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Kommentar zu Plänen des AussenministersKein neues Auslandabenteuer

Der Bundesrat sollte darauf verzichten, im Rahmen eines neuen Ausland-Engagements der Schweizer Armee Soldaten nach Afghanistan zu entsenden.

Angehörige der Militärpolizei könnten den Schutz schweizerischer Entwicklungshelfer in Afghanistan gewährleisten.
Angehörige der Militärpolizei könnten den Schutz schweizerischer Entwicklungshelfer in Afghanistan gewährleisten.
Foto: PD

Sie sitzen offenbar immer noch in ihren Planungssesseln zu Bern, die Internationalisten der Schweizer Armee. In den 1990er-Jahren sahen sie das Tummelfeld künftiger Armee-Einsätze an den Rändern westlicher Wohlstandszonen; dort, wo Rückständige immer noch Krieg führten. Die gut gemeinten Ideen von damals, die zu einer friedlicheren, notfalls militärisch durchgesetzten Weltordnung nach westlichem Vorbild führen sollten, sie haben sich leider als utopisch erwiesen.

Afghanistan ist ein schreckliches Sinnbild. Fast ohne Garantien der Taliban verlassen die USA und ihre 37 Verbündeten bis Mitte nächsten Jahres das Land. Das Abkommen, Ende Februar mit Aufständischen geschlossen, ist das Eingeständnis einer schweren Niederlage des Westens – nach zwei Jahrzehnten Friedenseinsatz. Ihr Kernziel erfüllt sehen demgegenüber die Taliban, die seit vielen Jahren den Abzug der ausländischen «Invasoren» verlangen. Die Hoffnungen auf weniger Gewalt im Land, sie erfüllen sich bisher nicht.

Gefährdet ist deshalb auch ein halbes Dutzend Schweizer Entwicklungshelfer, das in Kabul ein Kooperationsbüro des Aussendepartements betreibt. Aussenminister Ignazio Cassis will seine Leute im Geheimverbund mit Verteidigungsministerin Viola Amherd nun durch Schweizer Profisoldaten schützen lassen. Dies zeigt ein Dokument, das dieser Zeitung vorliegt.

Zu hoffen ist, dass der Bundesrat diesem Vorhaben eine Absage erteilt. In einem Land, in dem sich zwei Präsidenten um die Vorherrschaft streiten, wo Gewalt zur Tagesordnung gehört (trotz Coronavirus) und wo der Westen den Krieg verloren hat, gilt es nicht, ein Trüppchen Schweizer Soldaten zu installieren. Ist die Sicherheit der Entwicklungshelfer nicht gewährleistet, sollen sie dort helfen, wo sie nicht an Leib und Leben bedroht sind.

Die USA und ihre Verbündeten ziehen 2021 aus Afghanistan ab. Wer heute Soldaten in die umgekehrte Richtung befiehlt, handelt unverantwortlich.

32 Kommentare
    Anta

    Die afghanischen Kriegsfürsten finanzieren sich den Krieg weiterhin mit der Produktion von Opiaten. Abgesehen davon, dass ein grosser Teil der Jugend süchtig und AIDS ein riesiges Problem darstellt, finanzieren sich damit die Afghanen ihren Freiheitskrieg. Der UNO-Auftrag jedoch befiehlt explizit, dass die Mohnfelder nicht angetastet werden dürfen. Welchen Grund kann es dafür geben als dass die Versorgung des Westens mit illegalen harten Drogen nicht gefährdet werden darf?