier im Saldome im aargauischen Riburg für den Winter gebunkert.
Foto: Kilian J. Kessler

180 Jahre lang war die Schweiz nicht mehr auf Salzlieferungen im grossen Stil aus dem Ausland angewiesen. Möglich machten dies grosse Vorkommen am Hochrhein in Basel. 2025 könnte es aber wegen einer Versorgungslücke in Muttenz mit der Herrlichkeit vorbei sein. Der Grund ist der erbitterte Widerstand gegen ein Ausbauprojekt der Schweizer Salinen AG.

Das Unternehmen, das den Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein gehört, hält das Salzmonopol in der Schweiz. Um die Produktion zu steigern, führte das Unternehmen im Naherholungsgebiet Rütihard Sondierungsbohrungen durch. Das rief Demonstranten auf den Plan, und die Fondation Franz Weber kündigte an, von ihrem Verbandsbeschwerderecht Gebrauch zu machen. Wegen der zu erwarteten Verzögerungen macht der Schweizer Salz-Monopolist nun unerwartet rasch einen Rückzieher und verzichtet damit auf 4,5 Millionen Tonnen Salz und Einnahmen von einer Milliarde Franken.

Die Pläne zur Salzversorgung müssten angepasst werden, räumt Urs Ch. Hofmeier, Geschäftsführer der Schweizer Salinen AG, ein. Der erbitterte Widerstand im sonst eher beschaulichen Kanton Baselland könnte nun ausgerechnet eines der ältesten staatlichen Monopole der Schweiz ins Wanken bringen.

Sicherheit bei Pandemien

Trotz Produktionsverlagerungen und der Erschliessung anderer Bohrfelder sagt Hofmeier: «Teilweise ökologisch schlechte Importe werden für eine begrenzte Zeit notwendig sein.»

Aktuell produzieren die drei Salinen in Schweizerhalle BL, Riburg bei Möhlin AG und Bex VD jährlich 600’000 Tonnen des weissen Goldes. Bis zu 50 Prozent davon werden als Auftausalze verwendet. Ein Zehntel wandert als Speisesalz in die Küche, und der Rest wird entweder als Industrie-, Gewerbe-, Landwirtschafts- oder Wasserenthärtungssalz verkauft.

Obwohl es sich immer um Natriumchlorid (NaCl) handelt, variieren die Preise wegen der unterschiedlichen Verarbeitungsprozessen, des Reinheitsgrads der unterschiedlichen Salze sowie der jeweiligen Kosten für die Verpackung stark. Für das Schweizer Monopol sprächen konstante Preise, die nicht Marktschwankungen unterworfen seien, sagt Hofmeier. Gerade in Ausnahmesituationen wie harten Wintern oder Pandemien seien solche spürbar.

Trotzdem schaltete sich 2018 der Preisüberwacher in die Preisdiskussion ein. In einer «Einvernehmlichen Regelung» wurde in der Folge ein Richtwert für einen angemessenen Gewinn der Salinen von 11,2 Millionen Franken pro Jahr festgelegt. Doch wenn der Monopolist billiges Salz aus dem Ausland importiert, dürfte dieser garantierte Gewinn in die Diskussion geraten. Als Folge dürfte auch der Ruf nach Direktimporten lauter werden – dann wäre das Salzmonopol am Ende.

Dem Jura winken Millionen

Um das Salzmonopol zu retten, sucht Hofmeier nach Alternativen in den bestehenden Konzessionsgebieten in den Kantonen Aargau und Baselland. Infrage kommt für ihn auch die Ajoie im Kanton Jura. «Hier gibt es ein sehr grosses Salzvorkommen, das vermutlich für Hunderte Jahre ausreichen wird», sagt er. Allfällige Sondierbohrungen veranschlagt er mit fünf Millionen Franken Kosten.

Gerade der Jura zeigte sich in der Vergangenheit aber widerspenstig gegenüber Bohrtürmen. Ein Geothermieprojekt in Haute-Sorne wurde erst kürzlich von der Regierung gestoppt. Zu gross war der Widerstand in der Bevölkerung. Salzabbau sei mit Fracking aber nicht zu vergleichen, findet Hofmeier. «Und schliesslich bohren wir nicht 5000 Meter tief, sondern nur 1000 Meter.»

Käme die Konzession zustande, könnte der jüngste Schweizer Kanton mit einer Konzessionsabgabe im Wert von einer halben Million Franken im Jahr, Steuereinnahmen von eins bis zwei Millionen sowie im Endausbau mit 150 neuen Arbeitsplätzen rechnen. Ende Jahr wollen die Salinen Klarheit haben, ob ein Salzabbau in der Ajoie möglich ist.

Salinen-Chef Urs Ch. Hofmeier (r.) stiess bei Bewohnern von Muttenz mit seinen Abbauplänen in der Rütihard auf Granit. Auch Informationsveranstaltungen wie im letzten Jahr konnten daran nichts ändern.
Salinen-Chef Urs Ch. Hofmeier (r.) stiess bei Bewohnern von Muttenz mit seinen Abbauplänen in der Rütihard auf Granit. Auch Informationsveranstaltungen wie im letzten Jahr konnten daran nichts ändern.
Foto: Dominik Plüss

Bereits heute werden fünf Prozent des Schweizer Salzes aus dem Ausland importiert oder Schweizer Salz exportiert. «Wir helfen damit gegenseitig anderen Salinen aus», erklärt Hofmeier. Das Importsalz ist als solches aber weder gekennzeichnet, noch ist es günstiger.

Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Salzwerke AG. Auch über die Versorgung hinaus arbeitet der Schweizer Salzmonopolist mit den Deutschen zusammen. An ihrem Hauptsitz in Heilbronn betreiben die beiden Salzhersteller seit 1999 das Gemeinschaftsunternehmen Agrosal, das Markenlecksteine für Vierbeiner herstellt. Damit wird der Schweizer Markt bedient.

Am zweiten Joint Venture, der Rheinsalz AG in Pratteln, sind wiederum die Deutschen beteiligt. Jährlich werden 13’000 Tonnen hochreine Salztabletten für Haushalts- und Industriegeräte für den Schweizer Markt produziert, weitere 2000 für den europäischen Markt. Gleichzeitig tätigen die Salinen Zusatzgeschäfte mit dem Export von einigen Hundert Tonnen Sel des Alpes der Saline Bex nach China und in die USA.