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Kanton ZugKantonsrat will Vermögenssteuern nicht senken

Weil die Steuer im interkantonalen Vergleich «nicht ganz» konkurrenzfähig sei, reichten Vertreter der SVP und FDP eine Motion ein. Diese wurde nun mit 39:33 Stimmen abgelehnt.

Der bei reichen Zuzügern besonders beliebte Villenhügel von Oberägeri.
Der bei reichen Zuzügern besonders beliebte Villenhügel von Oberägeri.
Foto: Dominique Meienberg

Der Kanton Zug soll im Steuerwettbewerb die Vermögenssteuer nicht herunterschrauben. Der Kantonsrat hat am Donnertag eine Motion der FDP- und SVP-Fraktion abgelehnt.

Die beiden bürgerlichen Fraktionen im Kantonsrat argumentierten, die Vermögenssteuer sei international ein Auslaufmodell. In der Schweiz zähle Zug zudem nicht zu den attraktivsten Kantonen, was die Vermögenssteuer angehe. Diese sei daher massvoll zu senken.

Michael Riboni (SVP), sagte, «tiefere Steuern führen zu höheren Steuereinnahmen». Davon würden letztlich nicht nur die höheren Einkommen profitieren, denn wo mehr Geld vorhanden sei, könne mehr gemacht werden. Es gehe bei attraktiveren Vermögenssteuern auch um Standortmarketing. Befürchtungen, dass Zug von Milliardären überschwemmt werden könnte, wischte Riboni beiseite.

Linke für Steuererhöhung

Luzian Franzini (ALG) lehnte das Begehren ab. Er sagte, dass Milliardäre und Millionäre immer reicher würden, aber 58 Prozent der Zuger Bevölkerung kein steuerbares Vermögen hätten. Längerfristig brauche es eine höhere Vermögenssteuer, denn Vermögen mache nichts, es betreue keine Menschen und baue keine Maschinen.

Barbara Gysel (SP) stimmte dem zu, gerade jetzt während der Coronapandemie. Eine höhere Vermögenssteuer könnte eine Art Krisensteuer sein.

Markus Simmen (CVP) hatte zwar gewisse Sympathien für das Anliegen von FDP und SVP, sagte aber, es sei jetzt wegen Corona nicht der richtige Zeitpunkt für eine Vermögenssteuersenkung. Er wies ferner auf Bestrebungen der OECD hin, die eine Steuerreform für internationale Konzerne plane, die auch Zug betreffen würde.

Kein Handlungsbedarf

Auch die Regierung stellte sich gegen die Motion. Eine solche dränge sich nicht auf, da der Kanton Zug auch ohne Senkung der Vermögenssteuer durchaus wettbewerbsfähig sei. Es gebe keinen totalen Handlungsbedarf, sagte Finanzdirektor Heinz Tännler (SVP).

Tännler plädierte auch dafür, auf die Stimmung in der Bevölkerung zu achten. Für diese sei eine Tiefsteuerstrategie nicht so wichtig, es komme auf die Balance an. Auch für Tännler stimmte ferner der Zeitpunkt nicht.

Motionär Beat Unternährer (FDP) zeigte sich über die Haltung der Regierung enttäuscht. Er sagte, sie würden ja nur eine moderate Anpassung fordern, weil die Vermögenssteuer im Kanton Zug «nicht ganz» konkurrenzfähig sei. Die Motion sei auch ein Test, wie unternehmerfreundlich der Kantonsrat sei.

Das Testergebnis lautete: 39 Kantonsräte lehnten die Motion ab, 33 stimmten ihr zu.

Zu den reichsten Innerschweizer gehört die Familie Brenninkmeijer, die ihr Geld in der Modebranche verdient. Ihr Vermögen wird auf rund 20 Milliarden Franken geschätzt. Zum Reich der global verankerten Brenninkmeijers gehören Hunderte von Immobilien und Beteiligungen an Firmen diverser Branchen. Gebündelt sind die Anteile in der Mutterfirma der Cofra Holding mit Sitz in Zug.

SDA

10 Kommentare
    Paul Gwerder

    Ist doch schön, dass es noch Parteien gibt, die die wirklich drängenden Probleme der Zeit lösen wollen. Am besten schaffen wir doch die Vermögenssteuern ganz ab und führen die negative Progression ein, damit die armen Millionäre und Milliardäre noch schneller noch reicher werden können und alle Superreichen dieser Welt von Monaco an den Zugersee ziehen. Ziel muss es doch sein, möglichst schnell den ersten Billionär begrüssen zu können. Erst dann dürfen SVP und FDP wirklich zufrieden sein und sich als wahre Vertreter des Volkes fühlen, wobei man erst ab 10 Mio. CHF zum wahren Volk gehört. Vielleicht kommt ja schon bald ein Vorschlag dieser Parteien, die Stimm- und Wahlkraft vom Vermögen abhängig zu machen. Im Ernst, braucht es wirklich noch deutlichere Beweise, für wen die beiden Parteien wirklich politisieren, für den Normalverdiener auf jeden Fall nicht!