Zürich

Marschhalt für teures Informatiksystem

Das Informatiksystem, mit dem die Zürcher Strafverfolgungsbehörden seit gut einem Jahr arbeiten, wird nicht wie geplant auf weitere Bereiche ausgedehnt. Stattdessen soll zuerst die Strategie des Projekts überprüft werden.

Das Informationssystem RIS2 funktioniert zwar, aber es sei zu teuer und zu kompliziert, urteilen die Experten: Ein Mann arbeitet an einem Computer.

Das Informationssystem RIS2 funktioniert zwar, aber es sei zu teuer und zu kompliziert, urteilen die Experten: Ein Mann arbeitet an einem Computer. Bild: Keystone

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Schon seit dem Jahr 2008 wird am neuen Rechtsinformationssystem (RIS 2) der Justizdirektion gearbeitet. Seit rund einem Jahr steht es bei der Staatsanwaltschaft und der Jugendstaatsanwaltschaft im Einsatz. «Das System funktioniert und ist tauglich. Aber es ist auch kompliziert und daher teuer», sagt Benjamin Tommer, Kommunikationsbeauftragter der Direktion der Justiz und des Innern auf Anfrage. Der ursprüngliche Projektplan sah vor, RIS 2 in einem nächsten Schritt ab 1. Januar 2016 auch im Justizvollzug und weiteren Einheiten der Justizdirektion einzusetzen.

Alternativen werden gesucht

Dies wird nun zumindest nicht so rasch wie geplant passieren. Wie die Justizdirektion gestern mitteilte, soll zuerst die Strategie des gesamten Projekts überprüft werden. Die zuständige Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) habe einen entsprechenden Antrag dazu bewilligt. «Es ist offen, wie es nachher weitergeht. Möglicherweise wird das Projekt wie geplant fortgeführt», sagt Tommer. Man werde aber auch nach möglichen Alternativen Ausschau halten, die günstiger sein könnten. Auch eine Neuausschreibung sei möglich. Die Überprüfung wird voraussichtlich in der ersten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen sein. Bei der Staatsanwaltschaft und der Jugendstaatsanwaltschaft soll das System aber auch in den kommenden Jahren im Einsatz bleiben und um zusätzliche Funktionen erweitert werden. Mit RIS 2 können Dokumente elektronisch zwischen verschiedenen Stellen ausgetauscht werden. Bei der Software handelt es sich um eine Weiterentwicklung des früheren Rechtsinformationssystem der Justizdirektion. Für Schlagzeilen gesorgt hat das Projekt bisher vor allem wegen seines hohen Finanzbedarfs. Ursprünglich wurden für die Entwicklung rund 8,3 Millionen Franken bewilligt. Im vergangenen Jahr wurden zusätzlich fast 12 Millionen Franken gesprochen. «Die bewilligten Kredite wurden bei weitem noch nicht ausgeschöpft», sagt Tommer.

Gestiegene Anforderungen

Der Kostenanstieg wurde unter anderem damit begründet, dass im Laufe der Zeit zusätzliche Anforderungen in die Projektentwicklung eingeflossen seien. So wurde beispielsweise 2011 die neue Strafprozessordnung eingeführt. Aus der ursprünglich geplanten Überarbeitung der früheren RIS-Version wurde die Erstellung einer komplett neuen Anwendung. Auf den Einkauf einer bestehenden Software, wie sie andere Kantone im Justizbereich einsetzen, wurde verzichtet, weil keine Anwendung existiere, welche alle gestellten Anforderungen erfülle. Dies schrieb der Regierungsrat im Mai dieses Jahres in seiner Antwort auf eine Anfrage im Kantonsrat. (Der Landbote)

Erstellt: 11.09.2015, 21:45 Uhr

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