«Da habe ich mich dann ziemlich unwohl gefühlt»

Welche Rolle spielten Kleider auf ihrem Weg von der Miss Schweiz zur Geschäftsfrau? Christa Rigozzi über Karriere und Aussehen.

Die ehemalige Miss Schweiz hat sich rasch einen Namen als Moderatorin gemacht: Christa Rigozzi am Zurich Film Festival 2015. Foto: Keystone

Die ehemalige Miss Schweiz hat sich rasch einen Namen als Moderatorin gemacht: Christa Rigozzi am Zurich Film Festival 2015. Foto: Keystone

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Dieses Interview hätte persönlich stattfinden sollen. Dafür wäre Christa Rigozzi – und man glaubt es ihr aufs Wort – nach einem Zehn-Stunden-Shooting und trotz Grippe gern noch länger in Zürich geblieben. Aber weil der Gotthard über Nacht gesperrt werden soll, musste sie sofort los, um noch gleichentags ins Tessin zu ihrer Familie zu kommen.

Dann eben aus dem Auto per Freisprechanlage. Anzeichen von Müdigkeit? Gejammere, weil sie krank ist? Nicht bei ihr. Christa Rigozzi ist ein Profi. Sie gilt als finanziell erfolgreichste Miss Schweiz aller Zeiten. 2006 zur schönsten Frau der Schweiz gewählt, hat sie sich schnell einen Namen als Moderatorin von Unterhaltungsshows und Events gemacht. Ab Sommer 2017 moderierte sie an der Seite von Jonas Projer die SRF-Liveshow «Arena/Reporter» mit Themen wie Kesb, Grenzwachkorps oder Frauenrechten. Inzwischen wurde die Sendung aus Kostengründen wieder abgesetzt. Für die Tessinerin hat die Zeit aber gereicht, um sich mit souveränen Auftritten als ernstzunehmende Stimme zu etablieren. Neben Professionalität beweist Christa Rigozzi dabei eines immer wieder: Stilsicherheit – damals als Miss Schweiz genauso wie heute als Moderatorin.

Christa Rigozzi, mit «Arena/Reporter» haben Sie sich an ernste Themen gewagt. Wie wichtig war Ihr Outfit für einen kompetenten Auftritt?
Es sollte weniger meine Kompetenz unterstreichen, als zur Sendung passen. Dass ich ein solches Format moderieren kann, war klar, sonst hätte mich das SRF nicht angefragt. Im Vordergrund standen das Thema, die Gäste und das Publikum – es war uns wichtig, dass diese Dinge in Erinnerung bleiben und nicht, was ich getragen habe. Wir setzten darum eher auf Hosenanzüge statt auf Cocktailkleider.

Christa Rigozzi 2017 in der Sendung «Arena/Reporter». Foto: SRF/Daniel Winkler

Wer ist «wir»?
Für wichtige Liveshows im Schweizer Fernsehen berate ich mich mit SRF-Chefstylistin Tatjana Kotoric. Sie kennt mich seit Jahren und weiss genau, was mir steht.

Sie sprachen von klassischen Hosenanzügen. Derjenige aus der ersten Sendung war grasgrün – nichts, was eine Tagesschau-Sprecherin tragen würde. Wurden Sie als ehemalige Miss Schweiz anders beraten als andere Moderatorinnen?
Bei der Tagesschau liegt der Fokus klar auf den News. «Arena/Reporter» war aber auch eine Unterhaltungssendung. Ausserdem komme ich aus der Werbung, aus dem Showbusiness. Und ich liebe die Mode. Hätte das SRF das nicht bewusst gesucht, hätte es jemand anderes engagieren müssen. Mit den Farben – elektrisierendes Blau, Rot, Gelb, Grün – wollten wir meine Persönlichkeit unterstreichen. Farbe für Christa!

Wie wichtig ist Stil im Berufsleben?
Fachkompetenz und Persönlichkeit stehen immer an erster Stelle. Aber Stil ist enorm wichtig, um sich zu präsentieren und zu verkaufen – unabhängig davon, in welcher Branche oder für welchen Event jemand arbeitet. Wichtig ist, dass das Styling zum Anlass passt. So wie ein Pizzaiolo wegen des Mehls kein Schwarz trägt, würde ich eine Kaderkonferenz nie in einem Paillettenkleid moderieren. Das wäre lächerlich.

«Sowohl für Männer als auch für Frauen gibt es viele Möglichkeiten, stilsicher zu sein oder eben nicht.»

Hilft Ihnen auch abseits der Livesendungen eine Stylistin, solche Pannen zu vermeiden?
Bei Events entscheide ich allein über mein Outfit. Ich bin stilsicher, das wissen die Leute, sie vertrauen mir. Ich pflege enge Kontakte zu Labels, besuche Modenschauen und Showrooms. Die Kollektionen für den nächsten Herbst habe ich bereits gesehen: ich werde viele Ton-in-Ton-Outfits tragen.

Sie haben sicher auch schon mal daneben gegriffen.
Einmal habe ich im «Badrutt’s Palace» in St. Moritz einen Sport-Event mit internationaler Presse moderiert. Ich trug das schwarze Spitzenkleid eines amerikanischen Designers, mit enger Korsage und kurzem, ausladendem Tüllrock. Sehr sexy. Nicht sexy genug für den Designer. Als er mich darin sah, quietschte er: «So schöne Beine!», nahm eine Schere und schnitt den Rock noch kürzer. Hallo?! Da habe ich mich dann ziemlich unwohl gefühlt. Nur die Männer, die haben das geschätzt. (lacht)

Christa Rigozza am Eröffnungsabend des Zurich Film Festivals 2018. Foto: Sabina Bobst

Apropos Männer: Frauen argumentieren gern, dass Männer es im Berufsalltag einfacher hätten, stilsicher aufzutreten. Mit dem Anzug besässen sie eine Art universelle Uniform. Stimmen Sie zu?
Nein. Sowohl für Männer als auch für Frauen gibt es viele Möglichkeiten, stilsicher zu sein oder eben nicht: Accessoires, Frisuren, Outfits vom schicken Dreiteiler mit Krawatte bis hin zum ausgebeulten Anzug.

Ein weiterer Diskussionspunkt: in der Öffentlichkeit stehende Frauen würden eher auf ihr Äusseres reduziert als Männer.
Das ist schade. Wenn ich die Bundesratswahlen oder einen Talk am WEF schaue, tue ich das wegen des Inhalts, nicht wegen Äusserlichkeiten. Wenn ich mir hingegen ein Konzert von Beyoncé ansehe, will ich sehr wohl wissen, was sie trägt. Umgekehrt dürfen die Zuschauer auch gern auf meine Kleidung achten, wenn ich eine Sendung moderiere.

«Schöne Menschen müssen härter kämpfen, um zu zeigen, dass sie etwas können.»

Stört Sie das weniger, weil Sie es sich als ehemalige Miss Schweiz gewohnt sind, auf Äusserlichkeiten reduziert zu werden?
Das musste ich zu Beginn meiner Karriere akzeptieren: Ich habe einen Schönheitswettbewerb gewonnen – dank meiner Schönheit. Erst im Nachhinein konnte ich zeigen, wer Christa ist. Konnte zeigen, dass ich fünf Sprachen spreche, spontan bin, hart arbeite. Schönheit verschafft sicherlich manchmal Vorteile. Aber schöne Menschen müssen auch härter kämpfen, um zu zeigen, dass sie etwas können. Ich habe viele Interviews gegeben, damit mich die Menschen besser kennenlernen.

Das scheint funktioniert zu haben.
Heute wissen die Menschen, was ich kann. Ich darf Livesendungen wegen meines Könnens moderieren, nicht wegen meines Äusseren. Dennoch bin ich nach wie vor Entertainerin, bewege mich in einer glamourösen Welt. Die Leute erwarten von mir, dass ich perfekt aussehe, modebewusst, schlank und gepflegt bin. Ich erlebe das aber nicht als Reduktion auf mein Äusseres. Es ist schlicht normal in meiner Branche.

Erstellt: 12.04.2019, 18:21 Uhr

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