Weihnachtskonzert

Irische Weihnachten klingen anders

Angelo Kelly feierte 2017 mit The Kelly Family ein furioses Comeback. Nun ist er mit seiner eigenen Familie auf Christmas Tour und malt die Lieder der festlichen Zeit, mit irischen Klangfarben.

Angelo Kelly mit Frau Kira (Bild Mitte), den Kindern William, Joseph, Emma, Helen und Gabriel.

Angelo Kelly mit Frau Kira (Bild Mitte), den Kindern William, Joseph, Emma, Helen und Gabriel. Bild: PD

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Angelo Kelly, Ihre Geburt kurz vor Weihnachten 1981 war ein Geschenk, aber auch mit der tragischen Krankheit Ihrer Mutter verbunden, die ein knappes Jahr später an Krebs starb. Wie hat Sie das geprägt?
Angelo Kelly (36): Ich verbinde es nicht mit Weihnachten, vielmehr mit der Aufopferung meiner Mutter, die mich sah und nicht ihre Krankheit. Sie hat mit der Chemotherapie erst nach meiner Geburt angefangen. Sie hat sich für mich, mein Leben entschieden. Das prägte mich im positiven Sinne. Es ist ein ganz klares, grosses Zeichen von Mutterliebe. Ich empfindes es als Gnade und hat mich im Leben davor bewahrt, Angst zu haben.

Und haben Ihre Geschwister Sie deshalb besonders umsorgt?
Das kann schon sein. Der Jüngste, «Letzte» wird nicht gleich vom nächsten süssen Baby abgelöst. Aber jeder in der Grossfamilie hatte seine Aufgaben und war dabei fleissig. Ich war also nicht in Watte gepackt ­– zum Glück.

Im Alter von 14 Jahren hatten Sie mit Billy Cobham einen bekannten Jazz-Schlagzeuglehrer. Was bleibt Ihnen von ihm nachhaltig in Erinnerung?
Er war und ist immer noch der Meister seines Fachs und hat mir viel Musik beigebracht – Instrumente und Technik. Aber nicht nur das. Wir haben lange Gespräche über das Leben und die Bedeutung des Musizierens geführt. Dass dies eine Sprache ist und man lernen muss zu improvisieren. Improvisation und Komposition liegen näher beieinander, als man denkt. Jazz-Saxofonist Wayne Shorter sagte einmal: «Wenn ich improvisiere, schreibe ich schnell, komponiere ich, improvisiere ich langsam» – so ist es.

The Kelly Family war in den90er- Jahren sehr erfolgreich. Sie und Ihre Geschwister sind später eigene Wege gegangen. 2017 dann das Comeback. Was ist heute anders in der «Gruppendynamik»?
Vieles. Wir haben Familien gegründet und eigene Existenzen aufgebaut. Sind eigenständige Künstler, Sportler usw., die fest im Leben stehen. Es ist viel schwieriger, zusammenzukommen und alles unter einen Hut zu bringen. Die Zeit liess uns und unser Publikum reifen. Heute hat es eine Magie, die mehr aus eigenem Willen besteht. Nicht dass wir gezwungen waren, aber als Kind mit weniger Entscheidungskraft.

Ihr knüpft nahtlos an Erfolge an. Was bedeutet Ihnen solcher, wie definieren Sie heute Erfolg?
Da gibt es verschiedene Ebenen. Dass es der Familie gut geht, man eine intakte Ehe führt – ob da das Wort Erfolg passt? Im Beruflichen weiss ich es heute mehr zu schätzen, vom Musikmachen leben zu können. Nicht Charts oder Verkaufszahlen sind wirklich wichtig. Was wir mit der Family oder privat erreicht haben, dafür haben wir hart gearbeitet. Heute erkennen wir, was den Leuten gefallen hat. Wir müssen uns nicht neu erfinden. Das ist zwar simpel, aber auch nicht falsch. Man kann dies (bei 22 Alben und Hunderten von Songs) als kommerziell gedacht sehen, Weiterentwicklungen finden aber auf vielen Ebenen trotzdem statt. Wir dürfen drei Stunden das spielen, was den Zuhörenden und uns Freude bereitet.

Nun sind Sie mit der eigenen Familie auf Tour. Ihre älterenKinder schreiben eigene Songs. Sind Sie stolz oder schauen auch mit einer gewissen Skepsis – weil Sie vielleicht nicht alles im Musikbusiness positiv erlebt haben –, wie sich das entwickelt?
Ich habe es den Kindern immer gesagt, nur weil wir jetzt gemeinsam öffentlich musizieren, bedeutet das nicht, dass sie das zu ihrem Beruf machen müssen. Sie sollen spüren, wo ihre Interessen liegen, und wir Eltern unterstützen sie dabei. Natürlich bin ich aufgrund dessen, was ich u. a. erlebt habe, vorsichtig, um gewisse Fehler künftig zu vermeiden. Auf Tournee bewegen wir uns in einer sehr sicheren Welt. Eine Crew, die zur Familie gehört, und treue Fans. Meine Kinder haben ein sicheres Gespür entwickelt, was oder wer nicht förderlich ist und welches Lob oberflächlich gemeint ist.

Auf eurer aktuellen Tour «Irish Christmas» wollt ihr einem die irische Weihnachtstradition näherbringen. Worin unterscheidet sich denn jene von der Insel zu jener auf Festland?
Nur in Details. Als wir nach Irland zogen, fand ich aber, musikalisch gesehen, nichts, was danach klang. Alles tönte im Unterschied zum übrigen Jahr zur Weihnachtszeit amerikanisch, nach Jazz oder klassisch. Das weckte meine Neugierde. Also machte ich mich an die Arbeit. Die irischen Instrumente, die Klangfarben und die Arrangements passen sehr gut, wie ich finde. Daraus sind ein Album und die mittlerweile dritte Tour entstanden.

Ihr interpretiert Weihnachtsklassiker als irische Versionen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Was beim Jazzmusiker die Standards sind, sind beim irischen Musiker die Tunes. Also teils jahrhundertealte Musikstücke, die man, wenn man sich im Pub trifft, kennt und mitspielt oder einfach zuhört. Diese überlieferte Tradition verbindet man selten bis nie mit geschriebenen, gesungenen Liedern. Ich suchte darin die Herausforderung, dies zusammenzufügen. So entstand das Christmas-Programm.

Es darf also auch getanzt und gelacht werden?
Natürlich, Weihnachten ist ja ein Fest der Freude.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.12.2018, 17:22 Uhr

Infobox


Angelo Kelly & Family – «Irish Christmas 2018» Mittwoch, 12. Dezember, 19 Uhr, Halle 622, Zürich-Oerlikon.
Tickets: www.ticketcorner.ch,
Telefon 0900 800 800 (1.19 Fr./Min.).

Ticketverlosung

Angelo Kelly & Family
Der «Zürcher Unter­län­der» verlost für das Konzert von Mittwoch, 12. Dezember, 19 Uhr, 2×2 Tickets.
Kennwort: Irish
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 10. Dezember, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt, die Tickets können an der Abendkasse abgeholt werden.red

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