Zum Hauptinhalt springen

Auswirkungen der Corona-KriseIndustrie befürchtet Absturz und stellt Forderungen

Über ein Drittel der Schweizer Maschinenindustrie rechnet im laufenden Jahre mit einem finanziellen Verlust. Swissmem fordert die Verlängerung von Notmassnahmen.

Eine Monteurin arbeitet im Werk eines Automobilzulieferers an ein Getriebe für Lastwagen.
Eine Monteurin arbeitet im Werk eines Automobilzulieferers an ein Getriebe für Lastwagen.
Foto: Felix Kästle/Keystone

Die Coronakrise reisst viele Firmen der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Branche) ins Elend. Über ein Drittel der Unternehmen (38 Prozent) befürchtet im laufenden Jahr einen Betriebsverlust. «Weitere 34 Prozent der Betriebe erwarten eine Betriebsgewinnmarge (EBIT) zwischen null und fünf Prozent», teilte der Branchenverband Swissmem am Dienstag in einem Communiqué mit. Dies sei ein unbefriedigender Wert, der es diesen Firmen verunmögliche, in die Zukunft zu investieren. «Somit befinden sich 72 Prozent der MEM-Unternehmen in einer kurz- und mittelfristig existenzbedrohenden Situation.»

Die negativen Auswirkungen der Coronapandemie würden die MEM-Branche erst im zweiten und dritten Quartal voll treffen. Fast die Hälfte der MEM-Firmen (48 Prozent) hätten wegen behördlichen Schliessungen Stornierungen von Aufträgen hinnehmen müssen. «Diese Umsätze und damit auch die dazugehörenden Margen werden in den kommenden Monaten wegfallen», schrieb Swissmem weiter.

Noch viel besorgniserregender sei der Stand des Einkaufsmanagerindex PMI, der im April fast weltweit auf den tiefsten Stand seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 gefallen sei. «Damit werden nun auch die Auftragseingänge wegbrechen», erklärte der Verband.

Die Exportindustrie braucht mehr Spielraum und eine Stützung der Innovationskraft.

Hans Hess, Präsident Swissmem

Angesichts dieser besorgniserregenden Lage forderte Swissmem-Präsident Hans Hess bessere Rahmenbedingungen: «Wir müssen umgehend Gegensteuer geben. Nur mit einem raschen, kontrollierten Ausstieg aus dem Lockdown und einer nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Firmen können wir das Ausmass des Einbruchs dämpfen.»

Die MEM-Industrie exportiere nahezu 80 Prozent ihrer Güter. «Daher ist es mitentscheidend, dass auch in ihren Absatzmärkten ein rascher Ausstieg aus dem Lockdown erfolgt. Ein Konjunkturprogramm, das inhärent nur im Binnenmarkt Wirkung erzielen kann, wäre nutzlos», erklärte der Branchenverband.

Die Geschichte zeige, dass Konjunkturprogramme zu spät oder am falschen Ort wirken würden. «Viel mehr braucht die Exportindustrie mehr unternehmerischen Spielraum und eine Stützung der Innovationskraft, damit sie rasch aus der Krise finden kann.»

Erneut forderte Swissmem die Aufhebung der Industriezölle. Diese würde allein der MEM-Industrie eine jährliche Kostenersparnis von rund 125 Millionen Franken sowie erhebliche administrative Erleichterungen bringen. Das Parlament solle diese Aufhebung in der Sommersession beschliessen, damit sie Anfang nächsten Jahres in Kraft treten könne. Überdies brauche es neue Freihandelsabkommen wie etwa mit den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.

Daneben verlangt Swissmem die Verlängerung von Notmassnahmen. So solle die Frist für die Einreichung von Gesuchen für Corona-Überbrückungskredite bis Ende Jahr ausgedehnt werden. Auch die Bezugsdauer für Kursarbeitsentschädigungen müsse auf 18 Monate verlängert werden, forderte der Branchenverband.

Bereits 2019 auf Talfahrt

Die Corona-Epidemie beschleunigt damit die Talfahrt der Branche massiv, die bereits im vergangenen Jahr eingesetzt hatte. So sanken 2019 die Auftragseingänge der MEM-Industrie gegenüber dem Vorjahr um 10,6 Prozent. Auch die Umsätze schrumpften um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Hauptgrund für den Krebsgang waren laut Swissmem die Konjunkturabkühlung in den wichtigsten Absatzmärkten wegen der Handelskonflikte und der Krise in der Autoindustrie. Zudem bremste die Aufwertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Firmen im wichtigen EU-Raum.

SDA

10 Kommentare
    Thomas Baumann

    Strategisch ist es gut, eine eigene Industrie zu haben. Ansonsten wird man umso eher Opfer chinesischer neokolonialistischer Bestrebungen, welches seine Dominanz im Industriebereich schonungslos ausnützt. Auch wäre es gut, Industriejobs zu haben (selbst wenn die Industrie eher kapitalintensiv produziert), denn jeder Industriejob bedeutet, dass wir einen Sozialjob weniger benötigen: Haben die Leute Arbeit, haben sie keine Probleme.

    Viele Firmen haben auch in den vergangenen Boomjahren nur eine rote Null geschrieben - sind die wirklich überlebensfähig?

    Andere haben wiederum nicht zu wenige Dividenden ausgerichtete - wenn hier nun das Geld fehlt, ist es irgendwo auch selbstverschuldet.