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Zuckerberg unter DruckKann der Werbe-Boykott Facebook gefährlich werden?

Coca-Cola, Microsoft, Starbucks und andere Firmen schalten während eines Monats keine Werbung, um Facebook zu einem Umdenken bei den Hasskommentaren zu zwingen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ende 2019 musste Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Washington den Politikern Rede und Antwort stehen. Nun machen ihm die Werbekunden zu schaffen.
Ende 2019 musste Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Washington den Politikern Rede und Antwort stehen. Nun machen ihm die Werbekunden zu schaffen.
Foto: Keystone

Was ist passiert?

In den USA haben Bürgerrechtsorganisationen Firmen dazu aufgerufen, im Juli keine Werbung bei Facebook zu buchen. Mit dem Slogan «Stop Hate For Profit» protestieren sie dagegen, dass Facebook bösartige und schlimme Nutzerbeiträge zulässt und damit indirekt über Werbung auch noch Geld verdient. Zahlreiche Unternehmen haben sich der Aktion bereits angeschlossen.

Welche Firmen sind dabei?

Die Liste der beteiligten Unternehmen wird täglich länger. Auf der eigenen Webseite hat die Organisation hinter dem Protest die Liste aller Firmen publiziert. Am Dienstagmorgen waren es bereits 123 Unternehmen; darunter prominente Namen wie Coca-Cola, Adidas, Starbucks, Microsoft, Pepsi, Unilever, Verizon, Levi‘s, Honda usw.

Hat der Boykott bereits etwas bewirkt?

Ja, und zwar gleich doppelt. Am Freitag ist einerseits der Aktienkurs von Facebook um 8 Prozent gefallen. Zum anderen hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Facebook-Beitrag Änderungen angekündigt. Ähnlich wie Twitter will auch Facebook künftig Beiträge kennzeichnen, welche die eigenen Regeln verletzen, aber wegen ihres Nachrichtenwerts nicht gelöscht werden. Zuckerberg argumentiert, es sei wichtig, dass die Leute diese Aussagen nicht nur in den Medien, sondern auch direkt von den Personen selbst auf Facebook lesen könnten. Gelöscht würden aber Beiträge, wenn zum Beispiel ein Politiker zu Gewalt aufrufe. Zudem soll es künftig nicht mehr erlaubt sein, in Werbungen rassistische Inhalte zu verbreiten und Einwanderer oder Flüchtlinge zu desavouieren.

Da Facebook sein Geld mit Werbung verdient, hat die Kampagne
einen wunden Punkt getroffen.

Kann eine solche Aktion Facebook beeinflussen oder gar in die Knie zwingen?

Da Facebook sein Geld mit Werbung verdient, hat die Kampagne einen wunden Punkt getroffen. Allerdings dürfte der Wegfall von Werbegeldern während eines Monats dem Milliardenkonzern kaum wehtun. Zumal sich längst nicht alle Firmen und schon gar nicht das Kleingewerbe am Boykott beteiligen und Facebook als globaler Konzern ein etwas schlechteres Geschäftsumfeld in den USA leicht abfedern kann. 2017 wurde Youtube, der Videodienst von Google, mit einem ähnlichen Boykott belegt. Auch dort ist der Sturm vorübergezogen, und die Werbekunden sind zurückgekommen. Youtube gibt sich seither aber deutlich mehr Mühe, bösartige Beiträge zu verhindern.

Was wäre eine wirkliche Gefahr für Facebook?

Strengere Gesetze und Reglemente werden immer wieder als einziges Mittel gegen Facebook ins Feld geführt. Der Schuss könnte aber auch nach hinten losgehen. Dank der grossen Rechtsabteilung und fast unendlichen Budgets könnte sich Facebook mit strengeren Regeln deutlich besser arrangieren als ein Branchenneuling. Und genau vor denen hat Mark Zuckerberg am meisten Angst. Darum dürfte sich Facebook auch weniger über die zurückgegangenen Werbeeinnahmen ärgern als über den Imageverlust, der die Nutzer (und damit das Kapital von Facebook) auf andere Plattformen treibt.