Zum Hauptinhalt springen

Tapfere Zürcher U-21Männer gegen Jünglinge

Alter schlägt Tollkühnheit. Der mit vielen Junioren angetretene FC Zürich unterliegt Basel 0:4. Doch die junge Mannschaft hielt lange tapfer dagegen – und zeigte ihre Klasse.

Die verstärkte Zürcher U21, hier Ilan Sauter (l.), wehrt sich nach Kräften gegen den FC Basel.
Die verstärkte Zürcher U21, hier Ilan Sauter (l.), wehrt sich nach Kräften gegen den FC Basel.
KEYSTONE

Die Körper. Die Körperhaltung. Gewöhnlich liegen zwischen Zürich und Basel ein paar Kilometer Land, nun sind es Welten. Es ist kurz vor 20.30 Uhr, als die Spieler den Platz betreten. Die Basler sind grösser also die Zürcher, sie tragen ihre Schultern weiter hinten, haben den strengeren Blick. Doch mit dem Auftreten der Zürcher ist es verbrieft, der FCZ hat elf Spieler gefunden. Junge zwar und darum mit Fahrgemeinschaften angereist, weil nicht alle ein Auto haben und der Bus als unsicher befunden wurde, aber immerhin so viele, um ein Matchblatt zu füllen.

Bei allem Wirrwarr der letzten Tage sind das erfreuliche Nachrichten. Das Konstrukt Profifussball Schweiz hat gewankt, wankt immer noch, doch die kurzfristigen Sorgen sind verbannt.

Als der Schiedsrichter anpfeift, liegt eine Spannung in der Luft, von einer Atmosphäre zu sprechen, verbietet sich, auch bei 1000 Zuschauern. Und doch ist es ein Klassiker, ein spezielles Spiel, wohl das besonderste der Neuzeit. Der FCZ muss mit Junioren antreten, weil ein Grossteil der ersten Mannschaft in Quarantäne steckt.

Der FCZ ist mutig

Der FCZ spielt frech, flach, versucht zu kombinieren, selbst unter Druck – doch prallt an der Basler Robustheit ab. Die ersten zehn Minuten ist er unter Dauerdruck. Als die erste Welle vorbei scheint, reicht eine Flanke von Campo und ein Schuss von Fabian Frei zum 1:0. Ein Start, den das Matchblatt prophezeite, auch wenn Routiniers wie Schönbächler, Marchesano und Pa Modou mitspielen dürfen.

Aussenverteidiger Wallner ist erst 18, der engagierte Flügel Reichmuth und Stürmer Arghandewall ebenso. Es sind die Talente einer Fussballschule, die den Anspruch hat, die beste der Schweiz zu sein. Zu den Eigengewächsen gehört auch der 20-jährige Lavdim Zumberi, der schon einmal aus knapp 60 Metern mit der U-21 gegen La-Chaux-Fonds getroffen hat. Auch Lavdrim Rexhepi hat schon aus 50 Metern ein Tor geschossen, ebenfalls gegen La-Chaux-Fonds, doch am meisten Bekanntheit erfuhr er, als er seinen Profivertrag flankiert vom Ehepaar Canepa mit geschlossenen Stift unterschrieb (oder zumindest so abgelichtet wurde). Die Jungen lassen es gegen Basel immer wieder aufblitzen: Ihre Geschichte soll erst noch geschrieben werden. Vielleicht nicht an diesem Dienstag, doch irgendwann.

Weil Stocker in der 37. Minute etwas gar einfach durch die Zürcher Abwehr laufen kann, steht es zur Pause 2:0. Zürich kommt zu zwei Distanzschüssen. Mehr nicht.

Aus dem Mitspielen wird ein Improvisieren

In der Pause dringt dann durch, dass auch Xamax einen Coronafall hat. Wieder so eine Geschichte, die die Liga umstürzen kann. Auch im Umfeld des FCZ gab es im Vorfeld ein Fünkchen Unruhe. Sie betraf die Personalie Marco Schönbächler, der gegen Basel als Captain spielte. Er sass zwar nicht am 7. Juli im Mannschaftsbus nach Neuenburg, hat aber noch am 9. Juli mit dem Team trainiert, tags darauf wurden die Coronafälle beim FCZ bekannt. Kein Problem, heisst es von der Zürcher Gesundheitsdirektion. Ein Training habe eine andere Exposition als zweimal eine zweistündige Busfahrt. Darum sei dieses Risiko zu vernachlässigen.

In der zweiten Hälfte werden die Verhältnisse deutlicher, im Minutentakt kommt Basel zu Chancen, nur dank den starken Reaktionen von Goalie Novem Baumann bleibt es beim 2:0. Zürich wird eingeschnürt, aus dem Mitspielen wird ein Improvisieren. Interimstrainer Marinko Jurendic kann nur zuschauen. Schliesslich wird aus dem achtbaren 0:2 ein brutales 0:4, weil Basel noch zweimal in der Nachspielzeit trifft.

Ob das Spiel anders ausgegangen wäre, wenn Zürcher Fans die Aussenseiter angetrieben hätten? Ob es eine andere Wendung genommen hätte, wenn nicht Zürich B gespielt hätte? Ob damit die Meisterschaft verfälscht wurde? Wer weiss. Offenbar gehören diese Unsicherheiten in diese verrückte Zeit.

2 Kommentare
    Marc Forster

    Ein Tipp an die Ligabosse: wieso ordnet ihr nicht an, dass der FCZ gegen YB mit seiner U-10 „Piccolos“ antritt? Aber sicherheitshalber (apropos „veryoungboysen“) nur mit den U-10 Mädchen. Wäre auch ne tolle Affiche: Young Boys gegen Very Young Girls. Dürfte wohl 4 : 0 ausgehen...