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Angespannte Lage im Persischen GolfIran bestellt nach Trumps Drohungen Schweizer Botschafter ein

Iranische Militärschiffe sollen sich im Persischen Golf wiederholt «gefährlich» und «provozierend» US-Kriegsschiffen genähert haben. Darauf drohte der US-Präsident damit, die Boote gezielt zu versenken.

Boote der Iranischen Revolutionsgarden nähern sich US-Kriegsschiffen im Persischen Golf am 15. April 2020.
Boote der Iranischen Revolutionsgarden nähern sich US-Kriegsschiffen im Persischen Golf am 15. April 2020.
Keystone/U.S. Navy via AP

Der Iran hat US-Präsident Donald Trump im Falle eines Angriffs auf iranische Patrouillenboote mit einer entschiedenen Reaktion gedroht.
Nach einer entsprechenden Drohung Trumps bestellte das iranische Aussenministerium den Schweizer Botschafter in Teheran ein. «Dem Botschafter wurde mitgeteilt, dass der Iran die feindseligen und bedrohlichen Aussagen des US-Präsidenten scharf verurteile und jeglichen Angriff der USA am Persischen Golf erwidern werde», sagte Aussenamtssprecher Abbas Mussawi am Donnerstag.

Die Schweiz vertritt die diplomatischen Interessen der USA im Iran, da Teheran und Washington seit mehr als 40 Jahren keine diplomatischen Beziehungen mehr haben.

Trump hatte am Mittwochabend (Ortszeit) im Weissen Haus gesagt, das US-Militär werde im Fall gezielter Störungen iranische Patrouillenboote versenken. Die USA würden sich unter seiner Führung Provokationen des Irans wie jüngst im Persischen Golf nicht gefallen lassen. Eine Woche zuvor hatte die US-Marine erklärt, elf Boote der Iranischen Revolutionsgarden hätten sich wiederholt «gefährlich» und «provozierend» US-Kriegsschiffen genähert. Die USA haben die Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft.

Iran: US-Soldaten haben dort nichts zu suchen

Mussawi forderte die USA auf, die Vorschriften der internationalen Schifffahrt zu respektieren und einzuhalten. Ausserdem solle Trump seine Soldaten lieber im eigenen Land im Kampf gegen das Coronavirus einsetzen, als sich im Ausland auf «Abenteuer» einzulassen, fügte der Sprecher nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna hinzu. US-Aussenminister Mike Pompeo hatte am Mittwoch gesagt, der Iran solle seine Ressourcen zum Schutz der Bevölkerung in der Corona-Pandemie aufwenden, statt seine «weltweite Terrorkampagne» fortzuführen.


Auch Irans Aussenminister Mohammed Jawad Sarif wies Trumps Drohung zurück. «Die US-Soldaten haben an einem Ort, der 7000 Meilen von ihrem Zuhause entfernt ist, nichts zu suchen», schrieb Sarif am Donnerstag auf Twitter. Die USA sollten die iranische Marine am Persischen Golf nicht provozieren. Der Chef der Revolutionsgarden, General Hussein Salami, sagte nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna, der Iran werde jegliche Aggression der USA im Persischen Golf «schnell, konsequent und effektiv» erwidern.


Die Spannungen waren zuvor durch den Start eines Militärsatelliten der Revolutionsgarden angeheizt worden. Pompeo hatte den Schritt am Mittwoch kritisiert und eine Überprüfung gefordert, ob der Iran mit dem Start der Trägerrakete gegen UN-Sicherheitsresolutionen verstossen habe. Israel reagierte auf den Start mit einem Aufruf an die internationale Gemeinschaft, schärfere Sanktionen gegen den Iran zu verhängen.


Seit der einseitigen Aufkündigung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran durch die USA im Mai 2018 hatten die Spannungen zwischen den beiden Ländern immer weiter zugenommen. Die gezielte Tötung des iranischen Top-Generals Qassim Soleimani im Januar bei einem US-Luftschlag markierte einen gefährlichen Eskalationspunkt. Zeitweise wurde der Ausbruch eines neuen Krieges befürchtet.


In der Corona-Krise, die sowohl den Iran als auch die USA schwer getroffen hat, ist der gefährliche Konflikt in den Hintergrund gerückt. Gelöst ist er aber weiterhin nicht.

SDA