Zum Hauptinhalt springen

Folgen der ErwärmungKlimawandel verstärkt Bodenerosion

Gemäss einer Studie von Forschern der Uni Basel führt auch die Landnutzung durch den Menschen zu Erosion von Landwirtschaftsböden. Betroffen sind vor allem tropische und subtropische Länder.

Über einer landwirtschaftlich genutzten Ebene bei Arauzo de Torre in Nordspanien, wo vor allem Weizen und Sonnenblumen angepflanzt werden, braut sich ein Sturm zusammen.
Über einer landwirtschaftlich genutzten Ebene bei Arauzo de Torre in Nordspanien, wo vor allem Weizen und Sonnenblumen angepflanzt werden, braut sich ein Sturm zusammen.
Foto: David A. Robinson

Der Klimawandel könnte durch vermehrten Starkregen und andere Effekte dafür sorgen, dass mehr Boden durch Wasser weggeschwemmt wird. Das ist vor allem dann problematisch, wenn Ackerflächen betroffen sind. Bis 2070 könnte die Bodenerosion durch Wasser um 30 bis 66 Prozent zunehmen, berichtet eine internationale Forschergruppe um Pasquale Borrelli von der Universität Basel im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences».

«Die wichtigsten menschengemachten Erosionstreiber sind die Landnutzung und möglicherweise der Klimawandel durch einen intensiveren Wasserkreislauf», schreiben Borelli und Kollegen. Intensiver werde der Wasserkreislauf im Zuge des Klimawandels durch die wärmere Luft, die mehr Wasser aufnehmen kann, und durch häufigere Starkregen-Ereignisse. Viel Regen in kurzer Zeit können nicht nur Hangrutschungen auslösen, sondern auch auf relativ ebenen Böden für Rillen- und Flächenerosion sorgen.

Die Forscher kombinierten die Daten aus Modellen, die die zukünftige Entwicklung unter verschiedenen Annahmen zur Höhe des künftigen Treibhausgasausstosses prognostizieren, mit Daten der Welternährungsorganisation. Auf diese Weise erstellten sie für 202 Länder ein detailliertes Bild der Bodenerosion durch Wasser im Jahr 2015. Die Auflösung betrug 250 mal 250 Meter – also etwa der Grösse eines Feldes. Darüber hinaus untersuchten sie mit dem Modell, wie sich die Situation bis ins Jahr 2070 verändert.

Es gibt Gegenmassnahmen

Dabei folgte die Prognose drei Szenarien. Sie unterschieden sich in der Höhe der Energiezufuhr, die durch Strahlung der Sonne im Jahr 2100 auf die Erde gelangt, und betrug 2,6, 4,5 oder 8,5 Watt pro Quadratmeter. Dieser Wert hängt in erster Linie vom Anteil an Treibhausgasen in der Atmosphäre ab. Bei den Berechnungen berücksichtigten die Wissenschaftler auch, wie sich die Landnutzung verändert, ob Land also zum Ackerbau oder als Weidefläche genutzt, als Waldfläche erhalten wird oder brach liegt. Im 2,6-Szenario würde zum Beispiel durch eine nachhaltige Landnutzung die Bodenerosion durch Wasser bis 2070 sinken, in den anderen beiden Szenarien durch eine kaum veränderte Landnutzung steigen.

Kombiniert mit den Effekten des Klimawandels, steigt in der Prognose die Bodenerosion durch Wasser im 2,6-Szenario um 30 Prozent, im 4,5-Szenario um 51 Prozent und im 8,5-Szenario um 66 Prozent. Dabei sind diese Gefahren weltweit unterschiedlich: «Die Verteilung der vorhergesagten zukünftigen Bodenerosionsmuster deutet darauf hin, dass in Ländern mit hohem Einkommen, im Allgemeinen in gemässigten Breiten, möglicherweise die Erosion weniger zunehmen wird; hingegen sind tropische und subtropische Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommensniveau am anfälligsten für einen starken Erosionsanstieg», schreiben die Forscher.

Das Team um Borrelli nennt aber auch Massnahmen, um der Bodenerosion entgegenzuwirken: Agrarforstwirtschaft, regenerative Landwirtschaft oder andere neue Techniken, die über die derzeitigen Strategien zur konservierenden Bodenbearbeitung hinausgehen. Zu Letzterer gehört beispielsweise der Verzicht auf das Pflügen, um die vorhandenen Bodenstrukturen zu erhalten.