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ZUgespitztLebensmüde
Landesverräterin

In den Ferien hat man gefälligst in der Schweiz zu bleiben. So einfach ist das! Oder doch nicht?

Wer bitte soll einen hier anstecken? Verlassener Strand in Apulien.
Wer bitte soll einen hier anstecken? Verlassener Strand in Apulien.
Foto: dsh

Schon vor meiner Abreise in die Ferien fühlte ich mich wie eine lebensmüde Mischung aus Extrembergsteigerin und Dschungelcamp-Teilnehmerin. Jedenfalls liessen die Kommentare meiner Mitmenschen vermuten, dass ich mich auf eine Hochrisiko-Expedition begebe. «Hast du keine Angst?» oder «Traust du dich wirklich?» waren da noch die zurückhaltenderen Fragen. Das mit leicht vorwurfsvollem Unterton und hochgezogenen Augenbrauen vorgetragene «Also ich würde das nie wagen» übersetzte ich innerlich mit «Du spinnst wohl völlig». Dabei hatte ich weder vor, ohne Sauerstoffgerät einen Achttausender zu bezwingen, noch wollte ich mich während 14 Tagen von Regenwürmern und Spinnenbeinen ernähren und gleichzeitig jegliche Flüssigkeitszufuhr einstellen.

Allen erhobenen Augenbrauen und schüttelnden Köpfen zum Trotz: Wir reisten. Und nun sind wir wieder da. Und trotz Sonnenschutzfaktor 50 und langen Ärmeln: Man sieht uns die Ferien an. Und was fragt man einen Menschen, der so aussieht? Genau! Und mit der Antwort auf die Frage «Wo warst du in den Ferien» mühen wir uns nun seit fünf Tagen ab. Die Fragen sind dieselben wie vor der Abreise, jetzt einfach im Präteritum: «War das nicht gefährlich? Hattet ihr keine Angst?»

Wir stammeln dann etwas von sehr vorsichtigen Einheimischen, von Maskenpflicht in Innenstädten, von Einweghandschuhen am Frühstücksbuffet. Von trauter Zweisamkeit in Freiluftrestaurants und stundenlangen Wanderungen auf einsamen Pfaden. Und vor allem rechnen wir immer wieder vor: Nämlich dass Apuliendorthin haben wir uns gewagtbei unserer Abreise gerade mal rund 10 Covid-Neuinfektionen pro Tag verzeichnen musste. Apulien hat notabene 4 Millionen Einwohner.

Auch auf dem beeindruckenden Friedhof von Lecce ist man als Touristin ziemlich allein.
Auch auf dem beeindruckenden Friedhof von Lecce ist man als Touristin ziemlich allein.
Foto: dsh

So genau wollen es die meisten dann aber gar nicht wissen. Sie zeigen mir lieber die 93. Aufnahme des Matterhorns oder den 127. Sonnenuntergang im Lavaux. Dass das Bähnli nach Zermatt ziemlich überfüllt und das Waadtland die höchsten Covid-Infektionszahlen der Schweiz hat, sieht man darauf nicht. Wir hüten uns, unsere Aufnahmen von verlassenen Buchten und menschenleeren Gassen zu präsentieren. Aber an dieser Stelle muss ich es doch noch loswerden: Schön wars! Und wenn es wieder etwas weniger Leute in den Schweizer Bergen hat, fahren wir auch wieder dorthin. Versprochen!

1 Kommentar
    Marco M.

    Wir waren in den Sommerferien auch eine Woche in Sardinien und bis heute sind wir immer noch gesund. Es wurde auch keiner Angesteckt und auch dort war die Zahl der Angesteckten sehr gering. Wir sind auch langsam der Ansicht, dass das COVID langsam missbraucht wird, um Sachen zu rechtfertigen, die eigentlich mit gesundem Menschenverstand nicht geregelt werden müssen.