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Trend zum Haus im Grünen wegen CoronaIn diesen Gemeinden kann Wohneigentum bald teuer werden

Wie wäre es mit einem Einfamilienhaus in Täuffelen oder Berneck? Laut Experten dürften sich diese Gemeinden dank Homeoffice-Trend bald wachsender Beliebtheit erfreuen.

In Männedorf ZH dürften die Immobilienpreise dank Homeoffice-Trend weiter steigen.
In Männedorf ZH dürften die Immobilienpreise dank Homeoffice-Trend weiter steigen.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Wie wichtig die eigenen vier Wände sind, zeigte sich während des Lockdown im Frühjahr. Und auch danach führte die vom Bund empfohlene Arbeit im Homeoffice dazu, dass man jeden Winkel des eigenen Zuhauses so richtig zu lieben oder aber zu hassen lernte: Das Bewusstsein über die eigene Wohnsituation hat sich verändert. Und wer die finanziellen Mittel hat, erfüllt sich nun den Traum vom Haus in der Natur.

So zeigen Untersuchungen verschiedener Immobilienexperten, dass sich die gestiegene Nachfrage auch in den Preisen niederschlägt – vor allem bei Einfamilienhäusern. Denn diese sind rar und werden im Vergleich zu Mehrfamilienhäusern seltener auf bestehendem Bauland neu erstellt.

Ruhig, aber doch zentral

Eine neue Analyse der Immobilienberatungsfirma Iazi zeigt nun, dass der Homeoffice-Trend und der Wunsch nach Freiraum und Natur ganz neue Gemeinden auf die Schweizkarte hebt, die bisher kaum zu den Hotspots für Wohneigentum zählten. Zu den Gemeinden, die laut Iazi-Experten im Aufwind sind, zählen unter anderem etwa Ayent VS, Kaisten AG oder Fully VS. Aber auch Berneck SG, Täuffelen BE und Schmitten FR könnten sich bald einer wachsenden Beliebtheit beim Wohneigentum erfreuen.

Ausschlaggebend für die Iazi-Analyse waren Faktoren wie Anbindung an Zentren, Infrastruktur wie Läden oder Krankenhäuser, aber auch Grünflächen und Sicherheit. «In diesen Gemeinden gibt es ein attraktives Wohnangebot, sie sind ländlich gelegen und ruhig, aber dennoch nicht zu weit abseits der Zentren», sagt Iazi-Chef Donato Scognamiglio. Heute liegen die Angebotspreise für ein zehn Jahre altes, 5,5-Zimmer-Einfamilienhaus von rund 140 Quadratmetern Fläche zum Beispiel in Täuffelen bei um die 833’000 Franken oder etwa in Berneck bei 742’000 Franken. Die Preise dürften hier auf lange Sicht ansteigen.

Aber auch hochpreisige Gemeinden wie Männedorf ZH, Erlenbach ZH, Ennetbaden AG, Kilchberg ZH oder Zug dürften laut den Experten vom Homeoffice-Trend profitieren. Auch sie erfüllen die genannten Kriterien. Und die seit Jahren steigenden Preise für Wohnungen und Einfamilienhäuser werden weiter wachsen. Bereits heute liegen die Angebotspreise für das eben beschriebene Einfamilienhaus in Männedorf bei 1,8 Millionen, in Ennetbaden bei 1,3 oder in Zug bei 2,5 Millionen Franken.

In diesen Gemeinden stiegen die Preise in diesem Jahr im Vergleich zur Vorjahresperiode besonders stark. In Männedorf um 5,3 Prozent im Vergleich zu einem Anstieg von 3,5 Prozent über die letzten fünf Jahre. Doch auch grundsätzlich werden Einfamilienhäuser in der Schweiz teurer. Zu dieser Einschätzung kommt auch der Hauseigentümerverband Schweiz, der über 300 Immobilien-Experten befragt hat: Drei Viertel der Befragten gehen demnach von schweizweiten Preissteigerungen aus – auch für das kommende Jahr. Die Gründe lauten auch hier: steigende Nachfrage – vor allem nach Wohneigentum – und ein sinkendes Angebot an bebaubarem Land.

Doch an den weiterhin steigenden Preisen bei Wohneigentum ist nicht allein Covid-19 Schuld. Das anhaltend tiefe Zinsumfeld macht die Finanzierung günstig. «Wer das passende Einkommen hat, den kostet die Finanzierung eines Hauses heute fast nichts», sagt Iazi-Chef Scognamiglio. Denn die Zinsen für Festhypotheken über Laufzeiten von zehn Jahren gebe es für unter 1 Prozent. «Gekoppelt mit dem aktuellen Trend in Richtung ländlicheren Regionen führt dies zu Preissteigerungen in der Peripherie», sagt der Immobilien-Experte.

Tragbarkeit erschwert Hauskauf

Doch muss auch gesagt werden, dass sich, trotz tiefer Zinsen, weiterhin viele Schweizerinnen und Schweizer den Hauskauf nicht leisten können. Ihr Einkommen ist zu tief, und sie scheitern an den Tragbarkeitsregeln bei der Kreditvergabe der Banken. Vereinfacht gesagt heisst das: Wer zum Beispiel ein Haus für 1 Million Franken kaufen möchte, muss für die Kreditaufnahme ein Jahreseinkommen von gut 150’000 Franken vorweisen.

Und grundsätzlich kann gesagt werden: Wer ein Einfamilienhaus unter 1 Million Franken in Zentrumsnähe kaufen möchte, hat es schwer. Laut den Iazi-Experten finden sich solche Immobilien beispielsweise noch in Muri AG, Aadorf TG oder Châtel-Saint-Denis FR.

27 Kommentare
    Werner Wenger

    Die Preissteigerung nur mit den Angebotspreisen zu begründen, scheint mit nicht sehr professionell gehandelt! Was wird denn bezahlt?