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Gurlitts Bilder werden in Israel gezeigt

Die Frage, wie ein Kunsthändler mit jüdischen Wurzeln zum NS-Handlanger werden konnte, wird gestellt – sei aber sekundär.

Vom Lärm, der mit ihrer Entdeckung einherging, ist wenig zu spüren: Die «Gurlitt-Werke» im Israel-Museum in Jerusalem. Foto: PD
Vom Lärm, der mit ihrer Entdeckung einherging, ist wenig zu spüren: Die «Gurlitt-Werke» im Israel-Museum in Jerusalem. Foto: PD

Im Israel-Museum in Jerusalem werden seit Dienstag Werke aus dem Nachlass des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt gezeigt. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Bern erarbeitet wurde, zeigt Gurlitts Beginn als Sammler vor allem von Avantgardekunst, dann seine Zeit als NS-Kunsteinkäufer in Paris und beleuchtet seine Rolle in der Nachkriegszeit.

Die meisten Bilder, unter anderem von Otto Dix, Max Ernst, George Grosz und Emil Nolde, waren bereits in den Ausstellungen in Europa zu besichtigen. Einige Werke aus dem Fund, wie die Zeichnung «Ein maurisches Ehepaar im Gespräch auf der Terrasse» von Eugène Delacroix, werden erstmals ausgestellt.

Gurlitts Leben wird in einem viertelstündigen Dokumentarfilm in einer Box präsentiert, die in der Mitte des Raumes platziert ist. Es ist eine kritische Annäherung. Dem Aspekt, dass Gurlitt mit Werken, welche die Nazis als «entartet» diffamiert hatten, Geschäfte gemacht hatte und auch Einkäufer für Hitlers geplantes «Führermuseum» war, wird breiter Raum gegeben. Ein Fokus liegt darauf, dass Gurlitt jüdische Verwandte hatte: seine Grossmutter, seine Grosstante und die Frau eines Onkels. Dass er diesen Aspekt im Zuge seines Entnazifizierungsprozesses hervorhob und sich zum Opfer stilisierte, wird als besonders schändlich bezeichnet.

Interessant fürs israelische Publikum

Nach Einschätzung von Museumsdirektor Ido Bruno ist die Person Hildebrand Gurlitt für das israelische Publikum besonders interessant: «Was ist diesem Menschen passiert, der jüdische Wurzeln hatte, der ein begabter Kunstsammler war und der dann eine Kehrtwende vollzogen hat?» Diese Ausstellung werfe Fragen auf, «welche Wahlmöglichkeiten Menschen haben und wie man sie später beurteilt».

«Wir haben vergessen, auf die Kunst zu schauen, und haben uns mit anderen Sachen beschäftigt.»

Shlomit Steinberg, Kuratorin

Dass die Ausstellung in Israel Kontroversen auslösen würde, war dem Museumsdirektor klar. Seinen Kritikern sagt er: «Zuerst und am wichtigsten: Schaut euch die Kunst an! Wir beschäftigen uns aber auch mit der Geschichte, mit den ethischen und moralischen Fragen.»

Die Kuratorin Shlomit Steinberg, die 2014 wie Yehudit Shendar von Yad Vashem von israelischer Seite in die Taskforce zur Aufklärung der Provenienz der Gurlitt-Funde berufen wurde, betont: «Wir haben vergessen, auf die Kunst zu schauen, und haben uns mit anderen Sachen beschäftigt. Mein Ziel ist es, die Kunst in den Mittelpunkt zu stellen und dann in die Geschichte einzubetten. Die Kunstwerke waren über 70 Jahre nicht zu sehen, jetzt ist es an der Zeit, sie ans Tageslicht zu bringen.»

Lob für die Aufarbeitung in der Schweiz

Alle in Jerusalem gezeigten Werke aus dem Gurlitt-Fund seien gründlich geprüft worden, erklärt Steinberg. Bei keinem bestehe ein NS-Raubkunstverdacht. Dennoch steht unter fast jedem Werk der Hinweis: «Die Provenienz wird untersucht. Gegenwärtig gibt es keinen Hinweis auf Raubkunst.»

Die Arbeit im Fall Gurlitt in Deutschland und in Bern sei herausragend, betont Steinberg. «Ich habe mit den besten Personen zusammengearbeitet. Ich danke den Leuten in Deutschland, die sich noch immer damit auseinandersetzen. Das ist nicht einfach. Es benötigt viel Zeit, Anstrengungen und Geduld. Diese Menschen haben die Geduld, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Wir vertrauen ihnen in Israel.»

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