Zum Hauptinhalt springen

Alfred Heer bricht sein Schweigen«Klar: Jetzt bin ich natürlich der Trottel»

Einst als Anwärter auf das Parteipräsidium gehandelt, überraschte der plötzliche Rückzug seiner Kandidatur an der SVP-Delegiertenversammlung. Nun meldete sich Fredi Heer erstmals zu Wort.

Wollte laut eigenen Aussagen das Amt als Parteipräsident gar nicht: SVP-Nationalrat Alfred Heer.
Wollte laut eigenen Aussagen das Amt als Parteipräsident gar nicht: SVP-Nationalrat Alfred Heer.
Foto: Anthony Anex (Keystone) 

Ruhig wars um Alfred Heer. Der SVP-Nationalrat schwieg wochenlang über seine Präsidentschaftskandidatur. Die Findungskommission hatte Ende Juli den Tessiner Ständerat Marco Chiesa zur Wahl vorgeschlagen, die Zürcher Kantonalpartei zog dennoch mit Heer ins Rennen. Doch zur Kampfwahl kam es nicht: Der Zürcher Kantonalpräsident Benjamin Fischer zog Heers Kandidatur in letzter Minute zurück, womit Chiesas Wahl nichts mehr im Wege stand (lesen Sie hier unser Porträt zum neuen SVP-Chef).

Gegenüber der «Republik» meldete sich der SVP-Nationalrat nun erstmals zu den Vorkommnissen rund um die SVP-Delegiertenversammlung von vergangenem Samstag zu Wort und gab sich ziemlich gelassen über seine Niederlage. «Die Findungskommission wollte einen Jüngeren, das ist schon gut.» Er habe ja auch nichts dafür getan, um zu gewinnen, sagte Heer. «Ich habe den Job nicht gewollt, aber hätte es gemacht. Dann, wenn die Findungskommission gesagt hätte, sie habe keine Alternative.»

Die Kommission fand Ende Juli jedoch eine Alternative im Tessiner Ständerat Marco Chiesa, welchen sie auch zur Wahl vorschlug. «Als die Kommission Chiesa hatte, war das Ding für mich gegessen», sagte Heer. Doch die Zürcher Kantonalpartei, welche ihn nominiert hatte, hielt an Heer fest. Er wiederum sah es als Sache der Zürcher SVP, ihn als Kandidaten abzuschiessen, da diese ihn ins Rennen geschickt habe. «Ich habe der SVP Zürich gesagt, sie solle mich zurückziehen. Aber die SVP Zürich wollte Kampfwahl, Spektakel.»

«Alles in Minne»

Heer äusserte sich daraufhin für Wochen nicht mehr zu seiner Kandidatur, blieb jedoch bis zuletzt im Rennen. Am Morgen vor der Delegiertenversammlung habe er dem Zürcher Kantonalpräsidenten Benjamin Fischer dann gesagt, er solle seine Kandidatur zurückziehen. «Klar: Jetzt bin ich der Trottel. Aber das ist mir gleich. Ich habs ja nicht für mich gemacht, sondern für die Partei. Für die Findungskommission war es gut, mehr Auswahl zu haben», verteidigte der Nationalrat den späten Rückzug.

Dass sich die Findungskommission in den vergangenen Monaten trotz Heers parteiinterner Beliebtheit nach einem anderen Kandidaten umgeschaut und schlussendlich für Chiesa entschieden hatte, nimmt Heer gelassen. Es sei immerhin die Aufgabe einer Findungskommission, auch andere Leute anzufragen. «Wenn ich mich schlecht behandelt gefühlt hätte, würde ich es sagen. Ich schlafe gut – alles in Minne.» Auch sein Verhältnis mit SVP-Doyen Christoph Blocher sei ungetrübt, beschwichtigte Heer. «Ich habe mit ihm ein gutes Verhältnis. Keinen Streit, keine Auseinandersetzung, gar nichts.»

sho

86 Kommentare
    Louis E. Spotti

    Es bräuchte mehr solche Politiker in der SVP