Winterthur

Journalistenanfrage löste die Razzia bei der An'nur-Moschee aus

Kriegsreporter Kurt Pelda recherchierte zu den Mordaufrufen des verhafteten Imams. Seine Recherchen fanden den Weg von der Stadt Winterthur zur Staatsanwaltschaft – und diese schlug zu.

Am frühen Mittwochmorgen führten Kantons- und Stadtpolizei eine breit angelegte Razzia in der An'nur-Moschee durch.

Am frühen Mittwochmorgen führten Kantons- und Stadtpolizei eine breit angelegte Razzia in der An'nur-Moschee durch. Bild: Keystone

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Der bekannte Kriegsreporter Kurt Pelda recherchiert schon seit Jahren im Umfeld der An'nur-Moschee in Winterthurer Hegi. In einem Artikel in der «Weltwoche» von heute zitiert Pelda aus einer Rede des äthiopischen An'nur-Imams Scheich Abdurrahman. Der Imam wurde gestern im Rahmen einer breit angelegten Razzia verhaftet.

Peldas Text zeigt, warum: «Jene aber, die nicht in die Gemeinschaft zurückkehren und nicht dort beten, sollten getötet werden», wird Abdurrahman an einer Stelle zitiert. Die Predigt vom 21. Oktober, die als Mordaufruf an Muslimen verstanden werden kann, war laut der Staatsanwaltschaft der Auslöser für die Razzia.

Stadt gab Infos an Polizei weiter

Offenbar erhielten die ermittelnden Behörden den Hinweis auf die kritischen Passagen aber nicht von einer eigenen Quelle oder von einem Mitarbeiter. Auslöser war vielmehr die Recherche von Kurt Pelda. Dieser hatte bereits am Samstagmorgen die Stadt Winterthur um eine Stellungnahme zu seinem geplanten Artikel gebeten, per SMS. Die Verantwortlichen gaben die Rechercheinformationen dann an die Stadtpolizei, und diese wiederum an die Kantonspolizei weiter. Kommunikationschef Michael Scholz bat Pelda gleichzeitig, den Strafermittlungsbehörden seine Informationen umgehend zukommen zu lassen.

Scholz sagt: «Die Stadt Winterthur hat zum ersten Mal am letzten Samstag von den Vorwürfen erfahren, und es entspricht selbstverständlich den Gepflogenheiten, dass sie einen Verdacht auf möglicherweise strafrechtlich relevante Äusserungen an die Polizei weitergibt.»

Die Kantonspolizei plante dann offenbar in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland den Zugrif auf die Moscheeverantwortlichen und den äthiopischen Imam. Die Kantonspolizei äussert sich dazu nicht.

Die Staatsanwaltschaft äusserte sich ebenfalls nicht zur Frage, ob für die Razzia alleine die Infos von Pelda ausschlaggebend waren oder ob auch eigene Ermittlungsergebnisse vorlagen. «Kein Kommentar», hiess es heute Morgen. Die Staatsanwaltschaft will am Freitagnachmittag detailliert über die Razzia und die getroffenen Massnahmen informieren.

Erstellt: 03.11.2016, 10:56 Uhr

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