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Neuer Telekomriese entstehtIn Grossbritannien gelingt Fusion mit UPC-Konzern

In der Schweiz scheiterte die Verschmelzung von Sunrise und UPC, in Grossbritannien setzt Liberty Global nun mit Mobilfunkanbieter o2 den Marktführer British Telecom unter Druck.

Mit Mobilfunkanbieter o2 an seiner Seite will Liberty Global in Grossbritannien die Marktmacht von BT durchbrechen.
Mit Mobilfunkanbieter o2 an seiner Seite will Liberty Global in Grossbritannien die Marktmacht von BT durchbrechen.
REUTERS

In Grossbritannien entsteht ein neuer Telekomriese. In einem 38 Milliarden Dollar schweren Deal fusionieren der Mobilfunker o2 und der Kabelnetzbetreiber Virgin Media. Dies kündigten die beiden Eigner – der spanische Telekomriese Telefonica sowie der US-Kabelkonzern Liberty Global – am Donnerstag an.

Damit vereint sich die Nummer zwei bei den Mobilfunkern mit dem landesweit grössten Kabelkonzern. Gemeinsam setzen sie Marktführer BT kräftig unter Druck. Telefonica-Chef Jose Maria Alvarez-Pallete sagte, beide Firmen seien «zusammen viel stärker». Zuvor hatten die Spanier nach einem Gewinnrückgang ihren Jahresausblick zurückgezogen. Analysten rechnen damit, dass sich die Wettbewerbsbehörden der Fusion nicht in den Weg stellen.

Eine Werbung von British Telecom (BT) vom November 2019, mit einem Satz, der sich nun gleich in mehrfacher Hinsicht bewahrheitet hat.
Eine Werbung von British Telecom (BT) vom November 2019, mit einem Satz, der sich nun gleich in mehrfacher Hinsicht bewahrheitet hat.
Reuters

O2 galt seit Längerem als Übernahmekandidat oder Börsenanwärter. Bereits 2016 hat der unter einem hohen Schuldenberg ächzende Telefonica-Konzern versucht, o2 zu verkaufen. Der Fusionsdeal sieht nun vor, dass die Mutterunternehmen gleichberechtigt sind. Beide rechnen mit milliardenschweren Synergieeffekten. Ziel ist es, in den nächsten fünf Jahren zehn Milliarden Pfund in Grossbritannien zu investieren. Branchenprimus BT will zwölf Milliarden Pfund in die Erneuerung des Kupfernetzes stecken. Firmenchef Philip Jansen begrüsste den Deal und erklärte, die Branche benötige Konsolidierung. BT hatte sich 2016 den Mobilfunker EE einverleibt.

Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie ist die Fusion von o2 und Virgin Media eine der grössten Transaktionen weltweit. Und sie bringt die Strategie von Liberty-Gründer Johne Malone voran, in Europa Konzerne aufzubauen, die aus einer Hand Mobilfunk und Kabel anbieten können. So verkaufte der 79-Jährige sein Deutschlandgeschäft Unitymedia an Vodafone. UPC Austria wurde an T-Mobile verkauft.

In der Schweiz sollte die Liberty-Firma UPC von Sunrise geschluckt werden. Hauptaktionär Freenet war aber der Kaufpreis von 6,3 Milliarden Franken zu teuer, weshalb die Übernahme im letzten Oktober scheiterte – Sunrise riss die Notbremse und sagte die ausserordentliche Generalversammlung kurzfristig ab.

Der Verkauf von UPC an Sunrise scheiterte letzten Oktober – mit der Fusion sollte Swisscom konkurriert werden. In Grossbritannien stehen ähnlichen Pläne des UPC-Mutterkonzerns Liberty Global nun kurz vor der Umsetzung.
Der Verkauf von UPC an Sunrise scheiterte letzten Oktober – mit der Fusion sollte Swisscom konkurriert werden. In Grossbritannien stehen ähnlichen Pläne des UPC-Mutterkonzerns Liberty Global nun kurz vor der Umsetzung.
KEYSTONE

anf/sda