Das Zelt

Bei Lapsus sind Abstürze vorprogrammiert

«Zelten» ist für Peter Winkler und Christian Höhener – eher bekannt als Lapsus – fast schon zur Passion geworden. Am Donnerstag werden die Beiden zu Humanoiden. Vor der «Das Zelt-Gala» haben sie sich schon mal auf die Festplatten und durchs Pop-Up-Fenster blicken lassen.

Lapsus –  Peter Winkler und Christian Höhener wollten schon immer höher hinaus.

Lapsus – Peter Winkler und Christian Höhener wollten schon immer höher hinaus. Bild: Martin Allemann

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Peter Winkler und Christian Höhener, Ihr kommt direkt von Der Bühne, der Hauptprobe zur «Das Zelt-Gala». Können Sie einfach den on/off-Schalter von der Bühnen- zur Privatperson umlegen?
Peter Winkler: Es ist wie eine Einstellung welche man im Körper auf Knopfdruck abrufen kann. Wenn ich imitiere fühle und bewege mich in der Bühnenfigur Theo Hitzig.

Ist so eine Probe mehr Aufwärmtraining oder übt man das exakte Timing?
Peter Winkler: Hier, wenn mehrere Künstler auftreten, ist es die Technik, das Licht und die Auf-/Abgänge die besprochen werden.

Ist ein Kurzauftritt im Rahmen einer Gala, also in ihre Rollen zu schlüpfen, eine schwierigere Aufgabe als beim abendfüllenden Programm – obwohl, man sagt ja «in der Kürze liegt die Würze...»?
Christian Höhener: Das Schwierige ist der Einstieg, die Leute von Beginn weg zu packen. Klar bevorzugen wir die Auftritte, bei denen das Gezeigte wachsen kann. Heute bestreiten wir sozusagen den Opener, sind folglich schneller an der Bar...

Wie kreiert man eine achtminütige Visitenkarte: ein Mini-Best-off Eurer bisherigen Programme, oder pflückt man sich eine aktuelle Nummer heraus?
Peter Winkler: Normalerweise bedienen wir uns vom Besten, hier machen wir Werbung in eigener Sache zur aktuellen Produktion. Es kommt halt sehr darauf an, welches Publikum wir gerade ansprechen und deshalb entscheiden wir manchmal sehr spontan, was wir zeigen.

Wie autobiografisch sind Eure Bühnenfiguren, färben die auf Euch ab?
Peter Winkler: eher umgekehrt. Wenn man so einen nervösen, grosskotzigen, sich selbst überschätzenden Schwafli darstellt, lernt einen das, sich eben gerade privat nicht so zu verhalten. Christian Höhener: mit Bruno Gschwind habe ich einzig den den etwas frisierten Dielekt gemeinsam und die Körpergrösse. Und die innere Fröhlichkeit. Aber ich bin garantiert kein fauler Sack.

Apropos Privat: Manche halten ihr Leben neben dem Scheinwerferlicht dicht. Andre teilen es mit der ganzen World Wilde Web. Mit Jahrgängen Ende der Sechzigerjahre, seid ihr ja richtige Blumenkinder. Was habt ihr nach dem «Bestäuben», bevor Ihr Euch kennengelernt habt so angestellt?
Christian Höhener: ich habe das Lehrerseminar besucht, bin also diplomierter Primarlehrer, habe aber nie auf dem Beruf gearbeitet. Darauf folgte die Scuola Teatro Dimitri in Verscio.

Peter Winkler: ich war vorher als Auftragskiller unterwegs, hatte aber bei diesem anstrengenden Job ein Burnout (schmunzelt). Ich bin Tiefbauzeichner.

Es war also Liebe auf den ersten Blick, ist einfach so passiert – ein Lapsus?
Peter Winkler: Liebe ja, Lapsus nein. Ich kam in der Dimitri-Schule an, vor mir ein buntes Künstlervolk und kam mir sehr verloren vor. Da entdeckte ich trotz seiner unscheinbaren Masse Christian. Der fiel seinerseits durch eine violette Turnhose des Turvereins Thal auf. Wir haben uns gefunden, weil wir ähnliche Typen sind. Wir harmonierten und arbeiteten drei Jahre lang. Danach war klar, dass wir etwas Gemeinsames Erarbeiten wollen.

Also reines Kalkühl?
Christian Höhener: ja, wir sind berechnende Komiker. Auf eine gewisse Art und Weise schon. Andere haben sich von Projekt zu Projekt geangelt und wenn sie endlich hätten fliegen können, haben sie durchgestartet anstelle davonzufliegen. Für uns war von Beginn weg klar, wir wollten etwas mit Nachhaltigkeit aufbauen.

Peter Winkler: Nicht mehrgleisig fahren und sich verzetteln, sondern eine Sache und die richtig. 1996 haben wir gesagt, uns gibt es nur im Doppelpack. Wir hatten auch keine Kulturgelder beantragt, sondern uns durch Firmenauftritte quersubventioniert. So erarbeiteten wir unser erstes Programm, welches Niemand sehen wollte, weil keiner uns kannte.

Ich erinnere mich schwach, dass Ihr vor Jahren in einer Turnhalle meines damaligen Wohnortes, sozusagen als «Frischlinge» aufgetreten seid. Und es war mir nicht ganz «wurscht» was ich da gesehen hatte. Habt Ihr damals geahnt, was so toll begann einmal so enden... also endlos werden würde?
Peter Winkler: Das Programm «Wurscht» haben wir damals noch mit Anet Corti gespielt, aber ich war überzeugt, dass wir mit Lapsus etwas Zukunftsorientiertes angepackt hatten.

2007 seid Ihr mit dem Cirkus Knie auf Tournee gewesen. Ein unvergessliches Abenteuer?
Christian Höhener: Einmalig, so ein fahrender Campingplatz. Das Schöne ist, man lernt die Schweiz mit ihren wunderbaren Orten und Mentalitäten kennen. Man stellt seinen Wohnwagen meist sehr zentral ab und ist mitten im Leben. Diese Zeit nimm man sich bei anderen Auftritten kaum. Und natürlich all die Akrobaten, Musiker und Tiere. Ein spezielles Gefühl, wenn man sich im Zelt hinter den Elefanten zum Auftritt anstellte.

Also wenig freie Sicht bei breitem Hintern...
Peter Winkler: Ich hatte zu Siri, also nicht die vom Smartphone, eine spezielle Beziehung. Ich stand neben ihr und fand, endlich mal einen gleichberechtigten Partner (Blick zu Christian). Sie zuerst, dann ich oder eben wir.

Das Zelten hat es Euch eh angetan...
Christian Höhener: genau. Im Sommer bin ich meist mit der Familie im Wohnmobil unterwegs. ich kam auf den Geschmack und finde es extrem cool. Man zieht von Ort zu Ort und ist mittendrin.

Ist es anspruchsvoller in einer Manage, also mit einem Fast-Rundum-Publikum zu agieren, als von einer Standard-Bühne herab?
Peter Winkler: Das Timing ist anders, damit sie dich nicht dauernd von hinten sehen. Hier in Das Zelt ist es etwas anders, wie ein gut organisiertes Theater.Das Publikum sitz im Halbrund doch relativ nahe und bekommt so unsere Mimik gut mit.

Ihr habt euch – auch im Zelt – beim Arosa Humorfestival als Moderatoren verdient gemacht. Eine gute Gelegenheit, sich auch mal über den Tellerrand hinaus, bei Kollegen, zu inspirieren?
Christian Höhener: Wir erheben doch den Anspruch, alles selber machen zu wollen. Haben keinen Gostwriter und Regisseur. Schön ist dort, Auftritte miteinander zu verschmelzen. Also die Überleitungen z.B. mit Kollegen die in unseren Videos auftauchen, fliessend zu arrangieren.

Ihr habt 2009 den Tunnel zur Westumfahrung Zürich miteröffnet. Steht das sinnbildlich dafür, weil Ihr beim Erarbeiten eines neuen Programmes manchmal nicht das Licht am Ende des Tunnels seht?
Beide: Dem gibt es Nichts mehr hinzuzufügen.

Wie ist denn eure Herangehensweise: ein Schlagwort und dann baut Ihr eine Geschichte drumherum?
Peter Winkler: Was uns immer sehr beflügelt sind gestellte Aufgaben. Also jemand will ein Happening machen, hat Anforderungen und es muss Dies oder Jenes gesagt werden. Oft werden bei Jubiläen zu viele und langfädige Reden gehalten. Wie kann man das aufbrechen – dafür sind wir die Profis. Moritz Leuenberger wollte bei der Westumfahrung nicht wieder so ein blödes Band durchschneiden, also haben wir uns etwas einfallen lassen.

Christian Höhener: Angeregt durch unsere gesammelten, kleinen kreativen Ergüsse entsteht eine Patchworkgeschichte, die verfeinert zum abendfüllenden Programm mutiert. Die meisten künstlerischen Ergüsse bleiben auf der Halde liegen, bis sie vielleicht einmal rezykliert werden.

Aktuell stellt Ihr die Frage «off» oder und «on». Wie lange spielt Ihr ein Programm, mit welchem Zeithorizont muss eine neue «Installation» her?
Peter Winkler: es ist noch schwierig herauszuspühren, wann die Zitrone ausgepresst ist. Die meisten Theater planen länger als ein Jahr im Voraus. Bei uns hat sich ein Rhythmus von etwa drei bis vier Jahren eingepegelt. Zu oft präsent zu sein, ist eher kontraproduktiv. Die Leute denken, die kommen ja eh bald wieder. Wer sich rarer macht, ist barer – sie dürfen etwas Neues erwarten.

Wo fängt bei Euch der Spass an und wo hört er auf?
Christian Höhener: Wir sprechen die Personen nie auf der persönlichen Ebene an. Wir reflektieren auf unsere leicht überzeichneten, aus dem Leben gegriffenen Figuren. Ich werde neben der Bühne oft als Bruno angesprochen. Die Figur hat ein eigenes Seelen-Leben bekommen, sie ist authentisch. Sie bewegt, öffnet Bilder und Ansichten, ohne Andere lächerlich aussehen zu lassen.

Peter Winkler: Es ist eine Frage des Respektes. Wenn ich beleidigend bin habe ich ein Problem damit. Deshalb machen wir keine direkte Publikumsbeteiligung mit Personen die in der ersten Reihe sitzen und sich schon deshalb unwohl fühlen, weil sie sich unterhalten wollen und nicht das Publikum sich auf ihre Kosten.

Wie soll das Publikum das Dargebotene verdauen, respektive welche künstlerischen Ansprüche stellt Ihr an euch selber?
Christian Höhener: Wir versuchen das Zeitgeschehen aufzunehmen und auf humorvolle Art zu reflektieren. «Industrie 4.0» ist derzeit ein grosses Thema. Wie geht es mit unserer Wirtschaft, den Arbeitsplätzen und Weiterbildung weiter. In «on/off» outsourcen wir uns als Humanoiden (menschenähnliche Roboter) – wir bezeichnen uns als Humoriden – selber. Wir bauen Parallelwelten, die man sieht oder eben nicht.

Wer so lange schon künstlerisch zusammenarbeitet ist ja fast verheiratet. Werdet Ihr eifersüchtig aufeinander, wenn ihr nach Hause müsst?
Peter Winkler: Ich glaube es funktioniert so gut miteinander, weil wir die nötige Distanz haben.

Ihr wohnt um Zürich, einen Steinwurf voneinander entfernt. Welchen «Stein» – es darf auch ein Kompliment sein – müsstet Ihr einander längst in den Garten schmeissen?
Christian Höhener: Er ist für mich ein guter Therapeut.

Peter Winkler: wir reden viel miteinander und ich finde es toll, wenn wir uns gegenseitig Komplimente geben. Christian ist ein sehr kreativer, witziger Mensch.

Seit 23 Jahren als Lapsus auf Bühnen unterwegs, bald «Silberne Hochzeit» feiernd. Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, ist da schon etwas geplant?
Peter Winkler: Müssen wir? Also wenn, dann machen wir Sie dafür verantwortlich...

Christian Höhener: vielleicht sollten wir eine Best-off-DVD machen, das hat noch keiner vor uns gemacht.

Ihr seid, das darf man bei Männern ja sagen, alte Show-Hasen und zum fünften Mal für den Prix Walo nominiert. Schielt ihr insgeheim auf jenen für das Lebenswerk?
Peter Winkler: das darf man hier jetzt fast nicht sagen, aber wir fänden es noch witzig ihn zu bekommen, um dann mit dem Rollator auf die Bühne zu kurven und zu sagen: «jetzt wänd mer en nümme!».

Lapsus – «on/off»Donnerstag, 19. April, 20 Uhr. Das Zelt, Kasernenareal, Zürich Tickets: www.daszelt.ch.

Erstellt: 13.04.2018, 12:57 Uhr

Das Programm

on/off

Lapsus vollbringt, was bis jetzt nur mit Autos möglich war: Das erste komplett selbstfahrende Unterhaltungsprogramm. Abstürze sind vorprogrammiert. Auch im verflixten siebten Abendprogramm spielen Hitzig und Gschwind mit allen multimedialen Mitteln. Doch diesmal treiben sie als Humanoide den Irrwitz nicht nur auf den Gipfel, sie dringen auch ins weltweite Digital der Tränen vor, wo kein Auge trocken bleibt. Auf ihrem heiteren Crashkurs durch die vierte Revolution bringt Lapsus wieder alles wunderbar durcheinander – aber auch genial auf den Punkt: sein oder offline, das ist hier die Frage. (red)

Ticketverlosung

Das Zelt – Die «Zürichsee-Zeitung» und der «Zürcher Unterländer» verlosen für diese Show zweimal zwei Tickets.
Kennwort: Lapsus
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zsz.ch (ZSZ) oder ticketverlosung@zuonline.ch (ZU) bis Montag, 16. April, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden. Mitarbeiter von Tamedia sowie Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt. (red)

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