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Zürcher EnergiegesetzKantonsrat will keine Schonfrist für die Gaswirtschaft

Öl- oder Gasheizungen sollen Hauseigentümer künftig vollständig durch erneuerbare Energien ersetzen müssen.

Die Ölheizung hat im Kanton Zürich bald ausgedient. Dies ist einer der Kernpunkte der Revision des Energie-Gesetzes.
Die Ölheizung hat im Kanton Zürich bald ausgedient. Dies ist einer der Kernpunkte der Revision des Energie-Gesetzes.
Foto: Keystone

Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag bei der Fortsetzung der grossen Energie-Debatte entschieden, die traditionelle Gaswirtschaft nicht zu schonen. Die Mehrheit will ihr keine Ausnahme gewähren. Die Bürgerlichen wollten eine solche ins Gesetz schreiben.

Der grosse «Killer-Paragraf» wurde vom Kantonsrat bereits Anfang Februar in erster Lesung beschlossen: Vorgesehen ist, dass beim Ersatz einer Öl- oder Gasheizung künftig vollständig auf erneuerbare Energien gesetzt werden muss, etwa auf eine Wärmepumpe.

Ausnahmen soll es gemäss Kantonsrat nur geben, wenn der Einsatz von erneuerbaren Energien technisch nicht möglich ist oder die Kosten über die Lebensdauer der Anlage mehr als 5 Prozent höher sind. So sollen die heute noch rund 120'000 Öl- und Gasheizungen im Kanton Zürich allmählich verschwinden.

FDP will «kein Technologieverbot»

Die Bürgerlichen versuchten nun am Montag, eine Ausnahme für die Gaswirtschaft im Energie-Gesetz zu verankern. Sie forderten, dass auch ein Anschluss an ein Gasnetz zulässig sein soll, wenn ein wesentlicher Anteil des Gases erneuerbar oder synthetisch sei oder aus Wasserstoff stamme.

Sie wolle «kein Technologieverbot», argumentierte die FDP. Die Klima-Allianz im Kantonsrat lehnte diesen Schongang mit der Gaswirtschaft jedoch ab. Der Minderheitsantrag der Bürgerlichen wurde knapp mit 87 zu 84 Stimmen abgelehnt.

«Biogas ist zu teuer»

Der Grüne Baudirektor Martin Neukom war ebenfalls gegen eine Sonderregelung für die Gaswirtschaft. Es gebe gar kein Gasnetz, das so viel erneuerbare Energie biete. «Biogas ist für Hauseigentümer keine attraktive Lösung, weil es schlichtweg zu teuer ist.»

Dass synthetische Gase irgendwann viel günstiger seien, sei doch sehr unwahrscheinlich. Man müsse leider erkennen, dass viele Investitionen in die Gasnetze Fehlinvestitionen gewesen seien. Ziel der Umweltpolitik sei es aber nicht, Fehlinvestitionen zu schützen.

Die Schlussabstimmung über das Energiegesetz ist für März geplant. Dass der Todesstoss für die Öl- und Gasheizungen noch vors Zürcher Stimmvolk kommt, ist aber so gut wie sicher. Der Hauseigentümerverband kündigte bereits das Referendum an.

SDA

8 Kommentare
    Hans R. Schenk

    Bei den vielen Altbauten mit Radatorheizungen die eine Vorlauftemperatur von über 50 Grad C verlangen ist der Einbau einer Wärmepumpe nicht gut möglich. Auch frage ich mich wo all die Wärmepumpen den grünen Strom hernehmen sollen. Sicher nicht zu 100% aus der Schweiz. Und wenn wir unsere AKW's abgeschaltet haben kommt der grösste Teil des Stroms (wenn überhaupt) aus dem Ausland und besteht aus Atom- und Kohlestrom.