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Neuen Streamingdienst ausprobiertLohnt sich ein Quibi-Abo?

Der neuste Streamingdienst ist ganz aufs Smartphone ausgerichtet. Wir haben ihn ausprobiert.

Im Zug, Bus oder Tram wäre die Verlockung grösser, schnell eine Folge «Flipped» zu schauen, als zu Hause im Homeoffice.
Quibi:
Im Zug, Bus oder Tram wäre die Verlockung grösser, schnell eine Folge «Flipped» zu schauen, als zu Hause im Homeoffice.
Foto: Rafael Zeier

Gibt es nebst Netflix, Amazon, Apple, Disney und so weiter ein Bedürfnis für einen weiteren Videostreaming-Dienst? Die Investoren von Quibi glauben ja und haben fast 2 Milliarden Dollar in den amerikanischen Dienst gesteckt. Vor einer Woche ging er an den Start.

Bereits 1,7 Millionen Mal sei die Quibi-App seither heruntergeladen worden, teilte die Firmenchefin CNBC mit. Zum Vergleich: Disney+ vermeldete letzte Woche, über 50 Millionen Abonnenten zu haben. Netflix hat Weltweit rund 170 Millionen Abonnenten.

Was Quibi von der Konkurrenz unterscheidet, ist der konsequente Fokus aufs Smartphone. Die zahlreichen Eigenproduktionen kann man sich sowohl im Hoch- wie im Querformat anschauen. Die einzelnen Folgen sind zwischen 5 und 10 Minuten lang und eignen sich gut für zwischendurch.

Daher kommt auch der Name. Quibi steht für Quick Bites (schnelle Happen).

Auch in der Schweiz

Da es sich bei den Serien, Dokumentationen, Kochshows und Ratgebersendungen um Eigenproduktionen handelt, kann Quibi diese auch bereits in der Schweiz anbieten – allerdings ohne deutsche Synchronisation oder Untertitel. Die ersten 90 Tage ist die Nutzung gratis. Danach kostet es 8 Franken pro Monat.

Quibi ausprobiert
So funktioniert die Streaming-App.
Rafael Zeier

Probiert man die App aus, überrascht als Erstes, wie flink und elegant sie sich bedienen lässt. Es macht Spass, durch das Sortiment zu wischen. Schaut man sich ein Video an, kann man das Handy mittendrin drehen, und der Film wechselt ohne Ruckler vom Hoch- ins Querformat – oder umgekehrt.

Gerade der Formatwechsel klappt so gut, dass man ungläubig immer wieder versucht, die Filmemacher bei einem Missgeschick zu erwischen. Aber bislang Fehlanzeige.

Ob einem die angebotenen Sendungen gefallen, ist natürlich Geschmacksache. Anders als Disney verfügt Quibi nicht über prominente Zugpferde wie Mickey, «Star Wars» oder die Marvel-Superhelden.

Dennoch kann sich Quibis Liste mit den beteiligten Stars aus der Filmwelt sehen lassen. Die Milliarden haben prominente Namen wie Steven Spielberg, Reese Witherspoon oder Will Smith angelockt. Noch sind aber zahlreiche dieser Sendungen und Serien erst in Arbeit. Gut gefällt aber schon jetzt etwa die Komödie «Flipped», bei der zwei extrovertierte Hausrenovatoren Ärger mit einem Drogenkartell bekommen.

Nebst Unterhaltungssendungen gibt es bei Quibi auch Nachrichtenformate, unter anderem von der BBC.

Nicht auf dem TV

Ausgerechnet Quibis bestes Argument gegen die Konkurrenz ist zum Start keine grosse Hilfe. Wegen der Corona-Krise sind kaum Pendler unterwegs. Gerade im Zug, Bus oder Tram wären die kurzen Episoden ideal.

Aktuell fehlt der Quibi-App die Möglichkeit, die Serien auf einen Fernseher zu übertragen. Die Funktion soll nun aber so schnell wie möglich nachgereicht werden, verspricht die Firmenchefin.

Fazit: Da die App die nächsten 90 Tage gratis ist, kann man sich ohne Risiko ein eigenes Bild machen. Fest steht schon jetzt: Die Quibi-App ist technisch beeindruckend und der Trick mit Hoch- und Querformat mehr als eine filmerische Fingerübung. Ob einem die teils sehr amerikanischen Inhalte gefallen, ist Geschmacksache. Längerfristig ausschlaggebend sind aber die zukünftigen Inhalte. Die entscheiden, ob nach der Gratisfrist auch Abos abgeschlossen werden. Ohne Aboeinnahmen geht auch bei Quibi nichts. Selbst ein Milliardenbudget ist irgendwann aufgebraucht.

4 Kommentare
    Herbert Berger

    Natürlich lohnt sich ein Quibi-Abo. Nämlich für Quibi.

    Wer gerne für Schrott Geld bezahlt, den er auch gratis im Internet beziehen kann (wenn es denn unbedingt sein muss), ist hingegen selber schuld.