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Kolumne von Rudolf StrahmKonzernhaftung gehört zur Marktwirtschaft

Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, gehört zu den urschweizerischen Tugenden – auch für Unternehmen. Der Kampf der Konzerne gegen die Konzernverantwortungsinitiative ist anachronistisch und paradox.

Proteste 2018 gegen eine Ausstellung im Kunstmuseum Bern von Lafarge Holcim – einem der Unternehmen, deren Geschäftspraktiken im Ausland in der Kritik stehen.
Proteste 2018 gegen eine Ausstellung im Kunstmuseum Bern von Lafarge Holcim – einem der Unternehmen, deren Geschäftspraktiken im Ausland in der Kritik stehen.
Foto: Adrian Moser

In der urschweizerischen Tradition galt immer diese unumstössliche Pflicht: Wer dem Nachbarn einen Schaden zufügt, haftet dafür. Der Bauer haftete, wenn seine Gülle oder sein Wasser in Nachbars Küche oder Keller rann. Der Gewerbetreibende haftete, wenn sein Gefährt des Nachbarn Haus beschädigte. Von alters her ist die Schadenhaftung eine Grundlage des guten Zusammenlebens.

Im ersten eidgenössischen Fabrikgesetz von 1877, das erstmals die Kinderarbeit verbot, wurden die Sorgfaltspflicht sowie eine Haftungsklausel für Unternehmer verankert. Im damaligen Referendumskampf drohten die Textilbarone: «Das ist unser Ruin!» Man hat ihnen nicht geglaubt. Pikanterweise wurde das Gesetz ausgerechnet vom Schweizerischen Handels- und Industrieverein, der Vorläuferorganisation der heutigen Economiesuisse, erfolglos bekämpft.

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