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Tiere und das CoronavirusIst meine Katze eine Virenschleuder?

In New York hat sich ein Tiger mit Covid-19 infiziert. Was bedeutet das für uns und unsere Stubentiger? Ein Blick auf den aktuellen Stand der Wissenschaft.

Können das Virus in sich tragen und weitergeben: Hauskatzen.
Können das Virus in sich tragen und weitergeben: Hauskatzen.
Foto: Giacomo Cosua / Getty Images

Sie sind der Fels in der Brandung, ein bisschen Normalität in Zeiten des gefühlt ewigen Ausnahmezustands: Haustiere. Vor allem für Menschen, die jetzt alleine zu Hause sind, bieten sie sich als dankbare Leidensgenossen an. Wie auch gegenüber Personen des gleichen Haushalts halten wir keinen Abstand zu ihnen, füttern und liebkosen sie. Doch wie riskant ist das für uns, und wie anfällig sind sie auf das Virus?

Die kurze Antwort: wahrscheinlich nicht sehr.

Die etwas ausführlichere Version: Wie bei vielen Fragen rund um das Coronavirus weiss man schlicht noch zu wenig darüber, um eine abschliessende Antwort geben zu können. Erste Erfahrungswerte akkumulieren sich erst allmählich.

Am Montag verkündete der New Yorker Zoo das positive Testresultat bei einer malaysischen Tigerkatze. Es ist der bisher erste Fall eines mit dem Coronavirus infizierten Tieres in den USA. Ein Pfleger soll das Tier angesteckt haben. In Hongkong und Belgien sind bereits Fälle von infizierten Katzen und Hunden bekannt. Einige hatten Corona-typische Symptome wie Husten, Fieber, Appetitlosigkeit und/oder Kurzatmigkeit, manche hatten gar keine Symptome. Ob die Tiere tatsächlich wegen des Virus Symptome zeigten, ist allerdings noch unklar.

Sicher ist: Je mehr Menschen sich anstecken, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich weitere Tiere auch anstecken. Die Weltorganisation für Tiergesundheit schreibt auf ihrer Website: «Nun, da Covid-19-Infektionen in der menschlichen Bevölkerung weit verbreitet sind, besteht für einige Tiere die Möglichkeit, sich durch engen Kontakt mit infizierten Menschen anzustecken.»

Katzen können Virus an Artgenossen weitergeben

Die tierischen Ansteckungen lassen sich jedoch an einer Hand abzählen, so selten sind sie bislang. Das verdeutlicht auch eine Studie des Analyselabors Idexx, die Proben von über 4000 Hunden, Katzen und Pferden aus den USA, Südkorea, Kanada und Europa auf Sars-Cov-2 untersucht hatte. Keine einzige Probe beinhaltete das neuartige Coronavirus.

Ob sich Tiere überhaupt mit dem Virus anstecken und dieses auch übertragen können, haben chinesische Forscher in einer bisher noch ungeprüften Studie mit Hunden, Katzen, Frettchen und weiteren Tieren wie Hühnern und Schweinen untersucht. In einem Labor haben die Forscher die Tiere mit Sars-Cov-2 infiziert und geschaut, ob sie einerseits anfällig auf das Virus sind und, bei den Hunden und Katzen, ob sie es auch an gesunde Artgenossen weitergeben können. In den Frettchen und Katzen konnte sich das Virus ausbreiten, die Katzen konnten es sogar an gesunde Artgenossen weitergeben. Hunde und alle weiteren untersuchten Tiere hatten eine schwache bis gar keine Anfälligkeit für das Virus. Eine Übertragung auf Artgenossen gab es bei Hunden nicht.

Wieweit sich diese Resultate jedoch auf die Realität übertragen lassen, ist noch unklar. Da es sich bei der Studie um ein Laborexperiment und eine sehr kleine Stichprobe handelte und relativ grosse Mengen des Virus injiziert wurden, ist eine Übertragung auf das reale Leben schwierig, meinte auch Linda Saif, Virologin an der Ohio State University, gegenüber der Fachzeitschrift «Nature». «Es gibt keinen direkten Beweis dafür, dass die infizierten Katzen genug Viren abgesondert haben, um es an Menschen weiterzugeben.»

Übertragung von Mensch zu Mensch immer noch am häufigsten

Dieser Tonalität folgt auch die Wissenschaft. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium, welches den Fall des infizierten Tigers im New Yorker Zoo untersucht hatte, schreibt: «Zurzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass Tiere, einschliesslich Haus- oder Nutztiere, die Infektion auf Menschen übertragen können.»

In einem Factsheet des Tierspitals Zürich heisst es: «Bei der Covid-19-Pandemie ist die Übertragung von Mensch zu Mensch der wichtigste Übertragungsweg für die Verbreitung. Es gibt deshalb keinen Grund, Haustiere aus Angst vor Sars-Cov-2 abzugeben oder ein positiv getestetes Tier einzuschläfern.»

Die Mitarbeiter der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich weisen jedoch trotzdem darauf hin, generelle Hygienemassnahmen im Umgang mit den Tieren einzuhalten. Dazu gehört das gründliche Händewaschen nach dem Kontakt mit den Tieren, Haustiere nicht im Schlafzimmer übernachten und sich nicht ablecken zu lassen sowie Liegeplätze und Gegenstände des Haustiers immer sauber zu halten.

25 Kommentare
    Carmen Siegrist

    Dieser Artikel ist kaum aussagekräftig. Wenn Tieren Viren aus dem Labor gespritzt werden ist das noch lange kein Beweis der Übertragungsmöglichkeit vom Mensch auf das Tier und umgekehrt.

    Diese Forscher würden sich besser vehement dafür stark machen, dass die Gefahr auf den Wildtiermärkten in China ausgeschlossen wird. Dort ist es nicht das erste Mal wie heute, dass einVirus von einem Tier auf den Menschen übertragen worden ist und so weitergegeben wurde. Diese Tiermärkte in China sind scheusslich, unhygienisch und tierquälerisch, wenn lebende Tiere eng eingepfercht ohne Trinkwasser in der Hitze auf ihren Schlächter warten müssen. Stress pur. Und dieses Fleisch soll dann dem Menschen gut bekommen. In der Schweiz sieht man auf keinem Markt rohes Fleisch offen an Haken in der Wärme. Die Wissenschaftler sollten mal schärfere Vorschriften betr. die Hygiene auf diesen Märkten in China, dem Ursprungsland von Covid-19 verfolgen.