Zum Hauptinhalt springen

Frust in Wengen nach Rennabsage«In unserem Dorf sind alle verunsichert»

In Wengen ist man enttäuscht von der Absage der Lauberhornrennen. Bedauert wird die vergebliche Arbeit, kritisiert wird die schwierige Kommunikation mit den kantonalen Behörden.

Wenig Betrieb auf den Strassen von Wengen am Montagnachmittag – der Kanton hat die Bevölkerung aufgefordert, nach Möglichkeit daheim zu bleiben.
Wenig Betrieb auf den Strassen von Wengen am Montagnachmittag – der Kanton hat die Bevölkerung aufgefordert, nach Möglichkeit daheim zu bleiben.
Foto: Keystone

Martin Stäger, Gemeindepräsident von Lauterbrunnen, hat schon ein bisschen mit einer Absage der Lauberhornrennen gerechnet, seit am Sonntag die ersten Zweifel an der Durchführung gekommen sind – auch angesichts der Corona-Zahlen in Wengen.

«Wir bedauern die Absage sehr, es ist schade für die vergebliche Vorarbeit; aber es ist nun einfach mal so, das müssen wir akzeptieren.» Man habe auch am Montagnachmittag im Gemeinderat darüber gesprochen – «und alle verstehen den Entscheid».

Die Aufgabe der Gemeinde sei es jetzt, «die Bevölkerung vor einer weiteren Ausbreitung des Virus zu schützen». Die Schliessung der Schule, die nichts mit den Lauberhornrennen zu tun hat, wurde von den betroffenen Eltern befürwortet.

Dass die vorerst für diese Woche verordnete Schulschliessung und der damit verbundene Fernunterricht keinen Zusammenhang mit den Rennen haben, bestätigt auch der örtliche Schulleiter Rolf Possel: «Die Schliessung der Schule erfolgte aufgrund der aktuellen organisatorischen Situation in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Ob der Fernunterricht auch in der nächsten Woche noch aufrechterhalten werden muss, werden wir in der zweiten Wochenhälfte entscheiden.»

«Eine grosse Leere»

Rolf Wegmüller, der Geschäftsführer von Wengen Tourismus, sagt: «Unser Dorf fällt gerade in eine grosse Leere, Konsternation macht sich breit. Es ist so schade für die vergebliche Arbeit, die alle hier in Wengen und vor allem das Organisationskomitee geleistet haben.»

Nach der Unsicherheit am Sonntag und der späteren Bestätigung zur Durchführung der Rennen sei man im Bergdorf zu hundert Prozent zuversichtlich gewesen, dass die 91. Lauberhornrennen auch stattfinden würden.

«In unserem Dorf sind alle schon während längerer Zeit unsicher, was sie vom Ganzen halten sollen. Niemand weiss so recht, was nun gilt und was nicht, und es werden klare Richtlinien des Kantons vermisst. Dies gilt für die Situation mit den Lauberhornrennen, jedoch auch im Allgemeinen.»

Die Leute hätten Zimmer oder Ferienhäuser gebucht, wüssten aber nicht, ob der Ferienaufenthalt auch klappen werde. Es werde sehr viel getestet, das ergebe natürlich viele Resultate – auch positive.

«Bis Oktober war in Wengen kein einziger Corona-Fall zu verzeichnen gewesen. Ein paar Tage vor Weihnachten konnte keine Infizierung innerhalb von Wengen nachgewiesen werden, einzelne Bewohner wurden zuvor ausserhalb infiziert», sagt Rolf Wegmüller.

Dann seien über Weihnachten und Neujahr die internationalen Gäste gekommen, man habe befürchtet, dass es mit den positiven Befunden bald anfangen könnte. «Das Virus ist also von ausserhalb zu uns hinaufgekommen.» Daraufhin habe man alle Hebel in Gang gesetzt, um die Feriengäste und insbesondere die Engländer unter ihnen zu erreichen und unter Quarantäne zu setzen.

«Wir können also mit gutem Gewissen sagen, dass wir das Beste daraus gemacht haben.» Wegmüller bekräftigt nochmals, wie schwierig sich die Kommunikation mit den kantonalen Behörden gestalte. «Das hat man jetzt gerade auch wieder gesehen, wo am Sonntag aus Bern grünes Licht für die Lauberhornrennen kam und 24 Stunden später dann die Absage.»

11 Kommentare
    Beat Heuberger

    Einzigartig diese Ignoranz. Und dann wundert man sich noch.