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ÜbernahmegerüchteKauft Somm den «Nebelspalter»?

Der ehemalige Chefredaktor der «Basler Zeitung» soll Interesse an der Satirezeitschrift haben. Deren Chefredaktor dementiert Verkaufsabsichten.

Lust auf Neues: Tamedia-Autor Markus Somm 2018, als er noch Chefredaktor der «Basler Zeitung» war.
Lust auf Neues: Tamedia-Autor Markus Somm 2018, als er noch Chefredaktor der «Basler Zeitung» war.
Foto: Florian Bärtschiger

19 Jahre nachdem Roger Köppel die einst linksliberale «Weltwoche» gekapert und zu einem dezidiert rechten Magazin umfunktioniert hat, wird nun Markus Somm nachgesagt, er wolle den «Nebelspalter» übernehmen, das Satireblatt, das im 2. Weltkrieg für seine antifaschistische Haltung berühmt geworden war. Das schreibt die «Handelszeitung».

Der «Blick» ergänzte, der ehemalige Chefredaktor und Herausgeber der «Basler Zeitung», der seit zwei Jahren als Autor bei Tamedia angestellt ist, wolle «das Heft auf einen konservativen Kurs bringen». Somm mochte sich auf Anfrage nicht äussern. «Wir kommunizieren, wenn wir kommunizieren können», lässt er ausrichten.

Der «Nebelspalter» wurde 1875 gegründet und zählt zurzeit rund 18’000 Abonnenten. In den vergangenen Jahren sagte Verleger Thomas Engeli mehrfach, er habe keine Absicht, das Blatt zu verkaufen. Eine Anfrage dieser Zeitung liess er unbeantwortet.

Chefredaktor Marco Ratschiller hingegen schreibt auf Anfrage, Verleger Engeli habe ihm gegenüber immer wieder und auch jüngst wiederholt, das Blatt stehe nicht zum Verkauf. Ratschiller fügt an: «Das Magazin gehört zu den eher seltenen Titeln, die in den vergangenen Jahren konstant Abonnenten dazuzugewinnen vermochten.»

«Parteipolitisch unabhängig»

Im September war bekannt geworden, dass Markus Somm 2021 unter dem Codenamen «Säntis» ein «hochkarätiges publizistisches Produkt» lancieren will. Damals war allerdings vom «Nebelspalter» noch keine Rede. Somm will laut Recherchen von CH-Media eine 15-köpfige Redaktion zusammenstellen, deren Texte sowohl online als auch einmal pro Woche in einem gedruckten Heft publiziert werden sollen.

Die angestrebten 7 Millionen Startkapital sollten die Kosten der 15-köpfigen Redaktion während einer mehrjährigen Startphase bis zur selbsttragenden Finanzierung decken. Somm betonte die parteipolitische Unabhängigkeit seines geplanten Mediums. Weder Christoph Blocher noch andere Politiker seien unter seinen Geldgebern.

Gemäss Recherchen von «Blick» und «Handelszeitung» zählen aber rund 70 andere Personen zu den Financiers des Projekts. Sie sollen je 100’000 Franken beisteuern. Namentlich ist von Marcel Erni und Alfred Gantner die Rede. Beide sind schwerreiche Mitgründer des Finanzunternehmens Partners Group. Auch der Multimilliardär Martin Haefner soll das Projekt unterstützen. Ihm gehören unter anderem die Autohandelsgruppe Amag und ein Anteil an Swiss Steel.

Ebenfalls mit von der Partie sei der frühere SVP-Nationalrat und Unternehmer Walter Frey, sagt laut «Handelszeitung» ein Insider. Er ergänzte, Markus Somms Finanzierungsmodell habe den Vorteil, dass er damit auch einen attraktiven Pool potenzieller Inserenten an Bord hole.

Hohn und Spott auf Twitter

Laut den Berichten ist auch Konrad Hummler an der Suche nach Investoren beteiligt und soll Verwaltungsratspräsident werden. Hummler war geschäftsführender Teilhaber der Privatbank Wegelin & Co., bis diese unter dem Druck der USA 2012 ihr Privatkundengeschäft an die Raiffeisengruppe verkaufen musste. Von 2002 bis 2013 war Hummler Verwaltungsrat der «Neuen Zürcher Zeitung» und präsidierte diesen während rund eines Jahres.

Auf dem Internet ist über Somms Pläne eine heftige Debatte entbrannt. Die einen haben nur Hohn und Spott übrig.

Andere titulieren Somm als Totengräber der Abonnementspresse, denn bei der «Basler Zeitung» habe er die Abonnentenzahlen innerhalb von nur acht Jahren von 80’000 auf 40’000 halbiert, was sonst in diesem Zeitraum keine Zeitung geschafft habe. Nochmals andere zweifeln daran, dass Humor und Witz, der traditionellerweise doch subversiv ist und von links kommt, überhaupt aus der rechten Ecke heraus funktioniert.

16 Kommentare
    Reto König

    Wenn man Somms Beiträge in der Sonntagszeitung zum Mass nimmt, so hat er durchaus ein gewisses komisches Potenzial.

    Ob dies aber genügt, um den Nebelspalter erfolgreich zu führen, wage ich zu bezweifeln. Der "Nebi" setzt auf Satire und nicht auf Komik.

    Was aus einem Presseerzeugnis werden kann, wenn es in die falschen Hände kommt, sieht man exemplarisch an der Weltwoche. Diese Wochenzeitung war früher einmal eine erstklassige unabhängiges Informationsquelle...